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Vorlesungen über chemische Technologie
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Kieselsäure und Silikate.

hoher Temperatur erweichen und dadurch eine dichte Oberfläche er-halten.

Während die Porzellanmasse durch den ersten Brand bei etwa900° brüchig und porös wird, so daß etwa 1450° erforderlich sind,gibt es Tonarten (grauer Ton von Klingenberg am Main), die bei1050—1200"vollständig dicht werden, und andere, diesoviel schmelzendeBestandteile enthalten, daß die Masse bei dem ersten Brande nicht bloßdicht wird, sondern auf der Oberfläche schwach glasiert erscheint.Dies ist für viele Verwendungen zweckmäßig. Deshalb wird lehm-haltiger und kieselsäurereicher Ton als solcher gesucht und benutzt,für Hähne u. dgl.

Auch werden gewisse Beimengungen des Aluminiumsilikates beimGlühen so verändert, daß die Anzahl der Moleküle sich verringert unddie Masse porös wird. Hat man z. B. ein Gemenge von Aluminium-hydrosilikat und Calciumkarbonat, so schwindet beim Glühen die An-zahl der Moleküle von 7 auf 5, indem Kohlensäure und Wasser ent-weichen, ohne weitere Einwirkung:

5 Si 2 0 9 Al 2 H 4 + 2 CaCO a = 4 Si 2 0 7 Al 2 + Si 2 0 9 Al 2 Ca 2 + 2 C0 2 + 10 H ä O.

Es entstehen also Lücken. Die Masse bekommt die Beschaffenheiteines Filters und läßt Wasser durch.

Das Beispiel ist absichtlich übertrieben. Es brauchen nicht 7: 5Moleküle zu sein, damit der Erfolg eintritt.

Von diesem Erfolge aber macht man von alters her Gebrauch,weil die porösen Behälter, indem sie etwas Wasser durchlassen undzur Verdunstung bringen, den Inhalt lange Zeit kühl erhalten.

Bei Kenneh in Oberägypten findet sich ein solcher Ton, und nochheute werden daraus poröse Wasserkrüge hergestellt, die auf keinemTisch in Kairo fehlen, ebenso wie sie auf dem Lande seit undenklicherZeit verbreitet sind. Auch in anderen heißen Ländern ist diese Benutzungeine ganz allgemeine.

Also die Beschaffenheit des Tones, d. h. die Beimengungen desAluminiumsilikates haben einen Einfluß auf die Plastizität, Farbe undDichtigkeit, welcher zu bestimmter Benutzung führt und häufig dieGlasur entbehrlich macht. Außerdem wird die Glasur auch absichtlichin anderer Weise hergestellt, als beim Porzellan.

Leichter im Feuer erweichende Tonarten können natürlich keineso schwer schmelzende Glasur aufnehmen, wie es der Kaolin tut, undviele gut zu modellierende, aber unschön in der Farbe bleibende Ton-arten werden mit leicht schmelzenden, undurchsichtigen und weißenGlasuren überzogen.