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795. Urtica dioeca L. (== U. maior Kanitz). Grosse Brennessel. Franz.: Grande ortie, o.mechante; engl.: Stingingodergreatnettle; ital.: Ortica.Taf. 88, Fig. 2, Fig. 507 ebis o u. Fig. 508.
Das Wort Nessel (ahd. nezzila, mhd. nezzel) steht möglicherweise im Zusammenhang mit „Netz"(ahd. nezzi) wegen der Verwendung der Bastfasern zu Gespinsten. Im Niederdeutschen lautet das Wort Niet ei,Neddel, in der Schweiz Nessle; das anlautende „n" fehlt z. B. in Essl (Krain: Gottschee), Essle (Schweiz,Elsass). Der Name Brennessel bezieht sich, wie allgemein bekannt, auf die Wirkung, die eine unvorsichtigeBerührung der Pflanze mit sich bringt; mundartliche Formen sind Brennettel (Hannover etc.), Branneckel(Ostfriesland), Brennössl (Niederösterreich), Brenn essle (Schweiz). Zu den Formen Bannel [= Barnnettel= Brennnettel] (Wangeroog), Bornnessel (Hessen, rechts der Nidda) vgl. das analoge „Bernstein" vonBrennstein (engl, to burn = brennen). Die Bezeichnung Sengnessel, die übrigens manchmal speziell fürUrtica urens gebraucht wird, gehört zu „sengen" = brennen; Sengnettel (Münsterland), Senglnessel(Rheinpfalz: Kdenkoben), Sengelessel, Sengesseite, Sengessel (Elsass). Zum Unterschied von Urticaurens heisst unsere Art auch grosse Nessel; Söuw-Nessle [als Schweinfutter] (Schweiz : Luzern); Dunner-nettel (Mecklenburg), weil nach einem verbreiteten Aberglauben bei einem Gewitter das junge Bier „um-schlägt" (sauer wird), wenn man nicht die „Donnernessel" zu den Fässern legt (gilt auch für Urtica urens).Im romanischen Graubünden beisst die Pflanze urtiga (Puschlav), urcicla (Heinzenberg), urteila (Bergün),urtia (Engadin), im Tessin ortiga oder ortigh. Der Name findet sich zuweilen auch in Lokalnamen, soNesseltal, Nesselalp (Wallis), in der französischen Schweiz l'Ortier, Lurtier, l'Urqui, Plan Lurqui etc.
Ausdauernd, 3 bis 15 dm hoch. Wurzelstock stielrund, ästig, kriechend. Stengelaufrecht, einfach, 4-kantig, mit kurzen Borsten und langen Brennhaaren besetzt. Laub-blätter gegenständig (ausnahmsweise 3-blätterige Quirle), gestielt, eiförmig bis länglich,graugrün, lang gespitzt, am Grunde herzförmig oder abgerundet, namentlich die obernam Rande grob gesägt, beiderseits angedrückt-kurzhaarig, mit eingemischten Brennhaaren.Nebenblätter frei, lineal-lanzettlich, spitz. Blütenzweige in der Regel nur männliche odernur weibliche (Fig. 507 1) Blüten tragend. Männliche Blütenzweige aufrecht, rispenförmig-wickelartig, mit kurzen Seitenästen, weibliche Blütenzweige mit längeren Seitenzweigen, zuletzthängend. Alle Blüten länger als die Blütenstiele. — VI bis X.
Ueberall an Häusern, Zäunen, in Hecken, Auen, an Flussufern, in Schluchten, anStrassen- und Wegrändern, auf feuchten Waldstellen, auf Holzschlägen, Komposthaufen,auf Weideplätzen des Viehes, auf gedüngten Stellen, unter Felsen, um Senn- und Alphütten,bei Ställen, in Dünentälern, in Gärten etc.; mit den Menschen und mit den Haustieren bisin die Hochalpen hinaufsteigend (Glungezer im Inntal 2400 m, Nordgrat des Piz Beverin2400 m, Hospiz auf dem Gr. St. Bernhard im Wallis 2472 m).
Allgemeine Verbreitung: Kosmopolit (Allerweltspflanze); fehlt nach Ho eckim madagassischen, tropisch-afrikanischen und südafrikanischen Pflanzenreich, ebenso inden Polargegenden.
Aendert stark ab: var. subinermis Uechtritz. Pflanze fast ohne Brennhaare (darf nicht mit imHerbst verkahlten Pflanzen verwechselt werden). Blätter fast kahl, die obern fast gekerbt. Selten. — var.hi'spida DC. Pflanze in allen Teilen sehr reichlich (auch die weiblichen Blütenhüllblätter) mit Brennhaarenbesetzt. — var. hispi'dula Cariot. Männliche Pflanze hell-, weibliche schwärzlichgrün, länger als der Blüten-stiel, fruchttragende schwärzlich, schlank, so lang oder kaum länger als der Blütenstiel. Mehrfach in derSchweiz (Tessin [Ghiridone], Freiburg [les Allieres, Montbovon], Colombier, Reculet) beobachtet. — var. pilösaAschers, et Graebner. Blätter dicht graubehaart (Moore). — var. pubescens Ledeb. Alle Teile dicht weiss-behaart, nur mit vereinzelten Brennhaaren. — var. elegans Chenevard (vgl. Bulletin de l'Herbier Boissier.ome IV [1904], pa g. 806). Pflanze etwa 1 m hoch, mit sehr wenigen Brennhaaren (daher beim Berühren wenigbrennend). Laubblätter fein gezähnt. Kürzlich in der Südschweiz (Tessin: um Locarno und bei S. Carlo imal Bavona) entdeckt. -— var. microphylla -Hausmann. Blätter klein, meist lanzettlich, am Grunde kaumherzförmig. Südliche Herbstform; doch auch bei Ludwigshafen beobachtet. — var. spicäta Aschers, etGraebner. Pflanze gross. Tragblätter der Blütenzweige verkümmernd und frühzeitig abfallend (Ostpreussen:Insterburger Stadtwald). _ V ar. angustifölia Ledeb. Laubblätter mit lang vorgezogener Spitze; die oberstenlmeal-lanzettlich, mit fast keilförmigem Grunde (Schlesien). — var. mitissima Haussknecht (Mitteil, desThüring. botan. Vereins. N. F. XVI. 1901, pag. 134). Stengel einfach, über 1 m hoch, dunkel rotbräunlich-gestreift, ganz ohne Brennhaare und fast ohne Borstenhaare (nur vereinzelt am Grunde der oberen Blattachseln).
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