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der Stubendecke oder über der Türe auf. Der Bedarf an Misteln wird grösstenteils von der Bretagne (in Frankreich istViscum überhaupt sehr stark verbreitet) gedeckt; grosse Schiffsladungen gehen von der französischen Küste nachEngland ab. In den letzten Jahren beginnt übrigens derenglische Mistelzweig (besonders in Grossstädten) auchdas deutsche Weihnachten zu schmücken. In Norddeutsch-land hat diese Mode bereits dazu geführt, dass die Mistel ineinzelnen Gegenden bereits ausgerottet worden ist. Sokommt sie in Schleswig-Holstein heute nach Jungenur noch bei Segeberg vor. In Frankreich bildet sienoch heute den grünen Strauss, mit welchem die Kindervon Haus zu Haus ziehend den Neujahrswunsch unterdem Rufe „Aguillanneuf (entstanden aus Au gui l'anneuf) anbringen. In der Volksmedizin gilt die Mistelseit Jahrhunderten (schon bei Plinius) als ein Mittel gegenFallsucht (Epilepsie) und Schwindel; dazu wurden be-sonders die jüngeren Zweige (sti'pites vi'sci) benutzt.Auch in neuerer Zeit wird in Apotheken noch ge-legentlich die Droge Viscum quernum geführt, welchevon V. album und nicht etwa von Loranthus stammt.Aus den Mistelästen, Beeren und Blättern bereiteten die
Fig. 512. Junge Mistel, in den Stamm eingedrungen(Längsschnitt).
Griechen und Römer (wahrscheinlich aber von Loranthus), welche wie die heutigen Italiener Vögel fingen undverspeisten, einen Vogelleim, mit welchem sie die Drosseln fingen. So erklärt sich auch der alte Spruch:„turdus ipse sibi cacat malum" (die Drossel bereitet sich selbst das Unheil). Auch in neuerer Zeit wird ausViscum in südlichen Ländern (auch im Tessin) Vogelleim hergestellt.
CCXXV. Loranthus 1 ) L. Riemenblume.
Zu dieser Gattung gehörenca. 200 Arten der alten Welt,welche hauptsächlich tropische Ge-biete bewohnen. Sie schmarotzenauf dikotylen Bäumen, seltener aufKoniferen. Der für die Loranthoideencharakteristische calyculus (unterhalbder Blüte) ist sowohl als Kelch, alsauch als Randwucherung der Blüten-achse gedeutet worden (Fig. 513 f).
801. Loranthus Europaeus
Jacq. Europäische Riemen-
blume,Eichen-Mistel. Fig.513a
bis k und 514.
Auf Bäumen schma-rotzender, 20 bis 40 (50) cm\\ hoher (Fig. 514) Strauch, mit\/jf gabelig - verzweigten, leichtzerbrechlichen, stielrunden,dunkelbraunen Zweigen. Laub -blätter sommergrün, fast gegen-ständig, dick, kurz gestielt,
verkehrteiförmig-länglich,stumpf, in den Blattstiel ver-schmälert, ganzrandig, dunkel-
c Ei T° 1T oranthus Europaeus Jacq. a Fruchtzweig, b Weiblicher Blütenstand.
Diatomit . deSSelben vergrössert: Weibliche Blüte und Fruchtknoten, d Perigon.
mentäre f" I " e " täreIn Staubblatt, e Männlicher Blütenstand. /Einzelblüte, g Rudi-i s-eöff ruchtkn ° ten - h Perigonblatt mit Staubblatt, i, k Staubblatt (geschlossenP M y iscu m album L. / Männlicher Blütenstand, m Einzelblüte.
n rerigonblatt mit angewachsenem Staubblatt, o Querschnitt durch die Blüte.
onmfmt dU weibliche Blii te. q Same, r Keimender Same mit 2 Embry-
T»i-+ + a ^'/" na v ' Tubeuf). s, t Grundriss eines männlichen und weiblichen
Blutenstandes (v = Vorblatt, /= Laubblatt, a, h = Hochblätter des Blütenköpfchens;in den Ach seln von l die Erneuerungssprosse). Fig. s und t nach Eichler.
) Griech. X&qov [löron] = Riemen und uv&oq [änthos] = Blume.