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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Höhe (Olivone im Blegnotal 840 m, Val Genova in Südtirol 990 m) kultiviert. Meistens wird er in langenReihen längs der Flurwege, auf Wiesen, Feldern, in Gärten oder aber in besonderen Plantagen angepflanzt (Fig. 500).Das saftige Grün des glänzenden Laubes verleiht der Kulturzone der südalpinen Täler einen geradezu üppigenCharakter. In Deutschland hat sich die Kultur des Maulbeerbaumes und der Seidenraupe nicht bewährt.Die ersten Pflanzungen dürften etwa aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammen. Aus Westpreussen wirdM. alba, wie das culmische Schöppenbuch bemerkt, zwar bereits aus dem Jahre 1392 erwähnt; wahrscheinlichdürfte der Baum aber damals seiner Früchte wegen gezogen worden sein. Namentlich zur Zeit Friedrichs desGrossen wurde in Westpreussen, Schlesien (z. B. Poischwitz), Brandenburg etc. vielerorts Seidenbau betrieben.Im Anfang des 18. Jahrhunderts begann die Staatsregierung für die Einführung des Seidenbaues Vorkehrungenzu treffen (Treichel). In Hannover wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts an vielen Orten (Celle [1764],Herrenhausen, Pattensen, Coldingen) Pflanzungen von Maulbeerbäumen angelegt. Um Nürnberg machte man inden Jahren 1827 bis 1837 Anstrengungen, die Maulbeerzucht zu verallgemeinern. Am Ende des 19. Jahr-hunderts war die Zucht von Seidenraupen vielfach eine Lieblingsbeschäftigung der Kinder vermögender Eltern.Heute wird der Baum in Deutschland stellenweise noch in Baden zur Seidenraupenzucht angepflanzt.Andrerseits findet man ihn gelegentlich (zuweilen halb verwildert) als Ueberbleibsel der einstigen Kultur, soin Schlesien (Poischwitz) und nach Pfuhl und Kiewing noch mehrfach in Posen (z. B. in Wirsitz),wo im Netzedistrikt zu Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf behördliche Anordnung hin Maulbeer-baumzucht betrieben wurde. Im allgemeinen wird der weisse Maulbeerbaum aber nördlich der Alpen nur alsAnlage- oder Alleebaum kultiviert oder gelegentlich zu lebenden Zäunen verwendet (z. B. um Innsbruck). Imitalienischen Tirol wurde der erste Baum im Jahre 1416 unter der Regierung der Republik Venedig bei Roveretogepflanzt. Die Clarissinnen von Brixen betrieben Seidenbau bereits 1479 bis 1485. Allgemeiner wurde aber derAnbau des Baumes erst seit dem 17. Jahrhundert (nach Staffier) betrieben. Heute wird M. alba z. B. in grösseremMassstabe in Pfatten, Branzoll, Auer, Neumarkt und Salurn, dann bei Tione und vor allem im Gebiet von Trientund Arco-Riva kultiviert. Im Tessin sind die Hauptkulturzentren des Baumes nach Rikli das Mendrisiotto,die unteren Teile des Val Colla und das Val Vedeggio, die Riviera (von Locarno über Bellinzona bis Biasca) unddas Val Maggia unterhalb Cevio. In der Nordschweiz findet sich nr. 792 nur selten als Ueberbleibsel frühererKultur (Sarganserland, bei Heerbrugg, Goldach etc.). Neben der Seidenraupe ist M. alba auch eine Futterpflanzefür die Haustiere. Der Bast der 1-jährigen Triebe kann in der Papierfabrikation sowie zur Anfertigung von Strickenbenützt werden. Das gelbliche Holz ist hart, ziemlich leicht, dauerhaft und sehr politurfähig, weshalb es sich(ebenso dasjenige von M. nigra) besonders als Möbelholz, zu Drechsler-, Tischler-, oder Mosaikarbeiten eignet.Die weisslichen, zuckerhaltigen, aber etwas fade schmeckenden Beeren reifen im Juni und können auch gegessenwerden. Sie werden von der Amsel,Schwarzkopf, Dorngrasmücke und Finkgern verzehrt und die Samen dadurchverbreitet. M. alba ist in der Gestaltder Blätter, in der Ausbildung der Blüten-stände und in der Länge der Griffel sehrveränderlich, so dass man einige Formen(var. Constantinapolitäna Loud., f. venosaDelile) unterscheidet.

792.MorusnfgraL. Schwarzer

Maulbeerbaum. Franz.:Mürier

noir; ital.: Moro, im Dialekt

(Tessin): Moron negar. Fig. 501 f

bis m.

Aehnlich der vorigen Art,aber meist grösser und robuster(bis 15 m hoch). I^rone dicht,gedrungen, ± kurzzweigig. Rindegraubraun, rissig. Laubblätter ge-stielt (Stiel flachrinnig, + behaart),ungeteilt oder unregelmässig aus-geschnitten oder lappig (Fig.501f),

Fig. 501. Mores alba L. a Zweig mit männlichen Blüten, b Weibliche Blüte

c Längsschnitt durch den Fruchtknoten, d Narbe, e Staubblatt (von aussen)----

Morus nigra L. /. Beblätterter Zweig, ff Fruchtzweig. h Weibliche Blüte.i Narbe, k Same. /, m Quer- und Längsschnitt durch denselben.