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stellen, machte v. Tubeuf 1887 zuerst den Versuch, solche Varietäten auf Grund ihres biologischen Verhaltenszu unterscheiden. Durch zahlreiche ausgeführte Masseninfektionen in der Natur konnte v. Tubeuf feststellen, dasses keine konstanten gross- und kleinblätterigen Formen gibt und dass die Grössendifferenzen lediglich aufErnährungsverhältnisse zurückzuführen sind. Grösse und Gestaltder Blätter und Beeren sind starken Schwankungen unterworfen.Da diese letzteren nach dem Zustande des Nährastes undseiner Stellung verschieden sein können, ist es leicht möglich,dass an dem gleichen Baume (z.B. Linde) gross-undkleinblätterigeMistelformen auftreten. Der Satz Kronfelds, dass die Nadel-hölzer die kleinsten, die hartholzigen Laubhölzer dagegen diegrössten Mistelblätter an den Büschen aufweisen, hat also keineGültigkeit mehr, da z. B. die Weisstanne sehr grossblätterigeMisteln tragen kann. v. T u b e u f (Naturwissenschaftl. Zeitschriftfür Land- und Forstwirtschaft, 5. Jahrg. 1907, Heft 1) unter-scheidet daher mit Rücksicht auf die Anpassung der Mistelan bestimmte Wirtspflanzen und unter Benutzung der morpho-logischen Angaben von Robert Keller die folgenden 3 bio-logischen, ernährungsphysiologischen Rassen:
1. Laub holz-Mist el (Fig. 511). Beeren meist weiss,zuweilen auch gelblich. Gestalt der Beeren wechselnd, baldetwas länger als breit, dann wieder breiter wie lang, amNarbenansatz oft schwach eingesenkt. Samen oval oder drei-kantig, mit flachen Seiten. Blätter in Form, Grösse undLebensdauer wechselnd, meist relativ breiter wie bei derFöhrenmistel. Diese Form, welche ziemlich genau der var. platy-spermum Rob. Keller entspricht, findet sich ausschliesslich aufLaubhölzern; sie geht von einem Laubholz auf das andereüber und kommt in der Natur sicher auf Arten der GattungenPopulus, Salix, Juglans, Betula, Corylus, Carpinus, Castanea,Tilia, Ostrya, Celtis, Crataegus, Pirus (mehr Apfel- als Birn-baumarten), Sorbus (in den Tälern [Südtirol] gern auf S. au-cuparia), Prunus (Pflaumen, Kirschen, Mandel etc.), Acer (ein-heimische und eingeführte Arten), Aesculus, Fraxinus, Robinia,
Caragana, Spartium, sehr selten auf Eichen (sehr selten auf einheimischen Eichen [von H. Preuss kürzlichbei Buchwalde im Kreise Stuhm in Westpreussen auf Q. Robur entdeckt, ferner in der Schweiz und in derRheinprovinz beobachtet], mehrfach [vgl. pag. 106] aber auf angebauten amerikanischen Rot-Eichen [V. albumfehlt zwar in Nordamerika gänzlich] konstatiert), Loranthus und auf Viscum selbst. Weniger sicher sindAngaben des Vorkommens auf Vitis, Ulmus, Fagus, Azalea, Pistacia und Eucalyptus. Durch künstliche Infektionwurde sie auf Nerium Oleander (durch Gaspard und Peyritsch) und Cornus gezüchtet.
2. Tannen-Mistel. Beeren weiss, grösser als bei der Föhrenmistel, aber wie bei dieser meistlänger als breit. Samen oval oder eiförmig, mit 'stark gewölbten Seitenflächen. Blätter grösser und relativbreiter als bei der Föhren-Mistel. Lebt auf der Weisstanne (Abies pectinata) und auf A. Cephalonica, gehtaber nicht auf Föhren und Laubhölzer über. Diese Form entspricht etwa der var. hyposphaerospermumRob. Keller f. latifölium Rob. Keller, dem Viscum läxum Boiss. et Reut. ,3. Abi'etis v. Hayek oder demV. Austriacum Wiesb. ß Abi'etis Wiesbauer).
3. Föhren-Mistel. Beeren oft gelb, doch auch weiss und etwas kleiner wie bei der vorigen Form,aber wie bei dieser meist länger als breit, also oval oder eiförmig, mit stark gewölbten Seitenflächen. Blätterrelativ schmäler wie bei den Tannen- und vielen Laubholzmisteln. Auf Pinus silvestris, P. Laricio und sehrseten (Kaltem in Südtirol und Appersdorf bei Münchsmünster) auf der Fichte (Picea excelsa) beobachtet;künstlich von Heinricher durch Infektion auch auf P. montana gezüchtet. Diese Rasse geht nicht auf die
eisstanne und auf die Laubhölzer über. Sie entspricht ungefähr der var. hyposphaerospermum Rob. Kellerf. angustifölium Rob. Keller, dem Viscum laxum Boiss. et Reut. a. Pini v. Hayek oder dem V. AustriacumWiesb. a. Pini Wiesbauer. Stellenweise erscheint die Föhren-Mistel in grosser Zahl (z. B. um Darmstadt, im Hard-ware bei Karlsruhe, im Bienwalde in der Pfalz, von Franzensfeste bis Bozen), während sie an anderer Stellemit der Tannen-Mistel (Schmausenbuck bei Nürnberg) zusammentrifft oder aber fast gänzlich fehlt (in Ost-preussen, um München etc.). Gelegentlich findet man Keimlinge dieser Rasse auf den Laubhölzern; diesekönnen sich aber auf ihnen nicht entwickeln. Junge Mistelkeimlinge bedecken überhaupt zuweilen zu Tausenden
Fig. 511. Misteln auf einem Obstbaum.Phot. O. Feucht, Stuttgart.