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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Sonntag, 18. Juni 1939

Kölnische Zeltung / Stadl-Anzelger

Vex ?t()cibatberftrdt

Eine Gartenerzfihlung

von Friedrich Schnack

Out«, bw R&tym bt* J)>rm wm i>ectettaft r tat Begriff, i$r«nJcücbenbebarf aus bem Sdjiloßgarten gu boten, mar «ine oottc,ftarfe Nerton Snöe ber .groangig. Bo r fterb unb Kiidjentöfcbbatte fie ficb ein« bratte ©eftalt anformen tonnen. Sie fleißigenSlrme, bas runbe ©eftdw, -gerötet roie uom BMberfrbein ber ijerb»flamme, bie bunfetn Kirfrbaugen, bas fräJh/enfdjiroarg* ftaar Ijaitenauf litt, ben (Beihilfen bes ©ärtners Borngart, ©inbrucf gemacht.Snsgebeim roünfdjte er fte fid) jur grau bocb tyaite er mod)feine ©elegenbeit gefunben, ihr iciefen S&unfd) ausgubrüden. 9tunmar aber grübling, bie 3eü mar ba, man mußte fid) beeilen, ha«tmt ber 2luge-nibti<f nid)* ungenußt üerftoeirbe Uli unb 3ut«waren allein im ©arten.

2Bud)tig ftanb bie Köchin auf bem Kiesroeg unb rebete nad)»brücflid) auf ben SeJjilfen ein. Siefer mußte aus Bfüebigefüif)!ben ©arten gegen bie übertrieibenen Slnfprüche ber Ködyin Der»teibigen, roas er ebenso ungern wie tapfer tat. <£r fniete ooribr in feinem Beet auf einem ültibeit&brett, tabes er ein SP#än$<fyenin ber linfen unb bas BflangljO'Ig in ber regten ftanb hieltSSkiiß(Sott!" fagte er, einen fj&dfittn Sengen für feine Steuerung an»mrfemb,roeiß (Sott! Bas bürfen ©le nicht oon mir rwrtangen:bie atterfrübeften, bie erften Mbabarberif riete!"

3ute (aebte. Der {Rhabarber Im jjinterlanb bes ©artens, tmÖBimfel, roo es Sßlaß gab unb ein roenig fcbatfctg mar, niftete aufber fetten 6rbe. Seine Stengel hatten fid) gerötet, unb bie run=geligen Blätter, noch nicht gu ganger ©röße ausgebreitet, geigten«in gteiebfam befümmertes Slusfeben. 3&as roürbe Borngart fagen,fcräcbe Uli bie erften Stiele, unb roie roürbe ein foleber Dtaub bemIRbabanber fretommen, ben man nicht frbon in ber atterfrüirjeften,«rften Sugenb fcbroäcben foll? Sie Sorbin nannte ihren BereftrerwnenSäugling". Uli fcftütielte barüber ernift ben Hopf. 2erStbabarber fei üielmefyr «in Säugling, erroiberte er, er fange Saftunb Sehen, bamit er fpäter eifrig Stiele bergeben tonne. 2Bieman nitfjt einer jungein ©ans ih/re erften Kielifebern ausrupfe, fobürfe mau audj rnicrjt beim Äbabarber feine frütjeiften Stielenehmen.

Sas ©efpräd) ftoette. Uli tjteü ben Slugenblid für getanunen,feine febroetenben Bftöngdjen in bie ©rbe ^u ftopfen unb mit bem^flanjholj tneidje Srumen gegen bie jarten ©efdjöpfe ju brürfen.3ute aber roanbte fid) ben iRh'aiborberfta.uben ju. ©eii'^enb ertyobfid) Uli, ihr ju folgen.

2a lauerte er, ber 'begehrte Stbafranber unb Jroft bes fterrnoon ftedenaft. Sie tödjin muftertc ftreng unb tüftern bie ißflan-gen. Sas JBefen im Slatttleib &egann fid) frOh.ings.frot) 3Uf»au|d)en. Ungeftüm fließen bie rofigen, ftarten Sriefetöpf« caisbem Beben, runblidjen, ©rbfriiditen nidjt unö,hnlid). Ärebsroteftaute pla&ten unb ii e ß cn grünrote, jertnitterte guugjbtätter heraus-quellen, nidit größer als eine Sinberbamb. 2lm 9tad)ibarftoct, berbte träftigfte Kote jur ©d>au trug, roaren bereits eine 2Inja&fBlatter berangemad)fen, öergförmige, bjettgrüne, geroeUte unb ge-furchte Sacher bitbenb. Sie roten Stiele oon faftiger, fradienberBejdjwffenbeit jengten fid) rinnig ausgetehlt: fie roaren bie Stegen»rötjren ber Blattbdtfjer unb mürben bas SBaffcr ben tlumpiigeu2our3eiftocfe.1t rafd) 3uteiten, jutrirrjtern,

ßetfere Stiele!, mochte State beuten, mit ben Stengeiln lieb»äugelnb. Bare UU nicht fo eigenfinnig unb bodbeinig, tonnte maneinen Meinen, bubfeben Bunb brechen!ftotfteiner Blut!" ftelltebiefer feiner ungebetenen bie nwdjtigen Sßftanaengeftalten oor.

f5rü>er 00m Borgefoirgel* ri«f er,rotftteKge ©orten, W &«*

getjrt boch erft im SKai", fügte «r oorfidytsbaOber lyi^u.Sr-tragreid) bis (Snbe Sunt. Ser Baron fliegt nod) genug baoon.Ser reid>|te SR^aburber aber ift ber »2[meritaner« bort, ein 3tiefeunb beinabe btutemlos. Saßt fid) noch im ftocbfom'mer effen!"

Ob nicht jeßt fd)on ftodtfommer fei, fragte fie Kftig, auf bieBftanje.mit ben langen Stielen beutenb. Ser SQtorgen fei ¥^%fidjerlictj gebe es heute nod) ©eroitter roie im Som-mer.

ftochfornmer? 9tid>t bei fl&tfieiner Blut!" antroortete UU fed*unb fpürte eine anroanMung. oon Bertraulirbteit 3ur Äöchin.Sag« tarn es aber nidjt, Sute btißte ihn mit tbren DogelfdjmarjenStugen fpöttiifd) an unb UU trat roteber gu feinen Bfiangen.Surfte er jeijt nidjt eirtlgss oon feinem ©artemb ambro er f ergätjten?So roie ber oerltebie Solba't oon feinem ÄaferroeniMewft bean SDläb»eben berid)tet, mit bem er abenbs burd) bie SlUeen burnme'lt.

<Br begann: ©inen mniftigen, reiebgebüngten, fdjroeren Bobcnbrawr&t ber Kbabarber, foll er gut unb frech" roachfen. ffir ift einTreffer. Sas roeiß jcber, ber mit ihm 31t tun hat- SJtan fannes iJ)m nidjt oerübeln, er muß: ja eifrig Stiele fpenben. 5ßie bumir, fo \d) bir!, bentt ber Stbabarber über feinen ©ärtner. 2öasbu mir nimmft, mußt bu mir geben . . .1

Oute borte nicht länger ju, fie roanbte ftch ab unb btiette gu benTO'iftbeeten, roo bas StabiesdjenDtofenrotes Öbeal" barauf roar«tete, abgeerntet 311 werben. Ser Angriff auf ben Stbaöarber roarabgefd)ilagen. UUs ©eficbi br'üctte Befriebigung aus. Unb er gingmit feiner Srtorenen roeg.

Ses'h/aib erfutjr bie Köchin nidjt, unb es bleibt audj ungeroiß, obUU es mußte, baß ber aufgebonnerte Slbabarber ein Knöterich*geroädjs ift gleid) bem SBiefenampfer unb bem Saueraitnpfer berg'rübiingifuppe. Bor aUen Biattpflanjen 3eid)net ihn bie fdjöne©igenfdjiaft aus, ein ofaftartig munbenbes Kompott ju fpenben,unb «ine TOarmeiabe, mit Sngroer oerfod)t. Samit er fteis in Saftflebe, muß fein Blütenftanb o-ertappt merben. Siefe Borfobriftbefolgte UU getreatüd). Sie Stiele motten gebrod>en, niemalsgefdjnitten merben.

2ß0'f)er rübrt fein ungeroö'bniKdjer Stame, ber fid) roie ein3auberroori anhört, mit bem man Befdjitoörungen ausführt?, magfid) ein ©ärtner fragen, ber nidjt oertiebt ift, unb ein Bflangen»teimer, ber ben Sthnibarber. gu roürbigen roeiß. ^ür unifere Ohrentönt in bem 2Bort Stbabarber ber Klang bes Srü<hlings, ber jaein Sauberer ift. ©ärtner Borngart, ber tluge, roürbe nun »er»muiiüd) bie tleine ©«{cbidjte ergäblen, bie fid) an bie Bf Ian 3 e an-fpinnt. grüiljer nüöien bie Seute bloß bie lßitr3el, gepuloert alsHeilmittel gegen ©elbfudjt unb Berbanungsibefdjmerben. Sie lamais pontifdie SBurgel Sibapouticum aus ben ©ebirgslünbern besSchmarren 93feeres auf Segelfdbiiffen in ben alten ftafen oonBarbarite.' Sie ftän'bler führten fie in ihren Giften als 9t>ba-barbarurn. Saraus roürbe !RJ)aibariber.

Ser rounberlirhe Sterne begleitet bas {Jrttbja^)r bes ©<irtners, erift uns geläufig. SBoblgefäUig ruht bas 2luge auf ben rotenStieibünbetn. Sie Ijaben bie garbe bes SMpfeis Unb roie oonBeerenfäure einen gefunben ©efdjmact, in ber obiftfofen ^eit besneuen ©arten- unb ©emüfejabres bi>e ßecfiermnuter föfrlid) er-frifdjenb.

Unb UU freut fid) febon barauf, oon State ein Sd)üffefcf)en!Rhab.ariberifom.pott gu betommen, fobatb erft bergrub« »amBorgebirge" brurhreif ift. Sic bat es ifym foeben oerfprochen.