127
(ähnlich wie die Profici, aber am Ausgang nur eine schmale Zone von männlichen Blüten). Aber auch der
Essfeigenbaum trägt dreimal jährlich Früchte, die Vorfeigen (Fiori), Sommerfeigen (Pedagnuoli) und die Winterfeigen
(Cimaruoli). Die Vermehrung der Bäume
geschieht stellenweise (Südtirol, Norditalien)
durch Ableger. Gelegentlich können auch
Doppelfeigen (d. h. zwei seitlich miteinander
verwachsene Feigen) sowie durchwachsene
Feigen und Zwitterblüten beobachtet werden.
Als Obstbaum, der allerdings viel Wärme
(sonnige Lagen) fordert, wird der Feigen-baum schon seit langem namentlich im
Mittelmeergebiet, doch auch in Kalifornien,
Deutsch-Südwestafrika und Ostaustralien
kultiviert. Nach der Gestalt, Farbe, Grösse
der Scheinfrüchte werden gegenwärtig
zahlreiche Rassen unterschieden (vgl. Celi),so die Genueser Feige (Genovese), dieSmyrnaer Feige (Smirne), die Feige derLevante, von Savoyen, San Pedro, weisseIschia, Igo Breba (Spanien), Angelika,schwarze Ischia etc. Die getrocknetenFeigen kommen an Schnüren als Kranz-feigen (100 kg M. 50.—) in den Handeloder werden in runden Schachteln (Trommel-oder Kalamatofeigen) oder in Kistchen (Malagafeigen) verpackt. Zu diesem Zwecke werden die Feigen aufoffenen Hürden oder in Hallen an der Sonne oder in besondern Dörrapparaten getrocknet. Einer der Haupthandels-plätze ist Triest. Bekanntlich wird aus den Feigen auch ein Kaffeesurrogat (Feigenkaffee) hergestellt. Feigen-milch wird heute noch auf Mallorka (Balearen) in der Käserei verwendet. Chodat und Rouge habenkürzlich ein Labferment nachgewiesen.
Fig. 499. Ficus Carica L. a Blütenstand des „Ficus" längs durchschnitten.b Einzelblüte, c Fruchtknoten, d Blütenstand des Caprificus längs durch-schnitten, e Männliche Blüte (nach Celi). f Gallenblüte mit durch-schimmernder Larve, g mit ausschlüpfendem lmago (nach Kerner). //, i,k Verschiedene Keimungsstadien.
CCXIX.
MörilS 1 ) L.Maulbeerbaum. Franz.: Mürier; engl.: Mulberry; ital.:
Gelso,
moro.
Bäume oder Sträucher. Stamm im Alter mit schuppiger Borke. Laubblätter 2-zeiligangeordnet, wechselständig, ungeteilt oder buchtig gelappt, eiförmig bis rundlich-eiförmig, amGrunde herzförmig, am Rande gezähnt, beiderseits oder nur unterseits + rauhhaarig. Neben-blätter lanzettlich, bald abfallend. Blüten eingeschlechtig (nicht selten unvollkommen),1- oder 2-häusig (nr. 791 und 792 meist 2-häusig), grünlich. Männliche Blüten kätzchen-lörmig, zylindrisch verlängert, gestielt, mit verkümmertem Fruchtknoten. Blütenhülle4-teilig (Taf. 87, Fig. 2a; Fig. 501b, h). Staubblätter 4, vor den Perianthblättern stehend.Weibliche Blütenstände eiförmig bis länglich - eiförmig. Blütenhüllblätter 4, ursprünglichfrei, zur Reifezeit fleischig anschwellend und zusammenschliessend, wodurch der ganze Blüten-stand zu einer fleischigen Sammelfrucht „Maulbeere" wird. Fruchtknoten 2-fächerig, aberein Fach fehlschlagend, 1-sämig (P"ig. 501 c). Samen mit 2 Integumenten, hartschalig, mit reich-lichem Nährgewebe. Keimling gekrümmt (Fig. 5011, m), mit 2 gleichen, länglichen Keimblättern.
Zu der Gattung zählen etwa zehn Arten, welche in den gemässigten Zonen der nördlichen Hemisphäre
nvie m den Gebirgen der Tropen vorkommen. Die Blätter der zartblätterigen Formen bilden seit alters die
auptnahrung der Seidenraupen (siehe pag. 129. Neuerdings wird zwar vielfach die Schwarzwurzel [Scorzonera]
er benutzt). Andrerseits werden sie zum Gelbfärben verwendet oder liefern in ihren Beeren einen
vohlschmeckenden Saft (Syrup). Bei nr. 791 und 792 kommen ein- und zweihäusige Formen fast gleich häufig
»egabelte oder Zwillingsblätter sind nicht selten. Ausser den beiden unten näher beschriebenen Arten
' Name des Baumes bei den Römern; das Iat. mörum bezeichnete (wie zuweilen auch das Latein desrs) nicht nur die Frucht unseres Baumes, sondern auch die Brombeere.