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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Die Zwergbirke repräsentiert einen der interessantesten, echt arktisch-alpinen Typen unserer Flora,welche im Gegensatz zu B. humilis im hohen Norden eine grosse zirkumpolare Verbreitung besitzt (Fig. 481).In Mitteleuropa erscheint sie ausschliesslich auf Hochmooren (als Unterholz, in Gräben, an Grabenrändern,

in Spbagnumbülten, Kolken,zwischen Schilf oder auf halb-abgetorften Stellen) in Begleitungvon andern Birken (B. pubescens,intermedia, verrucosa), ver-schiedenen Weiden (Salix repensund aurita), Rhamnus Frangula,Pinus montana (Erzgebirge,Schweiz. Jura), Eriophorum vagi-natum (Bd. II, pag. 18), Tricho-phorum caespitosum (Bd. II,pag. 24) und alpinum, ver-schiedenen Seggen (Carexrostrata,limosa, canescens, pauciflora,Goodenowii), Juncus squarrosus(hie und da), Scheuchzeria pa-lustris (Bd. I, pag. 147), Molinia,Drosera-Arten, Empetrum nigrum(stellenweise), Comarum, Vac-cinium uliginosum, vitis idaea undoxycoccus, Andromeda polifolia,verschiedenen Moosen (Poly-trichum strictum, Aulacomniumpalustre, Hylocomium splendens,Hypnum Schreberi, Sphagnumcymbifolium, acutifolium etc.)und Flechten (Cladonia rangiferina,pyxidata, fimbriata, Cetraria Islandica) etc. In den voralpinen Mooren gesellen sich nicht selten Loniceracaerulea und nigra sowie Rhododendron ferrugineum hinzu. Stellenweise bildet die Zwergbirke ziemlich reineBestände (Erzgebirge), während sie sich an andern Stellen durch Versamung natürlich verjüngt. In der Gestaltist sie ziemlich veränderlich; entweder wächst sie einzeln als im Kreis ausgebreiteter Strauch oder sie bildetgrössere bis stattliche Büsche (f. gigantea Lönnbohm). Die beiden bis jetzt einzigen Standorte im nord-deutschen Flachlande (Bodenteich und Neulinum) sind angekauft und geschützt worden. B. nana ist inNord- und Mitteleuropa an zahlreichen Stellen (Skandinavien, Dänemark, Norddeutschland [südlich bis Deubenbei Dresden], im nördlichen Alpenvorland) in glazialen Tonen fossil konstatiert worden und gilt neben ver-schiedenen Weiden (Salix retusa, polaris, reticulata, herbacea, myrtilloides), Loiseleuria procumbens, Polygonumviviparum etc. als wichtiges Leitfossil derDryas-Tone". Diese wurden früher als Zeugen eines arktisch-alpinen Klimas während der Gletscherzeit angesehen. In neuerer Zeit hat Brockmann mit Recht darauf auf-merksam gemacht, dass diese Dryastone sicherlich nicht die durchschnittlichen Verhältnisse der damaligenZeit charakterisieren. Sie repräsentieren vielmehr nur die nächste Umgebung der zurückweichenden Gletscher,d. h. es handelt sich um eine ,Gletscherendenflora", welche in Eiswassertümpeln zur Konservierung gekommenist. Zeitlich werden die Dryastone gewöhnlich in die Periode des letzten Gletscherrückzuges (Würm-Eiszeit)oder in das ihr folgende postglaziale, kühle Bühlstadium verlegt. Andere Lokalitäten (im Bereiche der nord-europäischen Vereisung) fallen wohl in die zweitletzte oder dritte Glazialperiode (Riss-Eiszeit). Bei Honerdingenfand Weber im Glazialsand Reste von B. nana neben solchen von Potamogeton, Najas marina (Bd. I, pag. 145),Nup.har luteum und Ranunculus aquatilis. Aus den feinen Wurzeln verfertigen die Lappländer schöne Decken.

774. Betula hütnilis Schrank (= B. Quebeckensis Burgsdorf, = B. fruticosa aut. neePall., = B. Sibirica Wats., = B. Dahürica Wats., = B. myrsinoides Tausch, = B. SokolowiiJacq., = Chamaebetula hümilis Opiz). Nordische Birke. Engl.: Shrubby birch.

Fig. 479, 480 a bis e und 481.Niedriger, 0,5 bis 2 (3) m hoher, sehr ästiger Strauch. Rinde braun. JungeZweige + dichtdrüsig-behaart, bald verkahlend. Laubblätter rundlich-eiförmig oder eiförmig,oft etwas ungleichhälftig, stumpflich bis etwas zugespitzt, grob und ungleich, einfach bis

Fig. 4/9. Verbreitungsareale von Betula humilis (senkrecht schraffiert und Kreuze)und B. nana (wagrecht schraffiert und Punkte). Nach der Literatur unter Benützung- derKarten von Ulbrich u. Conwentz zusammengestellt von G. Hegi u. H. Hofmann.