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Die originellen Benennungen Halbross (Oesterreich), Halbpferd (Gera), H alber Gaul (rheinisch), HalbesRoss (Oberösterreich), Halbe Küh (Gotha), Wildes Ross (Böhmerwald), Alts Ross (Niederösterreich)werden wohl mit Recht als „Spottnamen von dem verwahrlosten Aussehen der Pflanze zur Fruchtzeit" gedeutet.Im romanischen Graubünden heisst die Pflanze lavadegn (Bergün) oder lavazas (Unterengadin). In derVolksmedizin werden die grossen Blätter dieser Rumex-Arten auf geschwollene, entzündete und wunde Körperteileaufgelegt. Die Früchte (mit Schweinefett abgekocht) gelten als Mittel gegen die Ruhr (Krain: Gottschee).
Ausdauernd, 50 bis 120 cm hoch (Fig. 524 a). Wurzelstock ästig, mehrköpfig.Stengel aufrecht, einfach oder ästig, oft papillös-behaart, kahl werdend, gefurcht, zuweilenblutrot überlaufen. Aeste aufrecht, aufsteigend. Untere Laubblätter (Fig. 524b) gross,flach, langgestielt, breitelliptisch bis eiförmig, an der Spitze stumpf, abgerundet, am Grundeabgerundet bis herzförmig, mittlere herzförmig-länglich, stumpf, kürzer gestielt, die oberstenlänglich-lanzettlich, zugespitzt, am Grunde verschmälert, alle ganzrandig oder etwas wellig-ausgeschweift, zuweilen alle mit Papillen bedeckt, später kahl und glatt werdend. Blütenzwitterig, in zu gedrungenen, unterwärts durchblätterten, aufrechtästigen Scheintraubenzusammengestellten Scheinquirlen. Letztere reichblütig, die untern voneinander entferntund beblättert, die obern genähert, blattlos. Blüten ziemlich lang gestielt. Blütenstieldünn, etwas unter der Mitte gegliedert (Fig. 524 c, f). Innere Perigonblätter länglich-dreieckig,in eine stumpfe, ganzrandige, Spitze vorgezogen (letztere etwa 1 jz so lang als das Perianth-blatt), deutlich länger als breit (2,5 bis 4 [5] mm lang), netzaderig, am Rande nach demGrunde zu jederseits 2 bis 5 (9) pfriemliche Zähne tragend (Fig. 524d, e), seltener fastganzrandig, meist alle Schwielen tragend (mitunter 1 oder 2 Perianthblätter ohne Schwiele).Fruchtstiele schlank, biegsam, meist länger als das Perianth. Nüsse ziemlich klein, spitz,am Grunde zusammengezogen, 2 bis 2,5 mm lang. ■— VI bis VIII.
Sehr häufig und verbreitet auf Wiesen, Feldern, Grasplätzen, an Gräben, Weg-rändern, auf wüsten Plätzen, in feuchten Gebüschen, Laubwäldern, bei Gebäuden, umDörfer und Stallungen; von der Ebene bis zu den Sennhütten der Voralpen hinauf(vereinzelt bis ca. 2100 m).
Allgemeine Ve rbreitung: Süd- und Mitteleuropa (nördlich bis Südskandinavien),Nordasien, Nordafrika; in Nordamerika eingeschleppt.
Aendert ab: var. silvestris (Lam.) Reck. (= var. tränsiens Simk., = R. silvestris Wallr., = R. Iaevi-gätus Willd., = R. acutus Kit.). Blütentraube bis zur Spitze ununterbrochen. Innere Perianthblätter zurFruchtzeit 4 bis 5mm lang und 3 bis 3,5 mm breit, seltener kleiner (bei der f. microcärpus Bluff etFingerh. nur 2,5 bis 3 mm lang), schmal, länglich-dreieckig, an der Spitze vorgezogen, verwischt-nervig, ganz-randig oder am Rande mit wenigen kurzen, dreieckigen, oft undeutlichen Zähnen; alle eine längliche Schwieletragend. Grundblätter eilänglich, fast spitz, seltener stumpf, — subvar. subalpinus Schur. Fruchtklappenschmäler und länger, nur eine Schwiele tragend oder alle mit undeutlicher Schwiele. Scheintraube mit kurzenAesten (Niederösterreich: Schneeberg). — var. agrestis Fries (= R. Friesii Rech., = R. divaricätus Fries,= R. Wallröthii Nym.). Blütenstand mit aufrechten oder aufsteigenden Aesten. Innere Perianthblätter zurFruchtzeit 4,5 mm lang und 4 mm breit, eirund-dreieckig, an der Spitze kaum vorgezogen, deutlich-nervig, amRande beiderseits mit 3 bis 9 scharfen, 1 bis 2 mm langen Zähnen. Grundblätter eirundlich, stumpf, seltenerspitz. Mit der var. silvestris durch Uebergänge verbunden. — var. subulätus Rechinger. Innere Perianth-blätter 5 mm lang, 3 bis 4 mm breit, 3 eckig, an der Spitze nicht vorgezogen, lang pfriemlich-gezähnt. Zähne(3 bis 4 mm) so lang als die Klappenbreite (Kärnten). — f. pürpureus Poir. (= var. dfscolor Wallr.). Stengel,Blattstiele, Blattrippen und Blüten blutrot überlaufen. — f. pandurif öliu s Borb. Blätter geigenförmig, überdem nierenförmigen Grunde zusammengezogen, nach der Spitze zu verkehrt eirund (Ungarn).
822. Rumex odontocärpus') Sandor (= R. biförmis Menyh., = R. stenophyllusSimk., = R. obtusifolius L. var cristätus Neilr., = R. crispus L. var. dentätus Schur).
Gezähntfruchtiger Ampfer. Fig. 524n.Ausdauernd, 60 bis 100 cm hoch (im Habitus an nr. 821 erinnernd). Grundständige
') Griech. ödovg, Genitiv ödöwog [odüs, odöntos] = Zahn und xagaög [karpös] = Frucht; nach derGestalt der Früchte.