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Dieser äusserst leicht kenntliche Ampfer treibt unmittelbar nach der Schneeschmelze kleine gelblich-grüne bis kupferrote Blätter, welchen schon nach 8 Tagen die ersten Blütenstände folgen. R. alpinus ist einetypische Lägerpflanze, die sich überall da einstellt, wo Dünger abfällt bzw. liegen bleibt, oder wo Jauche hinfliesst.Als ausgesprochene Ammoniakpflanze kommt er auf magerem Boden niemals vor; an trockenen Standortenwird er sehr oft durch R. obtusifolius (nr. 821) ersetzt. Um die Sennhütten bildet R. alpinus häufig aus-gedehnte, fast reine Bestände (Fig. 523) und unterdrückt, zumal er sich sehr reichlich vegetativ vermehrt, nebensich fast jede andere Vegetation. An anderen Stellen dagegen erscheint er in Begleitung des gelbköpfigenSenecio alpinus, des blauen Eisenhutes (Aconitum Napellus), von Urtica dioeca, Cardamine amara, Menthalongifolia etc. Obgleich der Alpen-Ampfer dem Vieh durchaus unschädlich ist, wird er auf der Weide vomVieh doch nur höchst selten berührt und nur im Notfall — namentlich vom Jungvieh — gefressen. Auf jedenFall muss er auf der Alpe als ein schädliches Unkraut bezeichnet werden, das durch seine starke Beschattungden Graswuchs unterdrückt und den Nutzertrag der Weide wesentlich herabsetzt. Wegen seines ausserordentlichwiderstandsfähigen Rhizoms und der langen Keimfähigkeit der Samen (diese bleiben bis 13 Jahre keimfähig!)im Boden hält es sehr schwer, den einmal angesiedelten Alpen-Ampfer zu vertreiben; das radikalste Mittel istein vollständiges Umbrechen des Bodens mit der Hacke oder dem Pflug. Andererseits wird er aber als wert-volle Futterpflanze — oft in besonderen Blacken- oder Krautgärten — kultiviert. Die Blätter, welche 3 malim Jahre ausgerissen werden können, werden vielerorts in grossen Kesseln im Freien gesotten und hernach inviereckigen Holzbehältern oder in runden Standen wie Sauerkraut aufbewahrt und hernach als Schweinefutterverwendet. Nach Stebler enthalten die eingemachten Blätter 88,0°/o Wasser, 3,1 °/o Roheiweiss, 0,7% Rohfett,4,7% stickstofffreie Extraktivstoffe, 2,1 °/o Rohfaser und 1,4°/o Asche. Die jungen Blätter dienen auch als Salatoder Spinat oder werden in Teig und Butter gebacken gegessen. In Oberbayern werden die grossen Blätterohne weitere Zubereitung auf leidende und heisse Körperstellen gelegt. Sie wirken sehr kühlend und werdenim Sommer auch dazu benützt, um ungesalzene Butter frisch zu erhalten.
821. Rumex obtusifolius L. (= Läpathum obtusifölium Moench, = L. obtusatumMontad.). Stumpfblätteriger Ampfer. Franz.: Patience sauvage; engl.: Broad leaved
oder bitter dock. Fig. 524 a bis f.
Da das Volk die grossblätterigen Ampferarten wie Rumex obtusifolius, crispus, conglomeratus etc.in den Benennungen meist nicht näher unterscheidet, so mögen diese hier zusammen abgehandelt werden. Wiebei Rumex alpinus (vgl. pag. 1/lv so beziehen sich auch hier die meisten Namen auf die grossen Blätter:Blähdischen (Böhmerwald), Blutza, Blot zab lätter (St. Gallen); Blakta, Schmalz b lagga, Schwi-blacka, Spitzblacka (St. Gallen), Mistblackä, Rossblackä, Geissblackä, Ankäblackä (Wald-stätten), Rande flacken (Kt. Zürich : Wermatsweil), Flakeblätte r (Zürich: Wollishofen), Blackte, Spitz-black te (Graubünden: Schiers); Ochsenzunge (Nordböhmen, Egerland, Ostpreussen), Sauzunge (Böh-merwald), wilder Tabak (Schwäbische Alb), Bilder Krean [= wilder Kren], Roschekrean [= Rosskren ;Kren = Meerrettich] (Krain : Gottschee); B Ott er bl ade n (Ostfriesland), Butt erblätter (Gotha, SchwäbischeAlb etc.), Butterblei'tschen (Böhmerwald) Butterweck elkrut (Elsass). Die krausen, wellig gebogenenBlätter gaben wohl zu den Bezeichnungen Strupfenblätter (Böhmerwald) Anlass. Anscheinend vergleichtauch das Volk die (jungen, zusammengerollten?) Blätter mit Puppen (bayerisch Docke, Schweiz. Ditti = Puppe):Dockenblätter (Böhmerwald), D ockalets chen (Egerland), Hematdocken [Hemd-] (Niederösterreich),Dogga, Doggablätter (Schwäbische Alb); Büppli-Chrut (Luzern), Hö ch-B opp ele (n) (Aargau);Dittiblackä, Dittiblätter (nördl. Schweiz). Auf die rötlichen Stengel beziehen sich die Namen (vgl. R.Acetosa, pag. 1801): Rooden HInnerk (Bremen), Roe Hinrik (Braunschweig), Rad (Rae) Hendrek,Henrek (Göttingen): Rüderk, Roodschink (Ostfriesland), Roodstrunk (Hadeln); Bukela [auch Namefür das ähnliche, ebenfalls rote Amarantus Blitum! Vgl. auch Artemisia vulgaris!] (Schwäbische Alb). Auf dieBluten- resp. Fruchtstände bezieht sich Fuchsschwänz (Schwäbische Alb). Die kühlenden Blätter werdenbei „Schorf und „Afl" (Grind, Ausschlag) aufgelegt, daher: Schörflaaken (Hannover), Aflblätter (Nieder-os erreich), Grindelwurz (Zürcher-Oberland). Bei Gotha heissen die grossblättrigen Rumex-Arten Nerwelkraut(Nerweln, Norbeln, Lorbern = Ziegen- oder Schafmist), weil die Blätter zum Abführen beim Vieh verwendeter en. Auf das lateinische läpathum (Bezeichnung mancher grossblätteriger Pflanzen wie Rumex, Lappa)gehen (teilweise vermengt mit „lactuca«) zurück: Kuhlatte, Butterlädn, L ät tichblätter (Gotha),Loddik, Lodkenblätter, Leewken, L ee wk enblätter (untere Weser), Luoken (Westfalen), Latina-latter (St. Gallen), Lendiblätter, Lendiwurz (Aargau). Menkastengel (Schwäbische Alb) wird wohlBeziehungen zu Mangold (vgl. Beta vulgaris) haben (vgl. „Mengelwurz" = Rumex in den Kräuterbüchern desJ. Jahrhunderts). Da die in Frage stehenden Rumexarten gerne an feuchten Standorten (dem Aufenthaltsortder Kröten) wachsen, heissen sie im Elsass auch Kro tt e(n) sur am p f er, in den Waldstätten Chrot ab lätter.