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CCXXIV. Vfscum 1 ) L. Mistel.
■ Diese Gattung ist in Europa einzig durch Viscum album und im Süden (Südspanien, Italien [nachHut er, Herbarstudien pag. 58 in Calabrien] und in Palästina) durch das rotbeerige V. cruciätum Sieb,vertreten. Das letztere lebt auf Olea Europaea, Amygdalus communis, Castanea sativa, Populus pyramidalisetc. Ausserdem kommen zahlreiche Arten in Afrika, Amerika und Australien vor.
800. Viscum älbuni L. Weisse Mistel. Franz.: Gui, g. commun, g. des druides;engl.: Mistletoe; ital.: visco, vischia, visch. Tai 88, Fig. 4, Fig. 511, 512 und 513 1 bis t.
Der Name Mistel (ahd. mistil) ist gemeingermanisch (engl, mistil); sein Ursprung ist dunkel.Mundartliche Nebenformen sind z. B. Mistele (Braunschweig), Mistle, Misple, Mischgle, Mischgelt(Schweiz). Das anlautende ,M" wird manchmal in ,N* verwandelt, so in Nistl (Wiener Wald), Nistle (Schweiz)In Ostpreussen hört man vielfach Wispen, Wespe, Wösp. Da die Mistel schon seit den ältesten Zeiten als„Hexenpflanze" in geheimnisvollem Rufe steht, heisst sie im Aargau Hexe(n)nest, Hexe(n)b esen, im ElsassHexe(n)krut, in Mecklenburg Marentaken (von „Mahr" = Nachtgespenst und niederl. tak [= das deutsche„Zacke" = Spitze] = Zweig). Die Schmarotzerpflanze, die durch ihr Grün zwischen den kahlen Baumästenden Blicken nicht leicht entgeht, wird auch Wintergrün (Tirol: Lienz), Immergrüne (Graubünden: Schiers),genannt. Aus den Mistelbeeren bereitet man einen Vogelleim, weshalb die Pflanze selbst in der SchweizVogelchrut," Vogelkläb (zu klebenl), Vogellim heisst. Im Winter dient die Mistel nicht selten alsZiegenfutter, daher Bocksfutter (Schwäbische Alb), Geisskrut, Geise(n)f utter (Elsass). In Gottschee(Krain) lautet die Bezeichnung für unsere Pflanze Guomol, Uomol. Namen wie Affolter (vgl. auch PirusMalus) und Ken st er leben wohl heute nur mehr selten im Volksmunde. — In Puschlav heisst die Mistelsempriverd [== Immergrün] oder semperverd, welche Namen auch für Hedera helix gelten.
Kleiner, bis 1 m und mehr im Durchmesser erreichender, mehrfach gabelästiger,oft fast kugeliger, wintergrüner, auf Bäumen schmarotzender Strauch (Fig. 511). Stammkurz, dick. Zweige grünbraun, gegliedert; jedes Gabelglied in eine kurze, meist blüten-tragende Spitze mündend, in den Gelenken leicht abbrechend. Laubblätter gegenständig(oft 3- [4-] quirlig) sitzend, lederig, länglich-verkehrteiförmig bis breit-zungenförmig, gelb-grün, 2,5 bis 5 mal so lang als breit, stumpf, nach dem Grunde zu verschmälert, ganz-randig, kahl, überwinternd. Blüten unscheinbar, eingeschlechtig, 2-häusig, zu 3 bis 5 insitzenden Trugdolden, in der Achsel kleiner Hochblätter stehend (Fig. 5131), die männlichengrösser und auffälliger als die weiblichen. Männliche Blüten: Kelch fehlend. Blütenhüllegelbgrün, 4-teilig, mit kurzer Röhre (Fig. 513m). Staubblätter 4, ohne Staubfäden, sitzend,mit den Perigonabschnitten vollständig verwachsen (Fig. 513n), mit zahlreichen poren-förmig sich nach innen öffnenden Pollenfächern (Taf. 88, Fig. 4b; Fig. 513 o). Perigon-blatt auf der Innenseite daher scheinbar siebartig durchbrochen (Fig. 513o). WeiblicheBlüte: Blütenhülle klein, schmal, 3- bis 4-teilig. Fruchtknoten unterständig (Fig. 513p).Griffel kurz oder fehlend. Narbe dick, polsterförmig. Scheinbeere (die Blütenachse ist ander Fruchtbildung auch beteiligt) beerenartig, erbsengross, zuerst grün, dann weiss bisgelblich, mit zähem, schleimigem Fleische, meist 1- (seltener 2-) sämig. Samen oval oder2-kantig (Fig. 513q), mit 1 bis 3 stielrundlichen, grünen Keimlingen in reichlichem Nähr-gewebe (Taf. 88, Fig. 4c; Fig. 513r), ohne deutliche Keimblätter. — (II) III bis V.
Auf verschiedenen Laub- und Nadelhöbern schmarotzend (siehe unten!); von derEbene bis in die Voralpen und Alpentäler (Leissa in Graubünden, 1330 m).
Allgemeine Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa (nördlich bis Skandinavien[59° 30' nördl. Breite], Litauen und Moskai.), russisch. Asien, Westpersien; für Nord-afrika wahrscheinlich.
Während man sich früher allgemein (Rob. Celler, Wiesbauer, Kronfeld etc.) bemühte, aufGrund morphologischer Verschiedenheiten einzelne Mistelformen (Gandoger unterschied 37 Formen!) aufzu-
') Name der Mistel sowie des aus den Beerei bereiteten Vogelleims bei den Römern; vgl. das gleich-bedeutende griech. i£6g [ixös, ursprünglich vixös mit lern verschwundenen gr. Buchstaben Digamma].