Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
152
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sitzend. Blütenstand ährig, traubig oder rispig, 1 - bis 5-blütige Trugdolden tragend. Tragblattlineal, dem Blütenstiel angewachsen, bis an die Blüte hinaufgerückt, mit den beiden Vorblättern(sofern diese vorhanden) auf gleicher Höhe stehend (vgl. Einleitung pag. LXXr, Fig. 92 c), unterjeder Blüte daher 1 oder 3 Hochblätter. Blüten klein, zwitterig. Perigon bleibend, trichterförmig-röhrig (Fig. 517m, i) oder glockenförmig, 5- (seltener 4-) spaltig, aussen grün, innen weiss, auf derInnenseite von nach rückwärts gerichteten Haaren bärtig oder hinter den Staubblättern einenHaarbüschel tragend (Fig. 515i, 517k). Perigonsaum zur Blütezeit ausgebreitet (Fig. 517d),später + tief eingerollt (Taf. 89, Fig. 1 a). Fruchtknoten unterständig (Taf. 89, Fig. 2a). Griffelverschieden lang. Narbe kopfförmig oder undeutlich 3-lappig. Fruchtknoten 1-fächerig, mit2 oder 3, von der Spitze einer dünnen, gewundenen Plazenta herabhängenden Samenanlagen.Frucht meist nussartig (seltener saftig), klein, kugelig oder eiförmig, aussen erhaben netzig-geadert, von der verwelkenden, eingerollten, später abfallenden Blütenhülle gekrönt (Fig. 515 c, d,516b, e). Endokarp krustig oder wenig verhärtet. Samen kugelig oder eiförmig. Keimlingin der Mitte oder in der obern Hälfte des fleischigen Nährgewebes (Fig. 517 m).

Die Gattung umfasst über 100 Arten, welche hauptsächlich in der gemässigten Zone zu Hause sind.In Amerika kommen einzig in Brasilien 2 Arten vor; in Australien fehlt die Gattung vollständig. AlleThesium-Arten sind ähnlich den Loranthaceen als Halbschmarotzer, speziell als Wurzelparasiten, zu bezeichen,welche sich mit Saugwarzen (Haustorien) an den Wurzeln ihrer Nährpflanzen festhalten (Fig. 516 h). AlsWirtspflanzen werden ohne Unterschied die verschiedenartigsten in der Umgebung wachsenden Pflanzen inBeschlag genommen. Die weissen Haustorien sitzen zerstreut an den sehr ästigen Wurzeln, sind von glocken-förmiger oder kugeliger Gestalt und umschliessen die Wurzeln fast sattel- oder mantelartig. Aus der Mitteder Ansatzfläche dringt ein ±. grosser, zylindrischer oder platter Saugfortsatz oder Senker bis zum Zentral-zylinder der Wurzel der Wirtpflanze vor und entzieht derselben durch besondere Leitungsbahnen Nährlösungen.Die Keimung erfolgt wie bei den nicht schmarotzenden Pflanzen; Haustorien bilden sich erst an den Seiten-zweigen der Pfahlwurzeln. Vielfach trifft man an den Wurzeln funktionslose Haustorien an (d. h. fadenförmigerechtwinkelig abstehende Wurzelzweige), welche keine Gelegenheit hatten, mit den Nährpflanzen in Verbindungzu treten. Die Wurzeln und das hypkotyle Glied erzeugen sehr leicht Adventivknospen. Die Bestäubung erfolgtzum Teil durch Insekten (Honigbiene), welche den im Grunde der Blütenhülle abgeschiedenen Honig auf-suchen. Ausserdem ist Selbstbestäubung möglich. Bei einzelnen Arten ist Hetero- bezw. Tristylie beobachtetworden; die erstere wird überdies von sekundären Geschlechtscharakteren begleitet. Die die Perigonzipfel mitje einem Staubbeutel verbindenden Haarschöpf e (Fig.5l7k) haben schon sehr verschiedene Deutungen erfahren.Nach Kern er sollen sie wie ein Docht Wasser zu den Antheren leiten und dadurch den Schluss derselbenbei nassem Wetter bewirken. Nach Miss Ewart dienen die Haarbüschel teils zum Festhalten des Pollens,teils sollen sie den honigsuchenden Insekten das Auffinden des Nektars erleichtern. Loew erblickt in denFäden einen Apparat, welcher die Stellung der Antheren zur Narbe während des Aufblühens zu regulieren hat.Durch diese Fäden soll nämlich die Anthere von der Narbe ferngehalten und dadurch die Autogamie (namentlichbei kurzgriffeligen Formen) erschwert werden. Durch Parasiten (Aecidium) können die Blüten (besondersbei nr. 803) vergrünt oder zu Laubknospen umgewandelt sein. Die Früchte zeigen nur bei einzelnenArten besondere Verbreitungsmittel. Die saftigen, gelben Früchte von nr. 811 dürften vielleicht durch Vögel,diejenigen von nr. 803, 808 und 810, bei welchen die Blütenstiele während der Postfloration gelb und saftig(Elaiosom) werden, durch Ameisen verbreitet werden. Sernander zählt T. alpinum zu dem Aremonia-Typus(Blütenachse unmittelbar unter der Frucht als Elaiosom ausgebildet) der Myrmekochoren. T. alpinum ist aus-gesprochen ,cachyspor" (d. h. die Früchte reifen sehr schnell aus), so dass die untersten Verbreitungseinheiteneines Sprosses bereits abgefallen sein können, während sich die Gipfelblüten noch im Knospenstadium befinden.Drei Arien (T. Bavarum, Linophyllum und ebracteatum) gehören dem pontischen, drei weitere Spezies(T. humile, humifusum und divaricatum) dem mediterranen Florenelement an. T. pratense und alpinum sindmitteleuropäisch und besonders in den gebirgigen Teilen verbreitet. T. rostratum zeigt ein sehr kleinesVeroreitungsareal (östliche Alpen und vorgelagerte Hochebene; vgl. pag. 159); die Pflanze ist also nichtpontisch. Alle einheimischen Arten sind + xerophil gebaut (schmale Blätter, zum Teil Wachsüberzug).

Der meist unverstandene und jetzt kaum mehr im Volke gebräuchliche NameVermeinkraut" kommt ohneZweifel von dem oberdeutschenvermeinen" (berufen, beschreien) = bezaubern. Jedenfalls galt unsere Pflanze wieviele andereBeruf- und Beschreikräuter" (z. B. Erigeron acer, Stachys rectus) im Volksaberglauben für zauber-kräftig. In Niederösterreich heisst T. alpinum nach der Blütezeit Johanniskräutl; Bezeichnungen wie Lein-blatt, Bergflachs, Frauenhaar (vgl. Linaria vulgaris) weisen auf die schmalen, dünnen Blätter hin.