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das am Boden liegende dürre Laub oder finden sich auf abgefallenen Ast- und Rindestückchen, auf Brettern,in Moospolstern etc. vor.
Die Mistel gehört zu den Halbparasiten. Die zu ihrer Entwicklung notwendigen Baustoffe (organischeSubstanz) bildet sie wie die andern grünen Pflanzen mit Hilfe des Chlorophylls ihrer grünen Blätter und Zweigeselbst. Die Zweige sind auch im Alter grün und behalten ihre Oberhaut, ohne Korkgewebe zu bilden, bei.Die Blätter werden l'/2 bis 2 Jahre alt und fallen dann ab. Da die Mistel nicht in der Erde wurzelt, sondernihre Wurzeln in die Rinde und in das Holz der Wirtspflanzen (Fig. 512) hineinsendet, muss sie der letzternWasser und darin gelöste anorganische Nährsalze entnehmen. Dabei wird sie wahrscheinlich auch einige organischeStoffe erhalten. Die Mistel wird deshalb am besten als „Salzparasit" bezeichnet, welcher der Wirtspflanze,solange er nicht in allzugrosser Menge auftritt, keinen erheblichen Schaden zufügt (siehe unten).
Die Mistel gehört, wie schon Koelreuter 1762 ausdrücklich hervorgehoben hat, zu den Insekten-blütern. Männliche und weibliche Blüten enthalten Honigdrüsen und locken durch ihren orangenartigen GeruchInsekten an. Die ovalen, etwas stacheligen Pollenkörner werden von Fliegen zu den weiblichen Blüten über-tragen. Die Bestäubung erfolgt im Herbst; der Pollenschlauch dringt aber nur bis in die Nähe des Embryosackesvor, wo er bis zum nächsten Frühjahr haltmacht. Dann erfolgt die Befruchtung. Die Beeren reifen im Novemberoder Dezember; sie sind klebrig-schleimig und werden durch Vögel (besonders durch die Misteldrossel sowieandere Drossel-Arten) von Ast zu Ast und von Baum zu Baum verbreitet. Neuerdings hat man auch bemerkt,dass der Marder Mistelbeeren verzehrt; dieser ist aber ein Mistelvertilger. Die weisse Farbe der Beeren wirdvon v. Tubeuf als Schutz gegen Erwärmung gedeutet, indem dadurch das Keimen der Samen in den Beerenverhindert wird. Die Drosseln fressen die Beeren und werfen die unverdaulichen Samen teils durch denSchnabel wieder aus, teils passieren diese den Verdauungskanal der Vögel und gelangen in noch keimfähigemZustand auf die Zweige. Ein anderer Teil der Samen wird aber von den Vögeln beim Abwetzen der klebrigenBeerenteile mit dem Schnabel an die Zweige geschmiert, wo sie dann durch den schnell eintrocknenden Schleimbefestigt werden. Der viscinhaltige Beerenschleim ist lediglich als Anheftungsmittel der Samen zu betrachten;auf die Keimung hat er keinen Einfluss. Die letztere erfolgt bei der Mistel in recht eigentümlicher Weise,und zwar nach Wiesners Untersuchungen nur bei Licht. Bei der Keimung tritt das hypokotyle Glied derKeimung aus dem Samen heraus und biegt sich, da es etwas lichtfliehend (negativ heliotropisch) ist, gewöhnlicheiner weniger belichteten Stelle des Zweiges zu (Fig. 513 r). Das Wurzelende wird klebrig und verbreitert sich durcheinen Kontaktreiz zu einer Haftscheibe, aus deren Mitte sich dann die primäre Wurzel (primäre Senkerwurzel)entwickelt, welche das Periderm senkrecht durchbricht, in das Rindenparenchym des Nährastes eindringt, wobeidie Rindenzellen durch Ausscheiden eines Enzyms aufgelöst werden, und bis in den Holzkörper des Zweigesvordringt. Im nächsten Jahre entspringen rechtwinklig von der primären Senkerwurzel eine oder mehrere grüne,stielrunde oder etwas zusammengedrückte Wurzelstränge, welche parallel der Astachse nach aufwärts undabwärts in der Rinde des Nährastes verlaufen (Rindenwurzeln). Kurz hinter der Spitze der Rindenwurzelzweigen wiederum im rechten Winkel nach der Achse die sekundären Senkerwurzeln ab, welche durch RindeBast und Cambium bis auf den Holzkörper des Nährastes vordringen, von welchem sie nach und nach um-wachsen werden (Fig. 512). Aktiv vermögen sich die sekundären Senkerwurzeln nicht in das Holz einzubohren.Später sterben sie ab und hinterlassen im Holze Kanäle, welche auf den Brettern als Löcher erscheinen. DieRindenwurzeln haben — besonders bei einer Verletzung des Mistelbusches — die Fähigkeit, reichlich Adventiv-knospen zu bilden, die oft dicht nebeneinander stehen und zu neuen Pflanzen heranwachsen. Da die Mistelein Anziehungszentrum für Wasser und Nährstoffe ist, während sie den Wirtspflanzen fast keine Nährstoffeabgibt, ist es leicht verständlich, dass die misteltragenden Aeste allmählich verkümmern, eintrocknen und ihrLaubwerk verlieren müssen. Zuweilen sind ganze Gipfel (Apfelbäume, Kiefern, Tannen) entlaubt und nur von Mistel-büschen gekrönt. Ausserdem richtet die Mistel durch Zerstörung des Nutzholzes (namentlich bei der Weisstanne)oft erheblichen Schaden an. Aus diesem Grunde wird die Mistel vielerorts regelmässig samt dem Tragastaus den Bäumen herausgeschnitten. Stellenweise findet das Laub als Futter für Ziegen, Schafe und RindviehVerwendung. Ebenso bilden Blätter und Zweige im Winter den Hirschen, Rehen und Hasen eine willkommeneNahrung. — Von Abnormitäten können ziemlich häufig 3-gliederige Laubblattwirtel konstatiert werden; seltenersind 4 oder 5 Blätter in einem Quirle vereinigt. Ebenfalls sind fasciirte Zweige und monoecische Formen —derselbe Busch trägt dann zugleich männliche und weibliche Blüten — mehrfach konstatiert worden.
Die Mistel spielt sowohl in der antiken als auch in der germanischen Mythologie eine grosse Rolle.Die „goldene Zauberrute", die dem Aeneas den Zugang in die Unterwelt öffnet, wird gern mit der Mistelidentifiziert. In der Edda, jenem ehrwürdigen Denkmal der altnordischen Literatur, wird erzählt, dass der blindeWintergott Hödur den lichten Sonnengott Balder mit einem „misteltein" (Mistelzweig) als Lanze tötete. Bekannt istauch die Erzählung des Plinius, nach der die Druiden, die Priester der alten Gallier und Britannen, der Eichen-mistel die höchste Verehrung entgegenbrachten. Noch heute gilt die Mistel als dämonenabwehrende Pflanze(s. o.). Der Engländer könnte sich ein Weihnachten ohne Mistelzweige gar nicht denken. Man hängt sie an