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Kleinheit staik in die Augen. Sämtliche Blüten erzeugen reichlich Nektar, die männlichen ausserdem einenmeist klebrigen, vom Winde nicht verwehbaren Pollen. Aus diesem Grunde werden die Blüten von denverschiedensten Insekten (Hymenopteren, Dipteren, Käfer, Schmetterlinge usw., doch am regelmässigsten vonder Honigbiene) besucht und bestäubt. Da die männlichen Kätzchen im allgemeinen auffälliger gefärbt sindals die weiblichen, werden diese von den Insekten eher aufgesucht als die letztern. Bei einzelnen Arten ent-wickeln sich die weiblichen Blüten vor den männlichen benachbarter Pflanzen. Für verschiedene frühblühendeund schnell fruchtansetzende arktische Weiden wird angenommen (Warming), dass sie windblütig seien.Nach Lundström soll der Pollen der nördlichen Weiden infolge des geringen Oelgehaltes weniger klebrigsein und sich daher leicht fortblasen lassen. Durch die Dioecie der Blüten wird die Bildung von Bastardensehr begünstigt, so dass Weiden-Bastarde, die allerdings sehr leicht verkannt werden können (so ist z. B. vonden zahlreichen [gegen 40] von Brügger für Graubünden aufgestellten Weiden-Bastarden nach den neuestenUntersuchungen von Buser [vgl. Seiler, J., Bearbeitung der Brüggerschen Materialien zur Bündner-flora. 1909] nur ein einziger [S. arbuscula X purpurea] bestätigt worden!) in der Natur ziemlich häufigeErscheinungen sind. Diese können leicht auf vegetativem Wege — durch Stecklinge — vermehrt und erhaltenwerden; auf künstlichem Wege kann dann die Bastardierung in unbeschränkter Weise (Wichura) fort-gesetztwerden. Die Keimkraft der Samen nimmt nach kurzer Zeit (bei S. purpurea nach Wiesner im zweitenMonat nach der Reife) ab. Die Samen sind durch die weissen, seidig-glänzenden Haarschöpfe in besondererWeise der Verbreitung durch die Luft angepasst. Die entleerten weiblichen Kätzchen fallen stets als Ganzesab. Da die Weiden sehr ausschlagsfähig sind und sich sehr leicht durch Stecklinge und Setzstangen ver-mehren lassen, werden sie in der Praxis fast ausschliesslich auf vegetativem Wege fortgepflanzt. Wie beiwenigen Pflanzengattungen sind bei den Weiden Missbildungen — namentlich was die Blüten und Kätzchenbetrifft — sehr verbreitet. Nach Toepff er (Salicologische Mitteilung., nr. 1. 1908) gehören zu den wichtigstenBildungsabweichungen (forma oder monstrositas) die folgenden: f. ternäta. In einer Knospe stehen 2 oder 3(selten 4) Sprosse beieinander. — f. verticilläta. Die Knospen rücken so zusammen, dass sie wirteligerscheinen (bei S. purpurea, S. repens, S. rubra und anderen Arten beobachtet). — f. proleptica. Diefür das nächste Jahr angelegten Knospen (durch Verletzung des Haupttriebes, durch Absterben der Triebspitzeoder bei anhaltender Sommerhitze) treiben im Sommer (VI bis VI11) zum zweiten Mal aus. — f. multistipulät a.Nebenblätter vermehrt oder vielleicht nur eingeschlitzt. — f. stipelläta. Drüsen am Grunde des Blattstieles(zuweilen auch die am Grunde der Blattspreite) in blättchenartige Gebilde ausgewachsen. — f. annuläris.Blätter spiialig oder ringförmig eingerollt (hieher S. Babylonica annuläris). — f. variegäta. Blätter weiss odergelb (selten rot) gefleckt oder panachiert (S. cinerea, caprea). — f. recurväta. Kätzchen statt aufrecht zurück-gebogen. — f. julifürca. Kätzchen in 2 bis 3 Abschnitte + tief geteilt. — f. monceca. Auf dem gleichenExemplar erscheinen zugleich männliche und weibliche Kätzchen. — f. pseu domonceca. Bei monoecischenFormen sind die Blüten beider Geschlechter nicht vollkommen ausgebildet. — f. ps eudo-andrdgyna.Monoecische Form, bei der sich ausser weiblichen und männlichen Kätzchen auch solche mit androgynenBlütenständen vorfinden. — f. andrögyna. In denselben Kätzchen kommen gleichzeitig vollkommen aus-gebildete männliche und weibliche Blüten vor. — f. ps eudo -her map hro dfta. In den Kätzchen finden sichneben fast ausgebildeten männlichen Blüten solche mit Uebergängen zu Fruchtblättern. — f. metamörpha.Fast vollkommene weibliche Blüten mit geringen Uebergängen zu Staubblättern. — f. h erm aphrodi ta.Zwischen normalen und androgynen Kätzchen kommen Zwitterblüten (Fig. 450f) vor (Sehr selten). — f. polyandra.Vermehrung der normalen (2 oder 5) Zahl der Staubblätter. — f. teträndra. Staubblätter konstant 4. —f. fi'ssa. Staubfäden gespalten, in spitzem Winkel auseinander tretend. — f. cladostema. 2 Staubfädensind + weit zusammengewachsen und treten dann im stumpfen Winkel auseinander. Jedes Aestchen trägtdann einen Staubbeutel mit zwei (bezw. einem) Pollensäckchen. — f. monadelpha. Alle Staubfäden anormal(abgesehen von nr. 743) vollständig verwachsen. — f. longipedicelläta. Kapselstiel ungewöhnlich lang (so langoder länger als die Kapsel). — f. bicapsuläris. Kapsel _+. tief gespalten bis vollständig getrennt(daher anscheinend2 Kapseln). — f. retroflexiflöra. Kapseln nach rückwärts (dem Kätzchenstiel zu) gerichtet. — f. longi-bracteäta. Tragblätter verlängert oder blattartig ausgewachsen (die Staubfäden oder Karpelle überragend), grün(Fig. 450h); zuweilen auch mit 2 Nebenblättern. — Seltenere Erscheinungen sind ferner Döppelblätter, Verwachsungvon Blüten, Verlaubung oder Durchwachsung derselben, Teilung (Fig. 450 i) oder Verlagerung der Honigdrüsen,Ver-mehrung der Fruchtblätter, Umbildung des Fruchtknotens in Staubblätter usw. Mehrfach sind auch schon voll-kommene Geschlechtsänderungen (Geschlechtsumschlag) bei einzelnen Sträuchern konstatiert worden (Mez, Graf vonSchwerin, Roemer, v. Seemen); in einem Jahr sind die Blüten männlich, in einem andern androgyn oder weiblich.
Ueber die Natur der Honigdrüsen ist man noch etwas im Unklaren. Während die einen Autorendenselben nur einen akzessorischen Charakter, den von Emergenzen, verleihen, erklären sie andere (Hartig,Velenovsky) für ein reduziertes Perigon (vgl. Velenovsky. Vergleichende Studien über die Salix-Blüte.Beihefte zum Botan. Centralblatt. 1904). Aus abnorm ausgebildeten Salix-Blüten schliesst Velenovsky, dass die