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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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bei Leitmeritz), in Mähren (zerstreut), in Steiermark (vorübergehend bei Graz und Sulzbach) etc. beobachtet. __

Nahestehend ist die var. Dodärtii (L. als Art), welche vielfach (aber mit Unrecht!) auch als eigene Art betrachtet

wird (Fig. 507 b). Von U. pilulifera unter-scheidet sie sich einzig durch die fast ganz-randigen, zuweilen ausgebuchteten oder ge-zähnten Blätter. S t e r z i n g (Mitt. des thüring.botan.Vereins. 1893) erhielt bei der Aussaat vonU. pilulifera 50°/o typische Pflanzen, 25°/ 0 reineU. Dodärtii und 25 °/o Zwischenformen. Weiterwurde festgestellt, dass U. Dodartü, wenn siein einen schlechten Boden gesät wurde, inU. pilulifera zurückging. Früher benutzte mandie kleinen Samen (Semen Urticae Romanae)wegen ihres schleimig-öligen Gehaltes in Apo-'^t^^^ity theken. Die Einschleppung von U. piluliferain Thüringen, wo die Pflanze noch heutekultiviert wird, erfolgte nach Osswald ent-weder im 10. Jahrhundert durch die Wendenoder im 12. Jahrhundert durch die Vläminger.Charakteristisch für die Urticaceen sinddie Brennhaare. Es sind lange, einzellige,kegelförmig-zugespitzte Zellen mit zwiebeligverdicktem Grunde, die oben in ein kleinesKöpfchen übergehen und unten in einen Sockelvon Epidermiszellen eingefügt sind. Köpfchen,Haarspitze und Cuticula sind verkieselt unddeshalb sehr zerbrechlich (Fig. 507 o); die übrigenWände sind verkalkt. Bei der Berührung brichtdas Köpfchen sehr leicht ab; die scharfe Spitzedringt in den berührenden Gegenstand (Haut)ein und erzeugt durch Auspressen eines eiweiss-artigen Körpers, der grosse Aehnlichkeit mitdem Schlangengift besitzt (nicht Ameisensäure,wie immer noch vielfach angegeben wird!), dasbekannte lästige, brennende Jucken und Rötender Haut und Blasenbildung. Die durch unsereNesseln bedingten Urticaria-Eruptionen (siegehören zu den Phytonosen) erzeugen gewöhnlich nur einen wenig lang anhaltenden Schmerz; die Varietäten subinermisund elegans von nr. 795nesseln" fast nicht. Um die Schmerzen zu vertreiben, ist beim Volke vielfachein Einreiben mit den Sauerampferblättern in Gebrauch (von wirklichem Nutzen ist das Betupfen der Haut mitessigsaurer Tonerde). Die Brennhaare dienen wohl zum Teil als Schutzmittel gegen Tiere, welche die Pflanzenbeschädigen wollen. Andrerseits fressen die Raupen des kleinen Fuchses (Vanessa urticae L.) mit VorliebeBrennesselblätter. Neben den Brennhaaren finden sich an dem Stengel und den Blättern stets noch zahlreichedickwandige, ebenfalls einzellige Borstenhaare vor. Die Nesseln sind ein- oder zweihäusige Windblütler. BeimAufblühen schnellen die vorher nach innen und unten (Taf. 88, Fig. 2 c) gekrümmten Staubfäden elastisch aus derBlütenhülle heraus, wobei die dann aufspringenden Staubbeutel ihre sämtlichen trockenen Pollen in Formeines Wölkchens entlassen (wie bei Broussonetia. Vgl. Fig. 506 i). Meistens entwickeln sich die männlichen Blütenetwas später als die weiblichen. Die sehr kleinen Nüsschen, welche von zwei als Flügel dienenden Perianth-blättern (Taf. 88, Fig. 2d, 3 a) eingeschlossen sind, werden durch den Wind leicht verbreitet. U. dioeca trifftman deshalb gelegentlich auch als Ueberpflanze (Gelegenheitsepiphyt) auf Weiden, Eschen, Hainbuchen, Eichenoder Pappeln an. Nicht selten wird diese Art (wie der Hopfen) von der Cuscuta Europaea befallen.

1. Pflanze einjährig, mit spindelförmiger Wurzel, Laubblätter elliptisch oder eiförmig, stumpflich.

U. urens nr. 797.1*. Pflanze ausdauernd, mit kriechendem Wurzelstock. Laubblätter am Grunde herzförmig. . . 2.

2. Stengel aufrecht, neben den Brennhaaren reichlich mit Borstenhaaren besetzt. U. dioeca nr. 795.2*. Stengel aufsteigend, am Grunde wurzelnd, nahezu kahl, d. h. zwai Brennhaare, aber fast keine

Borsten tragend.........................U. Kioviensis nr. 796.

Fig. 507. Urtica pilulifera L. a Habitus, i U. p. var. Dodärtii (L,).2 Blattpaare. c Einzelblüte mit den 4 Perigonblättern. d Einzelnesl'erigonblatt mit Samen. Urtica dioeca L. e Frucht./,^-, h Keim-stadien, i Längsschnitt durch den Fruchtknoten, k Längsschnitt durch diejunge Frucht (i und k nach Modilewsky). / Teil eines weiblichen Blüten-standes, m Diagramm (/ = Laubblatt, m = Mittel blute, i = seitlicherFartialblütenstand). o Brennhaar (vergrössert), Urtica KioviensisRogowitsch. p Einzelblüte. Farietaria officinalis L. n Schemades Blütenstandes (nach Eichler).