es
MBI
154
Art gehört wie die folgende nördlich der Alpen zur politischen Steppenheideformation. Mit Vorliebe erscheintsie an etwas buschigen Standorten zuweilen (am Lech) mit Linum viscosum vergesellschaftet. An steinigenAbhängen tritt sie auf Kalk gern zwischen Erica carnea auf, zusammen mit Sesleria caerulea, PolygalaChamaebuxus etc. Mit der folgenden Art kann nr. 802 leicht verwechselt werden.
Allgemeine Verbreitung: Südöstliches, mittleres und südliches Europa(nördlich bis Böhmen und Thüringen, westlich bis zu den Vogesen, zum schweizerischenJura und bis zur Dauphine).
Aendert wenig ab: f. typicum Beck. Griffel so lang als das Perigon, an der Frucht von demselbenumschlossen. — f. macrostylum Beck. Griffel 2 bis 2 1 /s mal so lang als das Perigon, an der Frucht ausdem Perigon hervortretend.
803. Thesiurn Linophyllon x ) L. (= T. linifolium Schrank, = T. intermedium Schrad.).Leinblätteriger Bergflachs. Fig. 515a bis d.
Ausdauernd, 15 bis 50 cm hoch. Grundachse dünn, verlängert-ästig, dünne, gelbliche,verlängerte, zerbrechliche, entfernt beschuppte Ausläufer treibend. Stengel zahlreich, auf-recht oder aufsteigend, kantig, kahl, oberwärts rispenartig verzweigt. Laubblätter sitzend,schmal lineal-lanzettlich (etwa in der Mitte am breitesten), 1 bis 4 mm breit, 1- oder un-deutlich 3- (5-) nervig, spitz, kahl, meist bläulichgrün. Blütenstand rispig. Trugdolden1- bis 3- (5-) blutig, ihre Stiele abstehend (Fig. 515b). Jede Blüte von drei Hochblätterngestützt. Perigon glockenförmig, 2 bis 3 mm lang, 5-spaltig, bis zum Grunde eingerollt(Fig. 515 c, d). Frucht ellipsoidisch, mit schwachen Nfebennerven, kurz gestielt, 3 mal solang als der eingerollte Perigonteil und doppelt so lang als der Blütenstiel (Fig. 515 d). — V, VI.
Zerstreut auf Heidewiesen, an steinigen, kurzgrasigen Abhängen, an Waldrändern,in Bergwäldern, an Felsen, an sonnigen Hügeln, in Kastanienwäldern (Süden), bis in dieAlpentäler (Nase ob Maladers in Graubünden 1250 m, am Ritten in Südtirol 1390 m);gern auf kalkreichem Gestein.
In Deutschland mit Ausnahme des nordwestlichen Teiles ziemlich verbreitet (fehlt in Kurhessenund Westfalen gänzlich); nordwestlich bis Neuhaldensleben — Wolmirstedt — Burg bei Magdeburg — Friesack
__ Ludwigslust und als vorgeschobener Posten in der Gegend von Hamburg (hinter Poppenbüttel, Reinbeck).
In O esterreich ziemlich verbreitet (fehlt ganz nur in Schlesien). In der Schweiz in den Kantonen GenfWaadt, Wallis (von Charrat bis Saxon), Tessin und Graubünden (Misox, Maladers, Chur, Rofna-Mühlen).
Allgemeine Verbreitung: Europa (Südosten, Mitteleuropa, im Süden westlichbis Norditalien, zur Dauphine und bis zu den Vogesen), Kaukasus.
Aendert etwas ab: var. latifölium Wim. Pflanze höher. Laubblätter lanzettlich, deutlich 3- bis5-nervig (von nr. 802 durch die Ausläufer verschieden). Selten an etwas schattigen Stellen. — var. fülvipes(Griesselich) Koch. Fruchtstiele und zuweilen unterer Teil der Frucht saftig, gelb oder fuchsrot (Selten).Vgl. pag. 152.
T. Linophyllon gehört in Mitteleuropa der pontischen Steppenheidegenossenschaft an, die sich auchnoch in Westpreussen in Gesellschaft von Scorzonera purpurea, Hieracium echioides, Oxytropis pilosa, Alyssummontanum, Potentilla rupestris, Veronica Austriaca, Peucedanum Cervaria, Androsace septentrionale, Alliummontanum, Stipa pennata etc. vorfindet. Im Süden der Alpen tritt T. Linophyllon gern in den Kastanien-wäldern auf neben Orchis coriophorus (Bd. II, pag. 339), Serapias longipetala (Bd. II, pag. 358), Festuca hetero-phylla (Bd. I, pag. 339), Euphrasia lutea, Dianthus inodorus und vaginatus, Sedum reflexum etc.
T. Linophyllon ist heterostyl und homogam. Während bei der langgriffeligen Form die Antherennur etwas über die Mitte des Griffels reichen, stehen sie bei der kurzgriffeligen dicht über der Narbe, so dassspontane Selbstbestäubung unvermeidlich ist. Von Interesse ist, dass die Pflanze infolge ihres für den Menschennicht besonders auffälligen Honiggeruches auf die Insekten eine so starke Anziehungskraft ausübt, wie nurwenig andere noch so bunte Pflanzen. Schulz beobachtete, wie Bienen aus 40 bis 50 m Entfernung direkt aufdie Pflanze zuflogen und zwar über die verschiedensten grell gefärbten Blüten hinweg, so dass der Schlussgerechtfertigt erscheint, dass nicht hauptsächlich die Farbe, sondern der spezifische Geruch des Honigs dieInsekten anlockt (nach Knuth).
J ) Gr. Xlvov (linon) = Lein und (pvV.ov (phyllon) — Blatt; nach den leinähnlichen Blättern.