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Vorlesungen über chemische Technologie
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Kieselsäure und Silikate.

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Diese Verschiedenheiten der Oberfläche und der inneren Massewerden um so größer, je schroffer die Temperaturunterschiede und jedicker die Massen sind.

Sind demnach die hier gewählten Unterschiede nicht so groß, wiebei den Glastränen, welche feuerflüssig in Wasser fallen, oder bei denBologneser Flaschen, welche möglichst schnell in Luft von gewöhn-licher Temperatur abgekühlt werden, so mußte doch mit der äußerenHärte, welche allerdings erzielt wird, ähnliche Empfindlichkeit gegenbesondere Anstöße, wie sie Glastränen haben, verbunden gehen,wenn man nach der gegebenen Vorschrift arbeitete. Dies zeigte sichzuerst.

Die Hartglasgegenstände zerbrachen allerdings nicht wie gewöhn-liches Glas, aber sie zersprangen, wenn zufällig ihre empfindlicheStelle getroffen wurde, auch bei Erschütterungen, so daß von den Er-zeugnissen de la Basties wohl nichts mehr übrig sein wird. Sie sindverschwunden wie diejenigen des Glaskünstlers aus der Zeit des KaisersTi berius.

Weitere Beschäftigung mit dem Gegenstande ergab allerdings, daßman Besseres machen kann, wenn man auf die erste Kühlung in denBädern eine zweite mit ganz besonderer Sorgfalt anschließt. Bringtman den Hartglasgegenstand in einen Kühlraum, der genau seineTemperatur hat, und läßt man diesen Kühlraum äußerst langsam, vonGrad zu Grad erkalten, so gleichen sich die Unterschiede des Äußerenund des Inneren in der Masse besser aus. So sind die jetzigen Hart-gläser gemacht.

Das sind aber Feinheiten, die in einen großen regelmäßigen Be-trieb nicht passen, weil jeder Gegenstand aus der ersten Kühlung mitschwer zu bestimmender Temperatur hervorgeht. Die Folge ist, daßviele Stücke nachher Risse bekommen und als unbrauchbar auszu-schalten sind, so daß nur wenige gut und damit unverhältnismäßigteuer werden: ausgesuchte Stücke.

Immerhin ist die Anregung nicht zu unterschätzen, die durch solcheEntdeckung gegeben wird. Man sieht, daß man die Eigenschaften desGlases nicht als etwas Gegebenes hinzunehmen hat, sondern daß mansie beeinflussen kann, und zwar mit auffallenden Ergebnissen.

So findet Hartglas in einzelnen Fällen Benutzung z. B. für Wasser-standsgläser bei Schiffskesseln.

So hat Schott in neuerer Zeit unter dem Namen »Verbundglas«Röhren und andere Hohlgefäße hergestellt, welche gegen Temperatur-unterschiede viel weniger empfindlich sind als gewöhnliches Glas.Sie bestehen aus Glassorten, welche verschiedene Ausdehnung in der