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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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(seltener 4- bis 8-) teilig, bald verwelkend. Staubbeutel purpurrot, sich nach aussen öffnend(Fig. 495 i). Fruchtknoten von der Seite her zusammengedrückt, meist 1-fächerig und gestielt.Griffel fehlend. Narben 2, ± papillös (Taf. 86,Fig. 3c; Fig. 495 g, h). Frucht eine 1 -sämige, ringsumgeflügelte (Flügel häutig, an der Spitze + ausgeschnitten) Nuss. Keimling gerade (Fig. 495 m).

Die Gattung umfasst ca. 15 Spezies, welche in den gemässigten Regionen der nördlichen Hemisphäresowie in den Gebirgen des tropischen Asiens vorkommen. Ausser nr. 786, 787 und 788 werden bei uns ab undzu in Gärten kultiviert: Ulmus AmericänaL., Weiss-Ulme, aus Nordamerika, V. fülva Michx., Rot-Ulme,aus Nordamerika (Knospen mit fuchsrotem Filz aufbrechend), U. ellfptica C. Koch aus dem Kaukasus, Turkestan,Westsibirien, U. pümila L., Zwerg-Ulme, aus Ostsibirien, Nordchina etc., U. racemösa Thomas, Trauben-Ulme(Blüten in 4 bis 6 cm langen Trauben), aus den nordöstlichen Vereinigten Staaten. Die drei einheimischen Artengehören der mitteleuropäischen Waldflora an; nr. 788 ist besonders im östlichen und mittleren Europa verbreitetund wird nach Westen zu immer seltener. Die Blüten sind der Windbestäubung angepasst und entwickeln sichstets vor den Blättern. Sie sind proterogyn und besitzen langlebige Narben, wodurch die Fremdbestäubung begünstigtwird. Die geflügelten Früchte reifen bereits im Juni, sind aber zum grossen Teil taub ; sie werden durch den Windverbreitet. Der Einschnitt an der Spitze des Flügels entspricht der Bucht zwischen den beiden Narben. Der Griffel-kanal ist von aussen deutlich als ein bis zum Samen verlaufender Strang sichtbar (Fig. 495n). Die beiden faden-förmigen, rot gefärbten Narben sind bereits entwickelt, wenn die Blüten sich öffnen, und überragen die nochgeschlossenen Antheren. Ausserdem entwickeln sich die Blüten nicht gleichzeitig. Durch Nawaschin wurde beiden Ulmen Chalazogamie festgestellt (vgl. Fig. 480 s, t). Strassen-Ulmen neigen gern zu Dioecie. Nach Graebnertreiben diejenigen Bäume, welche trotz des Vorhandenseins des Fruchtknotens rein männlich funktionierendeBlüten aufweisen, sofort nach der Blütezeit reichlich Blätter, die fruchttragenden jedoch nicht. Das Holz einzelnerUlmen-Arten ist im Werte nicht gleich. Das beste, sehr dauerhafte Holz liefert die Feld-Ulme; dieses steht als Bau-,Werk- und Brennholz dem Eichenholz wenig nach. U. effusa dagegen liefert ein verhältnismässig wenig wertvollesHolz. Der Ulmen-Bast gibt ein geringwertiges Flecht- und Strickmaterial. Vielerorts sind die Ulmen (besondersnr. 787 f. macrophylla) zumal sie in Industriegegenden dem Russ und Rauch gut widerstehen wie die Lindenund Rosskastanien beliebte Strassen- oder AHeebäume. Sollen sie als Schattenbäume verwendet werden, so dürfen sienicht über 4 m hoch gehalten werden. Gelegentlich (Tirol) wird nr. 786 und 787 auch als Viehfutter angepflanzt.Verschiedene Arten von Blattläusen (Aphfden) bringen auf den Blättern der Ulmen ihrer Grösse wegensehr auffallende und bisweilen auch sehr zahlreich auftretende Gallbildungen hervor. Tetraneüra tilmi de Geerverursacht auf der Oberseite bis 10 mm hohe, unregelmässig keulige oder eiförmige, gelblich-grüne, bisweilenauch rot angelaufene Beutelgallen (Fig. 468 r). Diese Galle tritt manchmal so zahlreich gleichzeitig auf sehrvielen Blättern eines Baumes auf, dass derselbe dadurch mehr oder minder geschädigt wird. Tetraneürapällida Halidday bildet meist am Grunde der Blattfläche an der Mittelrippe rundliche, dickwandige, filzig behaarte,bis 15 mm grosse Beutelgallen. Schizoneüra ülmi L. erzeugt blasig-aufgetriebene, gelblich-grüne Blattrollen,die sich meistens auf die eine Hälfte der Blattfläche beschränken, und Schizoneüra lanuginösa Hartig bis6 cm grosse, blassgrüne oder auch rötliche Beutelgallen von blasigem Aussehen und höckeriger, behaarterOberfläche; vielfach geht das betroffene Blatt ganz in der Gallbildung auf, oder der nicht befallene Teil verkümmert.Ausserdem bringen mehrere Gallmilbenarten kleinere Beutelgallen, Knötchen und Pocken in der Blattfläche hervor;eine Gallmücke erzeugt eigenartige Anschwellungen des Hauptnerven (seltener der kräftigen Seitennerven).Das Wort Ulme ist aus dem gleichbedeutenden lat. ulmus entstanden; jedoch war es bereits im Alt-hochdeutschen alselmbäum", das mit dem lat. ulmus urverwandt ist, vorhanden. Uebrigens findet sich derName auch noch in vielen anderen indogermanischen Sprachen; vgl. altnord. älmr, dän. alm, engl, elm, russ. ilma,poln. ilm etc. Mundartliche Formen sind: II me (rheinisch), llm(e), Uelm (bayerisch-österreichisch), Ilma,Elma, Olme (Schweiz). Der Name Rüster (mittelhochd. rüester) kommt in seinem ersten Bestandteil bereitsim gleichbedeutenden althochd. russbaum vor; daster" der zweiten Silbe ist wohl demtera" (= Baum,engl, tree, vgl. Wacholder Bd. I, pag. 89) gleichzusetzen: Ruscht (Pfalz), Rusche (Württemberg), Rust'n(Niederösterreich), Ries che (Schweiz : Aargau). In Nordwestdeutschland (Unteres Wesergebiet, Mecklenburg,Schleswig) ist für U. campestris auch die Bezeichnung Iper (frz. ipreau) zu hören; sie bezieht sich auf dieAbstammung aus der Stadt Ypern in Westflandern. Der Name Wieke (Westfalen) erscheint bereits im Angel-sächsischen als wice. Gehört die Benennung Effe, Aeff e, die sich im Nahegebiet findet, zu Eibe (oder zuEpheu ?) ? Auf der schwäbischen Alb wird nr. 785 alsSteinlinde" bezeichnet. Im romanischen Graubünden wirddie Berg-Ulme als vulm (Heinzenberg), ulm oder luv er tej (Bergeil) bezeichnet; letzterer Name ist nach Geiger(Das Bergeil. Forstbotanische Monographie. Chur, Casanova. 1901, pag. 57) zusammengesetzt aus luver =Eiche und tej = Linde. Von den verschiedenen Bezeichnungen der Ulmen leiten sich mehrfach Flur- und Orts-namen ab, so z. B. Ulmenhof, Ulmberg, Elmau (mehrfach), ferner Ulmiz, franz. Ormey (Dorf im KantonFreiburg), Ortschaft Elm (Kt. Glarus) etc.