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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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798. Parietaria officinälis L. (= P. officinalis L. var. erecta Weddell., = P. erecta

Mejt. et Koch). Aufrechtes Glaskraut. Franz.: Parietaire vitriole, aumure, herbe

aux nonnes; engl.: Pellitory; ital.: Vitriola, murajola, calataria, parietaria; im Tessin:

Vedricula, vedraja, vedrieura. Taf. 87, Fig. 4, Fig. 507 n, 509 und 510e bis h.

Ausdauernd, 30 bis 100 cm hoch.Wurzelstock walzlich-langfaserig. Stengelaufrecht, meist einfach, kurz flaumig-behaart,brüchig. Laubblätter gestielt, eiförmig biseiförmig-lanzettlich, bis 10 cm lang, langzugespitzt, am Grunde verschmälert (seltenerabgerundet), ganzrandig, glasartig-glänzend,spärlich behaart oder kahl. Blütenknäuelkugelig, kürzer als der Blattstiel. Trag-blätter kürzer als die Blüten, sitzend. Nüsse2 bis 2,5 mm lang, schwarz. Perigonblätterder weiblichen und zwitterigen Blüten nachder Blüte meist nicht verlängert. VI bis IX.

Stellenweise gesellig an Mauern,Zäunen, auf Schutt, Erdhaufen, in Hecken,an Gebäuden, in Burg-und Stadtgräben, gernbei Ruinen, in Gemüsegärten, Auen, feuchtenGebüschen, unter Felsen, in Weinbergen;im Süden vereinzelt bis 1450 m (Wallis).

Allgemeine Verbreitung:Ganzes Mittelmeergebiet und zerstreut inMitteleuropa (nördlich bis Holland, Belgien,Dänemark und Südschweden).

P. officinalis ist ursprünglich ein mediterranerTypus, welcher aber schon lange in Mitteleuropakultiviert wird und sich deshalb an vielen Stellenvollständig eingebürgert hat. Es ist schon die Ver-mutung ausgesprochen worden, dass die Pflanze sogar aus der Römerzeit herstammen und dass sie sich von denWällen und Mauern der römischen Kastelle aus verbreitet haben soll. Sicher ist auf jeden Fall, dass die Pflanzefrüher vielfach als Heilpflanze (Herba Parietariae wirkt kühlend, auflösend und harntreibend; es enthält salpeter-saures Kali und Schwefel) und als Mittel gegen den Kornwurm angebaut wurde. Aus diesem Grunde findet man dieseanthropophile Art nicht selten in grösseren Ortschaften, bei alten Ruinen, auf Steinwällen etc. verwildert vor, so imnordwestlichen Deutschland noch bei Bentheim, Lauenburg, Lüne, Mölln (Reiferbuden und St. Lorenzfriedhof),Dockenhuden, Kreis Pinneberg, Weissenhaus in Land Oldenburg, bei Plön, Husum, Schleswig, Sonderburg, ferner inHannover (Bodenwerder, Uten, Klein Venedig, bei Einbecketc.), in Brandenburg (Lübben, früher auch bei Guben undin Berlin), in Thüringen (in vielen Dörfern um Jena, bei Erfurt), Pr. Sachsen (Unter-Rissdorf, Seeburg), in Schlesien(an vielen Stellen von der Ebene bis ins Vorgebirge) etc. Ursprünglich wild dürfte P. officinalis nördlich der Alpenhöchstens in der obern Rheinebene (inkl. Vorderpfalz), in den wärmeren Gegenden der Nordschweiz, in Vorarlbergund Liechtenstein (Margarethenkopf bei Feldkirch; Vaduz: Schloss Gutenberg), in Nordtirol (Martinswand, Absam),dann in Niederösterreich und vielleicht in Mähren vorkommen. In Württemberg (Briel im Oberamt Ehingen, Höfenei Cannstatt, bei der Ruine Staufeneck im Oberamt Göppingen) und im rechtsrheinischen Bayern (mehrfach inranken) dürfte es sich überall nur um einen Kulturflüchtling handeln. Als solcher tritt die Pflanze stellenweise nurvoru ergehend (z. B. bei Brixen in Südtirol, bei Tegernsee in Oberbayern) auf oder ist absichtlich (Nördl. Bayern:t orfer Stadtgraben, Kadolzburg) angesät worden. In Berlin erhielt sich die Pflanze (vor dem PotsdamerTor) trotz der gänzlichen Veränderung ihres Standorts mindestens 20 Jahre lang (Ascherson. Verhandl. desbotan. Vereins der Provinz Brandenburg, 50. Jahrg. 1908, pag.V). In den Donau-Auen um Wien überzieht P. officinalisin dichten Beständen oft weithin den Grund der Waldungen (Fig. 509), und zwar meist mit Ausschluss jeder anderenPflanzenart (Ginzberger).

Fig. 509. Bestand von Ulmus effusa Willd. mit Parietaria

officinalis L. als Unterwuchs (fast reiner Bestand in der Lobau

bei Wien). Phot. Frl. A. Mayer, Wien.