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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Einjährig, 30 bis 150 (250) cm hoch, stark betäubend riechend. Weibliche Pflanzegrösser und dichter belaubt (Fig. 504 a) als die männliche. Wurzel spindelförmig. Stengel auf-recht, von angedrückten Borsten kurzhaarig-rauh,meist ästig. Laubblätter gegenständig (die oberstenzuweilen wechselständig), lang gestielt, hand-förmig 5- bis 7- (9) zählig geteilt, mit lanzett-lichen, beiderseits verschmälerten, grob gesägten,spitzen Abschnitten, oberseits zerstreut angedrücktdrüsig- und borstig behaart, unterseits angedrücktweichhaarig. Oberste Blätter 3-zählig oder un-geteilt, mit linealen Abschnitten. Nebenblätter frei,hinfällig. Blüten 2-häusig. Blütenstände seiten-ständig, rispenartig (Trugdolden), in den Achselnschuppenartiger Blätter am Grunde eines (an denobern männlichen Blütenständen zuweilen ver-kümmernden) Zweiges, unterwärts durchblättert.Männliche Blütenstände trugdoldig, in den letztenVerzweigungen wickelartig, am obern Teile desStengels und der Aeste eine Art Rispe bildend.Männliche Blüte mit 5 freien, weisslich-grünen,am weissen Rande etwas bewimperten, 5 bis6 mm langen Blütenhüllblättern (Taf. 88, Fig. la),in der Mitte gelegentlich ein Rudiment desFruchtknotens enthaltend. Staubblätter 5, hängend,vor den Perianthblättern stehend, in der Knospegerade. Staubbeutel gross, länger als die haar-förmigen Staubfäden. Weibliche Blüten zu 2(als Seitenblüten einer 3-gliederigen Trugdolde)in den Achseln kleiner Laubblätter zu Schein-ähren vereinigt, von ihrem behaarten, an derVorderseite gespaltenen Vorblatt (auch zur Reife)kapuzenartig eng umschlossen (Fig. 504 d). Blütenhülle kurz, ungeteilt, becher- oder napf-förmig, nur den Grund des Fruchtknotens umgebend (Fig. 504c). Narben 2, gross, ver-längert, purpurrot, warzig-rauh. Fruchtknoten aus 2 Fruchtblättern gebildet, 1-fächerig,eine einzige, campylotrope Samenanlage enthaltend. Frucht eine breit-eiförmige, stumpfe,3 bis 5 mm lange und bis 2 mm breite, an beiden Rändern schwach gekielte, glatte,glänzende, graubraune, von dem netzig-aderigen Vorblatte umhüllte Nuss (Fig. 504 d),mit dünner, brüchiger, netzadriger Schale (Fig. 504f). Samen arm an Nährgewebe. Keimlingweiss, ölig-fleischig, hackenförmig gekrümmt (Fig. 504 e, g, h). VII, VIII.

Stellenweise auf Feldern gebaut; ausserdem zuweilen an Wegen, auf wüsten oderbebauten Plätzen, auf Schutt, Brachfeldern, in Holzschlägen, an Zäunen verwildert undmanchmal eingebürgert. Wird in den Alpen bis an die Grenze der Getreidepflanzen an-getroffen (Cortina gegen Falzarego in Südtirol 1530 m, im Unter-Engadin bis über 1600 m,Conches im Wallis 1593 m).

Der Hanf, ein Zwillingsbruder des Flachses, stammt aus dem westlichen Asien und Indien, wo erdes Bastes und der ölreichen Früchte wegen schon 800 bis 900 Jahre vor Christus kultiviert wurde. In Aegyptenkannte man ihn, wie durch Zeugnisse an den Tempelwänden bewiesen wird, bereits im XVI. Jahrhundertvor Christi (nach Tschirch). Dagegen war er zu Herodot's Zeiten in Griechenland noch gänzlich unbekannt;

Fig. 504. Cannabis sativa L. Weibliche Pflanze.a Habitus, b Weibliche Blüte (von der Seite), vom Vor-blatt eingeschlossen, c Weibliche Blüte. (/Scheinfrucht.e Querschnitt durch die 1-samige Nuss. /Same, g, h Frei-präparierter Embryo.