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Vorlesungen über chemische Technologie
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Kieselsäure und Silikate.

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Nachdem man deshalb angenommen hatte, daß dies alles Fabel sei,wendete sich die öffentliche Meinung plötzlich dahin, daß alles richtigoder wenigstens möglich sei, als im Jahre 1874 Roger de la Bastiedurch sein »verre trempe« zeigte, daß in der Tat Glaswaren herzu-stellen seien, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen unzerbrechlichwaren. Diese ließen sich sowohl aus Calciumalkaliglas herstellen, alsauch aus Bleiglas. Er fertigte Gegenstände, die man stark werfen kann,ohne daß sie brechen oder springen.

Der Wert dieser Erfindung wurde dann überschätzt, wie ausFolgendem hervorgeht. Der »Verband deutscher Glasindustrieller«bot dem Erfinder, nachdem er drei Experten hingeschickt und sichüber die Beschaffenheit der Produkte unterrichtet hatte, für sein inDeutschland durch Patente geschütztes Recht mehrere Millionen Mark.Die Verhandlungen kamen jedoch nicht zum Abschluß, weil de la Bastiehartnäckig pro Kopf des Deutschen einen Franken, also nach damaliger Be-völkerung 40 Millionen Franken forderte.

Wenn nun das Verfahren in der damals patentierten Form heutefür wertlos gilt, ist offenbar die Bedeutung der Sache in einem Maßeüberschätzt worden und zwar von Sachverständigen , wie manes selten wieder findet.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich folgendes. Das Wesen desVerfahrens liegt in einem schnelleren Abkühlen des zu härtendenGlases in Bädern von Talg oder Öl. Diese Bäder haben gewöhnlich150300°; man bringt die wieder zur Rotglut (700800°) erhitzten,fertig geformten Gegenstände rasch hinein. Der Unterschied gegen-über der gewöhnlichen Art der Kühlung erscheint nicht groß. Aberdie Flüssigkeit kühlt eben doch viel schneller als die Luft. Auch istdie Temperatur noch niedriger zu nehmen; bei besonders leichtschmelzenden Bleigläsern nimmt man sogar Bäder von 60120°.

Dazu, daß de la Bastie sein Glas »trempe«, d. h. eingetaucht nennt,u nd dadurch an den gehärteten Stahl erinnert, welcher »acier trempe«heißt, muß man bemerken, das beides nicht gleich ist. Im Stahl geht,wie erörtert, beim Härten eine Veränderung des Kohlenstoffes vor, undEntsprechendes ist hier nicht anzunehmen.

Auch physikalisch ist der Vorgang etwas anders, weil der Stahl einguter, das Glas aber ein sehr schlechter Wärmeleiter ist. Hier wird alson ur die äußere Schale hart; die innere Masse des Glases kommt in einenanderen Zustand. Dem raschen Erstarren der Schale, welches als ersteFolge der Abkühlung eintritt, kann die innere Masse nicht folgen; es bildensich also im Innern unnatürliche Spannungen, die man beim Zerbrechena 's größere Nachgiebigkeit, abnorme Sprödigkeit erkennt.