Druckschrift 
Vorlesungen über chemische Technologie
Entstehung
Seite
388
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

388

Kieselsaure und Silikate.

welche durch Qoldpräparate erzeugt werden, wenn bei höherer Tem-peratur eine Reaktion eintritt, die zu vollständiger Veränderung führt.

Das im Zusammenhange der Herstellung roter Gläser vielgenannteGoldpräparat entsteht durch Einwirkung von Zinnsesquioxyd auf Gold-chlorid. Zum Beispiel erwärmt man Zinnchloridchlorammonium mitZinn, bis dieses aufgelöst ist, und fügt schwache Goldlösung zu, umGoldpurpur, Au 2 0; Sn 2 O g , auszufällen.

Das ist die Beobachtung, welche Cassius in Leyden schon 1663machte, und seitdem wird diese Fällung benutzt, um Rubinglas her-zustellen. Die Erklärung ist noch sehr neu. Das Gold, welches nachseiner chemischen Natur kein farbiges Doppelsilikat bilden kann, wirdin der Schmelze reduziert und so fein verteilt, daß es nicht in Formvon Füttern erkennbar bleibt, sondern Farbe gibt, indem eine festeLösung entsteht.

Diese Farbe ist rot oder blau, wie R. Zsigmondy gefunden hat, beiLösungen von metallischem Gold in reinem Wasser*). Man stellt dieseLösungen dar, indem man Goldchloridlösung durch Pottasche schwachalkalisch macht, zum Kochen bringt und dann durch Formaldehyd reduziert.

Die Lösungen bleiben jahrelang unverändert; man kann aber durchZusatz von Salz das Gold verdrängen, d. h. wie andere gelöste Stoffeaussalzen. Auch im Glase erhält man durch Reduktionsvorgänge Blauund Rot; benutzbar ist aber namentlich Rubinrot.

Färbungen, die in dieser Weise zu erklären sind, kommen wohlhäufiger vor. Besonders erinnert diese Färbung des Glases an das blaueSteinsalz und den ebenso blauen oder violetten Sylvin. Denn auch dabeiwar ein Mettall — Natrium oder Kalium — als solches die Erklärung fürdie eigentümliche Farbe des durchsichtig gebliebenen Minerals (vgl. S. 17).

Hiernach können Metalle oder Metallverbindungen auf dreierleiArt das Glas färben:

1. durch Vereinigung mit dem geschmolzenen Glase ohne weitereVeränderung. Dann wird das Glas undurchsichtig und bekommtdie Farbe des betreffenden Präparats;

2. durch eine Reaktion, welche farbige Polysilikate, meist durch-sichtige, bildet;

3. indem Reduktion eintritt, mit verschiedenem Erfolge.

Da nun Übergänge eintreten, je nach Temperatur und Dauer derErhitzung, so kann man jeden Farbenton und jede Schattierung imGlase hervorrufen. Es gehört aber viel Übung und genaue Kenntnisdes Wesens der Glasflüsse dazu, um gewisse Erfolge in der Schmelze

*) Annalen der Chemie Bd. 301, 30 (1898).