126
Val Malvaglia noch bei 770 m, bei Isone 747 m, selten im Misox (Grono) und Puschlav. Nördlich der Alpennur ausnahmsweise verwildert (bei Zürich, am Lattenberg bei Männedorf, Kobel bei Berneck, Buchberg bei Thal).Ausserdem südlich der Alpen nnd in den südalpinen Tälern vielfach kultiviert (am Schlosse Prösels bei Bozennoch bei 837 m ein Baum mit reifen Früchten). Nördlich der Alpen hält der Feigenbaum nur bei guter Be-deckung im Freien aus (in der Mark Brandenburg noch bei Baumgartenbrück und Werder bei Potsdam);meistens wird er aber als Topfgewächs behandelt.
Ficus Carica ist wahrscheinlich ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet, wird abergegenwärtig im ganzen Mittelmeergebiet (von den Canaren bis Syrien und Persien) kultiviert. Die Ein-führung der Feige in Italien dürfte nach Com es etwa in die Zeit der griechischen Kolonisation zu verlegensein. Andrerseits sind auch Früchte in den Quartärablagerungen von Celle bei Paris und Toskana gefunder,worden, welche dafür sprechen, dass der Feigenbaum bereits früher einmal in Europa zu Hause war. In Pompejiist er auf den Wandmalereien abgebildet.
Von grossem Interesse sind nun vor allem die Geschlechtsverhältnisse und Bestäubungsvorgänge.Diese waren zum Teil schon den alten Phöniziern und Aegyptern bekannt; auch Herodot machte bereits daraufaufmerksam. Schon seit Jahren haben sich verschiedene Forscher, Westwood, Delpino,Gasparini,Solms-Laubach (Die Herkunft, Domestikation und Verbreitung des gewöhnlichen Feigenbaumes. Göttingen 1882 undBotan. Zeitung 1885), King, Fritz Müller und in neuester Zeit auch von Giuseppe Celi (Richerche sullabiologia e filogenesi del fico etc. Napoli 1908) eingehend mit den Bestäubungsvorgängen beschäftigt. Darnachwird die Bestäubung durch eine 2 bis 3 mm lange und kaum 1 mm dicke Gallwespe (Blastophaga grossörum Grav.,Cynips psenes L.) vollzogen, die darnach strebt ihre Eier in die Fruchtknoten der weiblichen Blüten zu legen.Nun finden sich aber in den Rezeptakeln neben den gestielten männlichen Blüten noch zweierlei weibliche Blüten,einerseits sogenannte „Samenblüten" mit langem Griffel und mit Narbenpapillen (Taf. 87, Fig. lb), andrerseits so-genannte „Gallenblüten" mit kurzem Griffel (Taf. 87, Fig. 1 a), welch' letzterm die Narbenpapillen fehlen. Die Gall-wespe oder „Inquiline" vermag mit ihrer kurzen Legröhre ihre Eier nur in die kurzgriffeligen Gallenblüten zulegen und zwar legt sie je ein Ei in den Fruchtknoten. Dieses kommt zwischen Nucellus und Integument derSamenanlage zu liegen. Hierauf schwillt der Fruchtknoten an und gewährt der jungen Brut Schutz und Nahrung.Bei Ficus Carica kommen ausserdem zweierlei Stöcke vor, nämlich der echte „Ficus" oder Essfeigenbaum,d. h. weibliche Stöcke, welche einzig Samenblüten erzeugen (diese liefern die essbaren Feigen; Fig. 499a) undder „Caprificus'' oder die Ziegen- oder Holzfeige, d. h. solche Stöcke, welche in ihren Rezeptakeln Gallen-blüten und männliche Blüten (d. h. also physiologisch männliche Blüten) enthalten (Fig. 499d). Für die Be-stäubung ist weiter der Umstand von grosser Bedeutung, dass die Gallenblüten vor den männlichen Blüten zurEntwicklung gelangen (also Proterogynie). Dadurch ist es nun möglich, das die Inquilinen beim Verlassender Ziegenfeigen sich mit dem Blütenstaub der männlichen Blüten beladen und diesen dann auf die Feigender benachbarten weiblichen Stöcke übertragen können. Nun trägt aber die Feige nicht wie andereBäume nur einmal im Jahre zu einer bestimmtenZeit Früchte, sondern dreimal im gleichen Jahr.Und zwar gilt dies für den Caprificus ebensogutwie für die Essfeige; bei beiden können wirVor-, Sommer- und Winterfeigen unterscheiden,zwischen denen eine gekreuzte Befruchtung statt-findet. Uebersichtlich lässt sich dieses Verhaltenim nebenstehenden Schema veranschaulichen.
Da nun der Ficus (vielleicht durch seine lange Kultur) keine männlichen Blüten aufweist, wäre eseben unmöglich Samen hervorzubringen, wenn ihm nicht durch die Feigenwespe Pollen aus den Holzfeigenüberbracht würde. Die Fiori besitzen niemals Samen, da die sie eventuell aufsuchenden Wespen dritterGeneration der Mamme entstammen, welche im Frühjahr keine jungen Pollenblüten aufweisen. Die Pedagnuoliwerden, wie aus dem obigen Schema hervorgeht, von der ersten Generation der Wespen mit dem Pollen derProfichi, die Cimaruoli mit dem Blütenstaub der Mammoni befruchtet. Um deshalb essbare Früchte zu erhalten,bedient man sich seit uralter Zeit (z. T. heute noch, so in Griechenland, Sizilien, Süditalien, Spanien, Portugal,Kleinasien, Syrien) eines Kunstgriffes, der sogenannten „Caprifikation", d. h. man pflanzt Holzfeigenbäumezwischen die Kulturen der Essfeigen oder man hängt Holzfeigen (Profichi und Mammoni) auf die Zweige oderin die Krone der Essfeige (weibliche Stöcke), damit ihre Samenanlagen befruchtet werden. Während anfangsder Anbau nur mit Hilfe der Caprifikation möglich war, hat die Feige aber im Laufe der Zeit die Eigenschafterworben, auch ohne Bestäubung saftig und grün zu werden. Solche Früchte enthalten dann aber keine Samen.Uebrigens erzeugt der Caprificus in einzelnen Perioden (der Caprificus trägt im Jahr dreimal Früchte) verschieden-artige Blütenstände, so die im April reifenden Mamme (die Rezeptakeln enthalten nur Gallenblüten), die imJuni reifenden Vorfeigen Profici (oben männliche, unten Gallenblüte) und die im Herbst reifenden Mammoni
Vorfeigen
Sommerfeigen
Winterfeigen
HolzfeigeCaprificus
Profichi*
Mammoni *
^ Mamme
EssfeigeFicus
'----- -
rion
V Pedagnuoli
X Cimaruoli