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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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775. Alnus viridis (Chaix) Lam. et DC. (= A. Alnobetula [Ehrh.] Hartig, = Betulaviridis Chaix, = B. Alnobetula Ehrh., = Alnäster viridis Regel, = Duschekia ovata Opiz).Berg- oder Grün-Erle. Franz.: Aulne, aune vert; engl.: Green oder montain alder;ital.: Alno verde, ontano, drosa. Taf. 85, Fig. 3, Fig. 480n, o, p, Fig. 482 und Fig. 485b.

In Tirol und in Kärnten nennt man die Berg-Erlen Luttern, Ludern, Luttastaudn, ein uraltesWort wenn es wirklich mit dem griech. %7J)$Q r q [klethre] (= Erle) zusammenzustellen ist. Hauptsächlichauf die Schweiz und auf das Algäu beschränken sich die Bezeichnungen: Drusen, Tros, Drossla(-studä). die auch im Romanischen als droso, drosole, drosa, draussa, il draus, Dralz, Drelz,(Graubünden, Gegend von Como, Turin, Novara) vorkommen. Man vermutet, dass diese Worte etymologischzuDrüse" gehören, vielleicht mit Bezug auf die Fruchtzäpfchen des Strauches. Uebrigens bedeutetDruosen" im Alemannischen auchHefe, trübe, schmierige Flüssigkeit", weshalb man auch an denklebrigen Ueberzug der jungen Alpenerlenblätter denken könnte.

Von diesen beiden Namen des Strauches leiten sich verschiedene Orts- und Bergbezeichnungen ab, soz. B. in Tirol Luttach (im Tauferer Tale), in der Schweiz der Drusberg (Kt. Schwyz), der Drosistock (Kt. Bern),die bekannteDrusenfluh" (schweiz.Fluh" = Felsen; vgl. Nagelfluh", das bekannte Konglomerat, undFlueh-blümli" = Primula Auricula!) im Rätikon (Graubünden). Nicht selten sind Benennungen wie Drosetobel,Trosenwald, Trosboden, Bärentros, Hochtros, Drosibach etc. Aehnliche Bezeichnungen finden sich auch imGebiet der italienischen (Pizzo Drosetto im Blegnotal) oder französischen Sprache (Drousenaz bei Bex, les Drogesin der Gruyere, Drauzfenes. Im romanischen Graubünden heisst der Strauch ferner malanza, maros(Puschlav), agn oder ougn, in italienischen Dialekten onizza oder onizz und im französischen Patois derWestschweiz verreau.

0,5 bis 2,5 m hoher, freudig-grüner, vielästiger Strauch (sehr selten bis 4 m hoherBaum). Rinde glatt, an altern Aesten bräunlich- bis aschgrau. Junge Zweige ± behaart,später kahl, etwas kantig, olivgrün oder rötlichbraun. Stengelmark auf dem Querschnitt± kreisförmig (Fig. 480n). Knospen ungestielt, sitzend, wenig klebrig (Fig. 485b). Laubblättereiförmig, spitz oder kurz zugespitzt, gestielt, am Grunde abgerundet oder schwach herz-förmig, scharf doppelt gesägt, in der Jugend klebrig, ausgewachsen meist beiderseits kahloder unterseits in den Aderwinkeln kurzhaarig, gewöhnlich bis 5 (9) cm lang, jederseitsmit 5 bis 6 (10) Seitennerven, oberseits dunkelgrün, unterseits etwas heller. MännlicheKätzchen unter einer weisslichen Harzkruste geschlossen überwinternd, im Frühjahr mit demLaub aufbrechend (Taf. 85, Fig. 3 a), ungestielt, dick, lebhaft gefärbt, bis 6 cm lang. Tragblätteranfänglich grün, später violettbraun. Männliche Blüten mit 4- bis 5-teiliger Blutenhülle. WeiblicheBlütenstände zart, in Knospen überwinternd, erst mit den Blättern hervorbrechend. Frucht-zapfen 10 bis 15 mm lang, anfangs grün und sehr klebrig, später braun. Narben prächtigrot. IV, V (unter Lawinenschnee gelegentlich bis VII in Knospen verharrend).

Sehr verbreitet an etwas schattigen, feuchten Abhängen, in Gräben, Runsen, Muhren,in Lawinenzügen, an Bächen, auf Weiden der subalpinen und alpinen Region der Alpen;von ca. 1500 bis 2000 m (im Maximum bis 2800 m), nicht selten aber tiefer (an Bächenbis in die Talsohle) hinabsteigend, seltener in Auenwäldern, in Moorbrüchen oder Kiefer-wäldern des Tief landes. Besonders auf Urgestein, Schiefer, auch auf Porphyr: kalkmeidend.Ausserdem selten verschleppt.

Ausser den Alpen, Voralpen und Vorbergen an zahlreichen Stellen auf der schweizerischen (Frauenfeld,Embrach, Dättlikon, Irchel Lägern, Schneisingen, Aarau, Safenwyl, Wykon, Schönenwerd, Amselberg bei Gümlingen,Villars sous Yens etc.) und der schwäbisch-bayerischen Hochebene (mehrfach am Bodensee [Salem, Markdorf, Bod-man, Stockach, Roggenbeuren, Rickertsweiler in Baden und im württemb. Oberland]; in Bayern nördlich bis insMolassegebiet um Kempten, Memmingen, Ottobeuren, Kaufbeuren, Strassberg und Ziemetshausen bei Augsburg,ferner bei Gars am Inn, bei Passau und bei Obernzell), dagegen selten im Schweiz. Jura (Fricktal, Leibstatt, zw. Ols-berg und Rheinfelden, um Delsberg; dann am Saleve und Voirons bei Genf), ziemlich verbreitet im mittlem undsüdlichen Schwarzwald (auch auf Württemberg. Gebiet bei Kressbach [Oberamt Tübingen], Aichhalden undSchramberg im Oberamt Oberndorf), im Böhmerwald (zerstreut z. B. um Hohenfurth, Blanskerwald), im süd-lichen und östlichen Böhmen (Budweis, Wittingau, Neuhaus, an der Chrudimka und an der oberen Sazawa),im westl. Mähren (Oels, Leschkowitz), im Eibsandsteingebirge und im Lausitzergebiet (von Rumburg und vom