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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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bei Dorfteichen, bei Viehställen, Heuhütten, unter Felsen; von der Ebene bis in die Alpen-täler, vereinzelt noch höher steigend, bis ca. 2000 m (am Gipfel des Kleinen Rettensteinbei Kitzbühel in Nordtirol angeblich noch bei 2215 m).

Allgemeine Verbreitung: Kosmopolit (fehlt in der Arktis, im indischen undsüdafrikanischen Florenreich).

U. urens ist eine weit verbreitete Ruderalpflanze (Archaeophyt), welche sich im allgemeinen vielenger an die Nähe der menschlichen Wohnstätten anschliesst als U. dioeca. Nur gelegentlich wird sie auchfern von bewohnten Orten unter überhängenden Felsen oder auf Kohlenmeilern angetroffen. Mit Vorliebe trittsie in den Dörfern (oft unkrautartig) auf Plätzen, bei Teichen, auf Genügelplätzen, längs der Häuser auf, wosie entweder kleinere reine Bestände bildet oder mit Potentilla anserina und reptans, Senecio vulgaris, Capsellabursa pastoris, Baiiota nigra, Chelidonium, Geranium pusillum, Verbena officinalis, Bromus tectorum, Hordeummurinum, Poa annua, Lamium album, Polygonum aviculare, Atriplex patulum, Chenopodium bonus Henricus,Stellaria media, Lepidium ruderale, Artemisia vulgaris, Lappa minor, Carduus acanthoides oder crispus etc.vergesellschaftet ist. U. urens vermehrt sich sehr reichlich durch Samen, welche sehr schnell reifen. DasBlühen dauert vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein, im Süden (nach Cobelli, Calendario della FloraRoveretana, 1900) wie bei Capsella, Erodium cicutarium, Lamium purpureum, Bellis, Poa annua, Stellaria media, Seneciovulgaris, Taraxacum, Ruta graveolens ohne Unterbrechung das ganze Jahr hindurch. Als Gespinstfaser kommtdiese Art nicht in Betracht. Früher benutzte man Herba und Semen urticae minoris gleich der grossenBrennessel. In der Schweiz wurden die Blätter auch als Teesurrogat verwendet. Von Abänderungen isteinzig eine f. microphvlla Murr (Blätter die dichtknäueligen Rispenäste kaum um das Doppelte überragend,15 bis 18 mm lang und 12 bis 15 mm breit, bis zur Mitte jederseits 5 bis 8 Zähne tragend) bekannt.

Von Urtica-Bast arden wird mehrfach U. oblongäta Koch (Abbildung in Flora. 55. Jahrgang.1872) erwähnt, welche der Kreuzung U. urens L. X U. dioeca L. entsprechen soll.

CCXXIII. ParietäHa 1 ) L. Glaskraut.

Der Name Glaskraut oder Glasschmelz rührt davon her, weil man das Kraut früher vielleichtzum Reinigen von blinden Gläsern benutzte. Ebenso deutet der italienische Name vi triola (Tessin: vedrieula)darauf hin, dass das Kraut (auch noch heute) zum Reinigen der Fensterscheiben (vetri) dient.

Ein- oder mehrjährige, meist behaarte Kräuter, ohne Brennhaare. Laubblätterwechselständig, ganzrandig. Nebenblätter fehlend. Blüten vielehig (polygam), 1 - oder2-geschlechtig, zu gedrängten, blattwinkelständigen, knäuelförmigen Trugdolden (Wickel)vereinigt (Fig. 507 n). Blütenhülle grünlich. Männliche Blüten mit 4-blätteriger Blüten-hülle und mit 4 Staubblättern (Taf. 87, Fig. 4b). Staubblätter anfänglich wie Uhrfederngespannt, beim Aufblühen sich elastisch gerade streckend. Staubfäden auf der Innen-seite querfaltig (Fig. 510 b, c). Weibliche Blüten mit röhrig-bauchiger, an der Spitzekurz 4-zähniger, eng anliegender Blütenhülle (Fig. 510 d). Fruchtknoten 1-fächerig, eineeinzige Samenanlage enthaltend (Fig. 510 e bis g). Aeusseres Integument viel länger alsdas innere, zwischen beiden oft ein Hohlraum (Fig. 510 f) vorhanden. Griffel kurz, spreng-wedelförmig. Frucht eine 1-sämige, gerade, eiförmige, glänzende, von der vertrocknendenBlütenhülle eingeschlossene Nuss (Taf. 87, Fig. 4 a).

Die Gattung enthält ca. 7 in der gemässigten Zone zerstreut auftretende Arten; in den Tropen ist sie selten.Als Seltenheit wurde adventiv P. debilis Forster var. Pennsy lvänica Mühlenberg in Berlin (nach Aschersonseit 1861 bei der Kgl. Bibliothek) beobachtet. Die Parietaria-Arten sind als trimonoecische Windblütler zubezeichnen, d. h. auf dem gleichen Exemplar kommen zwitterige, männliche und weibliche Blüten vor. DieZwitterblüten sind proterogyn; die pinselförmigen Narben treten bereits aus dem knospenartig geschlossenenPerigon hervor und sind schon vertrocknet, wenn das Perigon sich öffnet und die Staubbeutel den Pollen entlassen.Selbstbestäubung ist deshalb ausgeschlossen. Die Früchte gehören zu den Häckelfrüchten. Wie bei allenUrticaceen springen die Staubblätter (besonders wenn man sie mit einer Nadel reizt) explosionsartig auf, wobeidie Staubbeutel den Pollen entlassen. Hierbei sind jedenfalls die eigenartigen Querleisten der Staubfäden starkbeteiligt (Fig. 510 b, c). Unsere beiden Arten sind dem mediterranen Florenelement zuzuzählen.

1. Stengel aufrecht, einfach. Blätter länglich-eiförmig........P. officinalis nr. 798.

1*. Stengel ausgebreitet, ästig. Blätter eiförmig..........P. ramiflora nr. 799.

*) Nach dem Vorkommen an Wänden (lat. päries, Gen. parietis = Wand).