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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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799. Parietaria ramiflöra 1 ) Moench (= P. diffusa Mert. et. Koch, = P. judäica L.).

Aestiges Glaskraut. Fig. 510 a bis d.

Ausdauernd, bis 40 cm hoch. Wurzelstock kurz,vielköpfig. Stengel ausgebreitet, aufrecht, aufsteigendoder niederliegend, meist reichlich verzweigt, flaumig.Laubblätter gestielt, eiförmig, ganzrandig, kleiner als beinr. 798 (2 bis 3 cm lang), zugespitzt, am Grunde ver-schmälert, am Rande gewimpert. Blütenknäuel kugelig,viel kürzer als die Blattstiele. Tragblätter kürzer alsdie Blüten, herablaufend. Perigon der weiblichen undzwitterigen Blüten nach der Blüte verlängert. V bis X.

Ziemlich selten in Mauerritzen, an Strassen,unter Felsen.; seltener als nr. 798.

In Deutschland anscheinend wild im südwestlichen Teilin der obern Rheinebene und in den Nebentälern, so mehrfach inBaden (Seckenheim, Wieblingen, Mannheim; im Neckartal bei Heidel-berg, Hirschhorn, Neckarzimmern), in Württemberg (Lauften imOberamt Besigheim, Mergentheim, Heilbronn, Vaihingen a. E.), inElsass-Lothringen (Saarburg, Metz, Moseltal), im Nahetal (aufwärtsbis Kreuznach), in Hessen (Falkensteiner Wald bei Niedenstein) undziemlich häufig im Rheintale von Mainz bis Wesel. Ausserdem zu-weilen adventiv in Westfalen (Dorsten, Recklinghausen), Stadt-mauern von Münden und Göttingen, Meissen und in Bayern (beiPassau [neuerdings von Hepp bestätigt]; aber nicht bei Aschaffen-burg). In Oesterreich zerstreut in Südtirol (gemein in den Niede-rungen des Sarca- und Etschtales, bei Deutschmetz, um Trient, Masettiunterhalb Salurn, um Bozen [gemein], Sarntal [bis zum Johannes-kofel], Eppan, Leuchtenburger Wald, Cles, am Küchelberg bei Meran),in Steiermark (einzig in Graz: auf dem Schlossberg und zwischendem Paulustor und Karmeliterplatz. Ob aber wirklich ursprünglich?),Krain und Küstenland. In der Schweiz einzig im insubrischenGebiet (Tessin [aufwärts bis Biasc.i und Olivone], in Misox [Soazzo, Roveredo] und im Bergell [Castasegna]).

Allgemeine Verbreitung: Südeuropa (von Portugal bis in die Türkei), West-europa (nördlich bis England und Holland), Orient.

Diese Art, welche vielfach sie soll eine Standortsform (Mauern) darstellen als Form vonP. officinalis angesehen wird, ist in der Verbreitung viel enger an das Mediterrangebiet gebunden als nr. 798.Im westlichen Deutschland zeigt sie grosse Beziehungen zur mediterranen Flora des mittleren Frankreichs. IhreEinwanderung dürfte sehr wahrscheinlich durch das Moseltal und dann rheinaufwärts stattgefunden haben. Allerdingserfolgte diese Einwanderung vielleicht wie bei Muscari neglectum, Papaver hybridum, Fumaria parviflora,Iberis amara, Calepina Corvini, Diplotaxis viminea, Vicia gracilis, Valeriana incrassata, Calendula arvensis etc.zum Teil unter dem Einflüsse der menschlichen Kultur. Aendert wenig ab: var. fällax Gren, et Godr. Stengelmehr aufgerichtet. Laubblätter länglich-eiförmig, grösser (Württemberg: Mergentheim). var. rotundata Murr.Laubblätter fast rundlich, vorne nur sehr kurzgespitzt (Südtirol: Doss Trento mit der gewöhnlichen Form). Beider Kultur in gewöhnlicher Erde bleibt P. ramiflöra konstant, d. h. sie schlägt nicht in P. officinalis zurück.

Die drei Familien der Ulmaceen, Moraceen und Urticaceen repräsentieren die Reihe der UrticalesBlüten zyklisch, homoiochlamydeisch (selten nackt), meist 2-gliederig, radiär gebaut, in der Regel zu trugdoldigen(cymösen) Blütenständen vereinigt. Staubblätter vor den Abschnitten der Blütenhülle stehend. Fruchtblätter2 bis 1. Fruchtknoten oberständig. Frucht ein einsamiges Nüsschen. An die Reihe der Urticales wird gewöhnlichdie Reihe der Proteäles mit der einzigen Familie der Prot eäc e ae angegliedert. Diese umfasst Holzpflanzenmit zwitterigen und eingeschlechtigen, insekten- (selten vogel-) blutigen Blüten. Perigon gefärbt, korollinisch,aktinomorph oder zygomorph. Staubblätter 4, vor den Perigonblättern stehend und mit diesen + verbunden.

Fig. 510. Parietaria ramiflöra Moench.a Habitus, b Männliche Blüte, c Zwitterblüte.d Weibliche Blüte. Parietaria offici-nalis L. e, f, g Längsschnitte durch denFruchtknoten in drei aufeinanderfolgendenEntwicklungsstadien (nach Modilewsky).h Frucht (von aussen).

J ) von lat. rämus = Ast und flös (Genitiv flöris) = Blüte.