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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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1*. Niedrige Sträucher. Blätter klein (höchstens 35 mm lang), stumpf-rundlich, unterseits deutlichnetzaderig, kurz gestielt. Kätzchen aufrecht, die männlichen von Knospenschuppen umgeben. Rinde grau-braun .....................................

2. Junge Zweige reichlich mit warzigen Harzdrüsen besetzt (Fig. 476 c, d, e). Fruchtflügel 2 bis3 mal so breit als die Frucht (Fig. 4761, m). Seitenlappen der Fruchtschuppe deutlich nach abwärts gebogen(Fig. 476f; Taf. 84, Fig. 3c).....................B. verrucosa nr. 772.

2*. Junge Zweige ohne oder nur mit ganz vereinzelten Harzdrüsen besetzt, sammethaarig (Fig. 476 o, p).Fruchtflügel ungefähr so breit (bis höchstens doppelt so breit) als die Frucht (Fig. 476 r). Seitenlappen derFruchtschuppe deutlich nach aufwärts gebogen (Fig. 476g)...... B. pub esc ens nr. 771.

3. Blätter klein, fast kreisrund, breiter als lang. Fruchtflügel mehrmals schmäler als die Frucht(Taf. 84, Fig. 4b). Junge Zweige dicht und kurz sammethaarig (ohne Drüsen).....B. nana nr. 773.

3*. Blätter rundlich-eiförmig oder eiförmig (Fig. 480 c). Fruchtflügel >/» bis 8 / 4 so breit als die Frucht(Fig. 480e). Junge Zweige dicht drüsig-behaart, bald verkohlend........B. humilis nr. 774.

771. Betula pubescens Ehrh. (= B. tomentösa Reith., = B. odorata Bechst., = B. alba L.

pro parte). Moor-Birke, Haar-Birke. Franz.: Bouleau; engl.: Birch; ital.: Betulla.

Taf. 84, Fig. 3 und 3 a, Fig. 475 und Fig. 476 o bis r.

Das Wort Birke (althochdeutsch bircha, biriha), das in allen germanischen Sprachen wiederkehrt(z. B. angelsächs. beorc, altnordisch björk) ist urindogermanisch (sanskr. bhürja, litt, berzäs, russ. berezza,poln. brzoza). Seine Etymologie ist dunkel; wahrscheinlich gehört auchBorke" (= Rinde) hieher. ImNiederdeutschen lautet das Wort Biärke, Bark(en), Berke, in der Schweiz Blrch(en), Bilch(en).Lokale Namen, die auf die Verwendung der Zweige von nr. 771 und 772 (die beiden Arten werden vomVolke nicht näher unterschieden) zu Besen und Ruten hindeuten sind: Bösnholz (Oesterreich), Besebom,Ruetebom (Thurgau), Risebom (Oldenburg), Besmeries (Graubünden). Zu Maie, Maibaum vgl.unten! Im romanischen Graubünden heissen die beiden Arten badügn oder badogn (Heinzenberg, Bergün),badogn-salvatg (Bergün; für nr. 771), bodon, bedön (Puschlav), afdon (Bergeil), vduogn, trosa(Engadin); in italien. Dialekten der Südschweiz: bedura, bedöla, badeja oder badeglia.

Die Birke ist im Volksleben als eine der ersten Bäume, deren junges Laub im Lenze hervorspriesst,mit dem Wiedererwachen des Frühlings aufs engste verknüpft. Daher sind es besonders die Zweige derBirke, die als Maien bei Frühjahrsfesten zur Ausschmückung dienen. Auch als Maibaum, der von der Jugendin der Mitte des Dorfes am 1. Mai oder an Pfingsten usw. aufgepflanzt wird, treffen wir häufig die Birke.Ganz besonderer Wertschätzung aber erfreuen sich in katholischen Ländern die Fronleichnamsbirken (Ablass-birken" in Oberbayern), also die Bäume, welche die von der kirchlichen Fronleichnamsprozession durch-zogenen Strassen zieren. Die Zweige werden in den Ställen aufgesteckt, damit das Vieh vor Krankheit(dämonischen Einflüssen) verschont bleibe. Ausserdem sollen sie wie der geweihtePalm" (vgl. pag. 35) denBlitzschlag ablenken. In das Kohlfeld oder auf den Kornacker gesteckt halten diese Zweige schädlicheInsekten ab und bewahren vor Misswachs. Für Lungensüchtige und überhaupt für schwache, kränklicheMenschen empfiehlt die Volksmedizin den im Mai abgezapften Birkensaft (vgl. pag. 80) als ein gar kräftiges Stärke-mittel. In der Kosmetik der ländlichen Schönen ist der Birkensaft als ein Mittel, um langes schönes Haar und einenrosigen Teint zu bekommen, hochgeschätzt. Die verschiedenen Namen der Birke finden sich sehr oft inFlur- und Gehöftebezeichnungen, so z. B. Birrholz, Birchbühl, Birch, Birchengraben, Bilchenmoos, Birrenmoos,Bilchegg etc. Auch im französischen Sprachgebiet lassen sich zahlreiche Ortsbezeichnungen auf die fran-zösischen Namen der Birke (bouleau; altfranzös.: boul, im Patois der Westschwriz: biolle) zurückführen, soBoulaz. Boulez, les Boules, la Bouloie, Bouleyres, les Bioux, etc. Betula ist im Wappen der Pirkhaimer(Nürnberg) vertreten.

Aufrechter, bis 30 m hoher Baum oder Strauch. Rinde meist lange weiss bleibend,erst spät sich in eine rissige, schwarze, in dünnen Lagen sich ablösende Borke verwandelnd.Aeste aufrecht, oder ausgebreitet. Zweige nicht oder erst bei alten Exemplaren an derSpitze leicht überhängend. Junge Zweige (auch die Wasserreisser oder Lohden) dichtflaumig-behaart (Fig. 476 o, p), drüsenlos (oder nur mit ganz vereinzelten Drüsen); ältereZweige nicht selten fast vollständig kahl. Laubblätter meist aus herzförmigem, abge-rundetem oder breit-keilförmigem Grunde dreieckig-eiförmig bis rautenförmig, kurz zu-gespitzt, 3 bis 5 cm lang, 1,5 bis 3,5 cm breit, mit abgerundeten Ecken, grob gesägt,behaart (zuletzt aber meist nur noch in den Aderwinkeln behaart oder ganz verkahlend).

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