Druckschrift 
Vorlesungen über chemische Technologie
Entstehung
Seite
389
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Kieselsäure und Silikate.

389

zu erzielen, namentlich immer wieder denselben Farbenton zu erhalten,wie es für technische Zwecke erforderlich ist.

Man kann sich leicht vorstellen, wie geheimnisvoll diese Effekteerscheinen mußten, solange man nicht wußte, wodurch sie zustandekommen, solange sie aus unerklärlichen Gründen wieder ausblieben,nachdem sie schon oft beobachtet waren; sie blieben »arcana«, undwer sie kannte, war ein »Arkanist«.

Aber auch jetzt noch verdient dieses Gebiet wissenschaftlichbesser bearbeitet zu werden, da noch vieles empirisch und doch fürdie Praxis sehr wertvoll ist.

Die Anwendungen dieser farbigen Gläser liegen sowohl auf demGebiete der Kunst und des Kunsthandwerks, als auf demjenigen derIndustrie. Seit den ältesten Zeiten bekannt sind:

I. undurchsichtige Mosaiken. Zuerst ist Mosaik, d. h.tnusivische Arbeit wohl mit Hilfe von Stiften und Würfeln aus buntemMarmor gemacht worden. Noch jetzt findet man dies bei Ausgrabungrömischer Villen, z. B. in Algerien aus der Zeit, da Feldherr Probus,der nachmalige Kaiser, in Numidien befahl.

Daraus entwickelte sich dann die entsprechende Arbeit mit Glas-Pasten, welche nach alten Mustern lange Zeit hindurch von derfabrica vaticana (päpstliche Anstalt) in Rom angefertigt wurden. Diealten Muster sind berühmt.

So findet sich die Hagia Sophia in Konstantinopel, die Capellapalatina in Palermo mit berühmten Mosaiken ausgestattet, die um soglänzender wirken, als sie auf Goldgrund angebracht sind. DieserGoldgrund besteht ebenfalls aus kleinen Glasstücken, die wie Gold er-scheinen, weil dünne Goldblättchen, wie die bei dem Metall erwähnten,äußerst wenig wiegenden und deshalb nicht so sehr kostbaren, zwischenGlasplatten eingeschmolzen sind.

Nach diesen Vorbildern arbeitete man immer. Es geschah aberlange Zeit hindurch ausschließlich von der erwähnten, dem Vatikanunterstellten Fabrik. Sie lieferte sowohl Kopien wie Ausschmückungenfür Kirchen usw. in Pastenarbeit; sie tut es noch jetzt.

Erst ganz neuen Datums ist das Wiederaufleben dieser Kunst fürallgemeine dekorative Zwecke. Dabei haben besonders Venetianer, inerster Linie Salviati mitgewirkt. Eine vorzügliche Probe SalviatischerKunst ist die große Rundmosaik an der Siegessäule zu Berlin, welchealle erforderlichen Farben und Nuancen nach dem A. v. Wem ersehenBilde mit richtiger Wirkung wiedergibt, besonders auch die Farben derUniformen.

Vergleicht man den dort entfalteten Reichtum der verschiedenen