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Vorlesungen über chemische Technologie
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Alkohol.

Zuverlässig ist aber die Bestimmung durch Titrieren. Es tritt alsokeine solche Schwierigkeit ein, wie bei Alkohol, wo man auf dasspezifische Gewicht angewiesen bleibt und deshalb die empirisch fest-gestellten Tabellen benutzen muß.

Essigsäure löst viele neutrale Stoffe, z. B. ätherische Öle, neutraleFarbstoffe, Gelatine und Eiweiß. Da dieses Lösungsvermögen oft durchden Wassergehalt aufgehoben wird, so kann man auch dadurch dieStärke prüfen. Zum Beispiel ist Zitronenöl löslich in lOOprozentigerEssigsäure, schon schwer löslich in 96 prozentiger usw.

Essigsäure bildet sich aus Alkohol durch Oxydation an der Luft,besser durch Hilfe von Platinmohr, der als Kontaktsubstanz wirkt. Fernerbegünstigen gewisse Pilze, namentlich Mykoderma aceti, diesen Vor-gang, wie bei «Darstellung» näher anzugeben ist.

B. Vorkommen. Die Essigsäure ist verbreitet, weil sie auchbei der Verwesung entsteht. Aber kein natürliches Vorkommen ist zubenutzen.

C. Die Darstellung gründet sich erstens auf Oxydation alkohol-haltiger Flüssigkeiten und zweitens auf trockene Destillation derZellulose.

I. J. W. Döbereiner in Jena war es, der die oxydierende Eigenschaftdes Platinschwammes (durch Glühen aus Platinsalzen abgeschiedenenPlatins) und die noch höhere des Platinmohrs (durch Reduktion andersabgeschiedenen Platins) entdeckte. Seitdem ist Platinasbest dazu ge-kommen. Alle verdichten den Sauerstoff der Luft so stark, daß Wasser-stoff zu Wasser verbrennt (Döbereiners Feuerzeug) und daßAlkohol bald oxydiert wird.

Für den letzteren Vorgang ist eine Temperatur von 33 ° die beste.Man erwärmt daher ein Gehäuse, in welchem Platinmohr auf flachenSchalen, so daß viel Oberfläche bleibt, angebracht ist, und läßt Alkohol-dämpfe eintreten oder Alkohol im Gehäuse verdunsten, während zu-gleich die nötige Luft zutritt. Die Essigsäure verdichtet sich an denWänden des Apparates, fließt nieder und wird unten gesammelt. Derabziehenden Luft ist natürlich auch Essigsäure beigemengt, welchedieser zu entziehen ist.

Mit einem Apparat von 10 cbm Inhalt und 17 kg Platinmohrkann man täglich 150 1 Alkohol verarbeiten.

Doch entsteht zunächst immer Aldehyd und da dieser bei 21 °siedet, liegt darin die Quelle großer Verluste.

Ebenso geht die Bildung von Essigsäure durch Mitwirkung ge-wisser Pilze, namentlich des im rohen Essig stets vorhandenen Myko-derma aceti, leicht vonstatten. Dabei kommt wieder ein Enzym, die