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Das Wort Erle (ahd. erila elira, mhd. erle) ist urverwandt mit dem lat. alnus (vgl. Anm. pag.85). Mund-artliche Formen sind: Eller, Ellernboom (nordwestl. Deutschland), Else (Westfalen, Emsland), Erdelen(Eifel), Irl (Bayern, Böhmerwald, Oesterreich), Arie (Nordböhmen), Erdle (Bern), Ei erle (Thurgau). InOldenburg (Delmenhorst) heisst die Erle auch Holschenboorn (Holzschuhbaum), weil aus ihrem HolzeHolzschuhe verfertigt werden. Auf die Tatsache, dass die Erle zumeist auf schlechtem, sumpfigem Bodenwächst, bezieht sich das bekannte Sprichwort: „Erlenholz und rotes Haar — sind auf gutem Grunde rar."Erlenzweige — besonders die am Karfreitag geschnittenen — gelten im Volksglauben als zauberabwehrendesMittel. So halten sie auch in die Wiesen gesteckt die Maulwürfe fern, in den Scheuern aufbewahrt, schützensie vor Mäusefrass. Die Blütenzäpfchen der Erlen sind dem Landmann ein Orakel für den Ertrag derkommenden Ernte: „Ellernholz voll Knöpfe, bedeutet volle Töpfe" (Mecklenburg). Schliesslich treffen wir die Erleauch in vielen Orts- und Flurnamen, z. B. Mach (Oberbayern), Erlach, Erlen, Erli (Schweiz), Ellern, Ellern-krug, Ellernbruch (Reg.-Bez. Königsberg) etc. Aehnlich verhält es sich mit vielen französ. Bezeichnungen,welche sich von verne (bezw. vernetum) oder vouaraine (Berner-Jura) ableiten, so die Ortsnamen Vernier(Genf), Vernayaz und Vernamiege (Wallis), dann viele Flurnamen, wie Verney, Vernez, Vernasse, Graverny,les Voirannes, Varonnes, Vuarennes etc. Im romanischen Graubünden heisst diese Art (z. T. wie nr. 776)ogn, agn oder ogne, in italien. Dialekten onizz (Bergell), alnisca oder uniscia negra (Tessin). DieFreiherren von Erlenkamp (Mecklenburg) führten in ihrem Wappen 3 Erlenbäume.
Strauch oder 20 (35) m hoher Baum. Stammschlank bis zum Wipfel reichend. Rinde anfangs grünlich-braun, glänzend, glatt, später in eine zerklüftete, dunkel-graue Borke übergehend. Verästelung breit, ziemlich locker.Krone länglich-eiförmig. Zweige anfangs kahl (höchstensganz zerstreut behaart), klebrig. Stengelmark auf demQuerschnitt 3-strahlig (Fig. 480k). Knospen deutlich ge-stielt (Fig. 485 a), rotbraun. Laubblätter gestielt (Stiel 1 bis
2 cm lang), kreisrundlich oder rundlich-verkehrteiförmig,am Grunde meist etwas keilförmig, (3) 4 bis 9 cm lang und
3 bis 7 cm breit, an der Spitze stumpf, gestutzt oderausgerandet, ausgeschweift gesägt, anfangs klebrig, späteroberseits kahl, dunkelgrün, unterseits heller grün und nurin den Nervenwinkeln rostgelb bärtig. Nebenblätter stumpf,schuppenartig, bald abfallend. Männliche Kätzchen imHerbst und Winter violettbraun, im Frühjahr vor dem Laub-ausbruch blühend, braun, (3) 6 bis 12 cm lang, zu 3 bis 5endständig. Tragblätter bräunlich-purpurrot. Staubbeutelgelb. Fruchtzapfen rundlich, 1 bis 2 cm lang, die seitlichen
deutlich gestielt. Samen von einem sehr schmalen, undurchsichtigen Flügel umgeben. — III, IV.
Sehr häufig und verbreitet an Fluss- und Bachufern, in Sümpfen, feuchten Wäldern,Gräben, Brüchen, in Dünentälern und Dünenmooren; von der Ebene bis in die Voralpen,bis ca. 1200 m (Ampezzotal, Bergell), selten noch etwas höher (Oberberg im Oberdrautalin Kärnten 1280 m, St. Ottilia in Südtirol 1300 m).
Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa (in Norwegen [Värdalen] nördlich bis63° 47', in Finnland bis 65°, auf Sardinien [Catania] südlich bis 37° 25', in Spanien[Sierra Morena] bis zum 38°; fehlt im südrussischen Steppengebiet), Sibirien, Kaukasus(var. denticuläta Ledeb. und barbata Ledeb.), Kleinasien, Nordpersien, Dsungarei, Japan(var. cylindrostächya H. Winkl. und obtusäta [Franch. et Sav.] H. Winkl.), Nord-afrika, Algier, Tunis (var. denticuläta). In Nordamerika und am Kap angepflanzt.
Aendert im Freien nur sehr wenig ab: f. parvifölia O. Kuntze. Ausgewachsene Blätterklein, nur 3 bis 5 cm lang und breit. — f. tenuifölia Callier. Blätter zart, fast kreisrund, an der Spitzenicht oder äusserst selten etwas ausgerandet, undeutlich gelappt, fast ungezähnt, unterseits zart hellgrün(Schlesien). Ausserdem werden in Gärten gezogen und sehr selten auch spontan die folgenden Formen angetroffen:
Fig. 484. Schwarz-Erle (Alnus glutinosaGaertner). Phot. Lauche, Muskau.