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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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die Pflanze am Leben bleibt, fortwährend an Mächtigkeit und Ausdehnung zu. Die Dikotyledonen besitzenalso normal ein sekundäres Dickenwachstum, welches durch das Cambium vermittelt wird (vgl. hierüber Ein-leitung, pag. LXXXVII usw.) und nähern sich in dieser Richtung den Gymnospermen. Während die geschlossenen(ohne Cambium) Leitbündel bei den Monokotyledonen auf dem Querschnitte eines Sprosses regellos angeordneterscheinen (die grössern liegen nach der Mitte, die kleinern nach der Peripherie zu), sind bei den Dikotyledonendie offenen (mit Cambium) Leitbündel (wenigstens an den jungen Sprossen) in einem oder in wenigen Kreisenangeordnet. Allerdings gibt es verschiedene Dikotyledonen (Piperaceen, Saururaceen, verschiedene Ranales,Gesneraceen etc.), welche zerstreut stehende Leitbündel aufweisen. Andererseits zeigen zahlreiche Wasser-pflanzen einen axilen Strang, wie er sich auch bei verschiedenen Monokotylen mit gleicher Lebensweise vorfindet.Nach der Ausbildung der Blüten werden die Dikotyledonen gewöhnlich in die beiden grossen Gruppen Chori-petalae (= Eleutheropetalae, Polypetalae, Archichlamydeae) und Sympetalae oder Gamopetalae eingeteilt.Bei den ersten fehlt die Blütenhülle entweder vollständig (apetale Blüten) oder sie ist einfach (d. h. nicht inKelch und Krone gegliedert) und in der Regel frei (d. h. die Blumenblätter einzeln ablösbar, nicht zu einer Röhreoder Schüssel verwachsen). Bei den Sympetalen dagegen ist das Perianth der Blüte fast stets — wenigstens derAnlage nach — doppelt (Kelch und Krone) und die Blätter des innern Quirles (die Krön- oder Blütenblätter) sind inder Regel miteinander zu einer Krone (corölla) verwachsen; nur selten (einzelne Ericaceen, Primulaceen [Lysi-machia], Gentiana lutea etc.) sind die Blumenblätter fast vollständig getrennt. Anderseits gibt es auch ver-schiedene Choripetalen mit + verwachsenen (sympetalen) Kronen (Aristolochia, verschiedene Rutaceen [z. B.Correa] etc.). Erdgeschichtlich (phylogenetisch) repräsentieren die Choripetalen und unter diesen wiederumdie Monochlamydeae (d. h. die Kätzchenblütler [Amentaceen], Casuarinaceen, Piperales, Santalales, Proteaceen,Centrospermae und wahrscheinlich auch die Euphorbiaceen, Cacteen) die primitivsten und ursprünglichsten Formender Angiospermen. Zu diesen Familien gehören nämlich vorherrschend Holzpflanzen mit eingeschlechtigenund einfach gestalteten Blüten, die durch den Wind (anemophile Blüten) bestäubt werden. Ausser diesenMerkmalen haben diese Typen auch im Befruchtungsvorgange mit den Gymnospermen (endotropisches Wachs-tum des Pollenschlauches) viel gemeinsames. Wie bei diesen verstreicht zwischen dem Momente der Bestäubungund dem Eintritt der Befruchtung ein verhältnismässig langes Zeitintervall. Auch die Chalazogamie (Taf. 77,Fig. 2), die in letzter Zeit bei zahlreichen Vertretern der Monochlamydeen nachgewiesen worden ist und vonden Gymnospermen zu der bei den Angiospermen im allgemeinen weit verbreiteten Porogamie (vgl. Einleitungpag. CXLVI) überleitet, charakterisiert die Monochlamydeen als primitive, ursprüngliche Angiospermenformen. DenMonochlamydeen stehen phylogenetisch wohl die Polycarpier (Ranunculaceen, Magnoliaceen, Myristicaceen, Berbe-ridaceen etc.) am nächsten, von denen sich vielleicht einst die Monokotyledonen als grosser Seitenzweig (vgl. Bd. I,pag. 164) abgegliedert haben. Die ältesten phanerogamen Fossilien stammen aus der Kreideperiode, wo über-haupt die] Blütenpflanzen plötzlich zum ersten Male und zwar gleich in grossem Formenreichtum auftreten.Interessant ist auch die Tatsache, dass es vor allem die primitivsten Blütenpflanzen (also Monochlamydeen, Polycarpierund Monokotyledonen) sind, welche in der Kreidezeit erscheinen. Nach Bessey (Botanical Gazette. Vol. XXIV.1897, pag. 153) machen die Monochlamydeen 61 bis 64°/o gegen nur 4 bis 5°/o Sympetalen der gesamtenKreideflora aus, während gegenwärtig die Monochlamydeen auf 15°/o gesunken, die Sympetalen aber auf 48°/ogestiegen sind. Nach Handirsch fehlten vor der Kreidezeit blumenbesuchende Insekten vollständig. Diesetreten eigentlich erst in der Tertiärzeit auf, wo dann allerdings bereits fast alle heute lebenden grösseren Gruppenvorhanden sind (weiteres hierüber bei Wettstein. Handbuch der systematischen Botanik. Bd. II, 2. Teil).

32. Farn. Juglandäceae. Walnu'ssbäume.

Holzpflanzen mit eingeschlechtigen (durch Abort), einhäusigen (ausnahmsweisezwitterig), anemophilen Blüten. Laubblätter zusammengesetzt, unpaarig gefiedert, wechsel-ständig, reich an harzig-aromatischen Stoßen. Nebenblätter fehlend. Blüten in einfachenAehren (Kätzchen). Männliche Blüten in vielblutigen, weibliche häufiger in armblütigenKätzchen. Blütenhülle unscheinbar, einfach, kelchartig. Staubblätter 2 bis 40 (Fig. 450 m).Staubfäden kurz. Fruchtknoten unterständig (Taf. 78, Fig. 2 c), aus 2 (selten 3) Frucht-blättern gebildet, unvollständig 2-fächerig, mit 2 innen papillös gefransten Narben und miteiner grundständigen, geradläufigen (orthotropen) Samenanlage; letztere mit nur einemIntegument. Frucht eine Steinfrucht oder Nuss mit fleischiger Aussenschicht (an der Bildunghat auch die angewachsene Blütenhülle Anteil). Endokarp hart, oft krustig, zuweilen mit2 unvollständigen Scheidewänden. Samen aufrecht, gelappt, mit dünner Samenschale.