Druckschrift 
4 (1907) Benzolderivate und heterocyklische Verbindungen
Entstehung
Seite
197
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

^>

Benzylalkohol: Vorkommen, Isolierung und Synthese

197

zur vollen Blüte und werden auch einzeln abgepflückt. Das ätherischeOl der Tuberosenblüte wird nun in der Praxis nicht durch Wasser-dampfdestillation gewonnen, da die Blüten zu wenig davon enthalten unddas Aroma bei der Wasserdampfdestillation stark leiden würde. Mankann die riechenden Bestandteile der Tuberosenblüten durch Extraktionmit flüchtigen Lösungsmitteln gewinnen oder durch Enfleurage, indem dieTuberosenblüten in den „chassis" mit dem Pomadenfett in Berührungbleiben und an letzteres die riechenden Bestandteile abgeben. Es istselbstverständlich, daß die Blüten auf diese Weise ihr Aroma nicht voll-kommen abgeben, sondern daß Anteile desselben in den Abfallblütenzurückbleiben. Es bat sich herausgestellt, daß verschiedene Pflanzenteile,besonders Blüten, wenn sie von der Pflanze entfernt werden, eine bestimmteMenge ätherisches Ol besitzen, das man qualitativ und quantitativ unter-sucht hat; es hat sich aber ferner herausgestellt, daß nach dem Absterbender Blüte, d. h. nach der Entfernung der Blüte von der Pflanze weiteresOl in den abgepflückten Bluten gebildet wird, und daß das schon vor-handene ätherische Ol ev. geringen Veränderungen unterliegt. Wir müssenannehmen, daß derartige chemische Prozesse vielleicht durch Organismenhervorgerufen werden, vielleicht auch durch Fermente, welche imstandesind, kompliziertere Verbindungen in der abgestorbenen Blüte zu spalten,während die Spaltung im lebenden Organismus nicht vor sich geht. —Hieraus ergibt sich, daß das ätherische Öl, welches sofort nach dem Ab-pflücken der Blüten durch Extraktion mit einem indifferenten Lösungs-mittel gewonnen wird, unter Umständen ein anderes ist als jenes, welchesdurch Enfleurage hergestellt wird und aus der hierbei erhaltenen Pomadedurch Wasserdampfdestillation oder auch auf anderem Wege extrahiertwerden kann.

Zu derartigen Blüten gehören auch die Tuberosenblüten. Dieiuberosenpomade wird, wie erwähnt, durch Enfleurage gewonnen. Verley(Bl. HI, 21 [1899], 307) hatte das Tuberosenblütenöl aus der Pomadeisoliert und untersucht; V. gibt an, 10°/ 0 einer Verbindung isoliert zuhaben, die er „Tuberon" nennt und die die Eigenschaften eines Ketonshabe und C 13 H 20 O zusammengesetzt sei, also analog dem Iron. WeitereMitteilungen über die Zusammensetzung des ätherischen Öles werden nichtgemacht. Sch. u. Co. (Sch. 1903, I, 75) bringen ebenfalls Mitteilungenüber das Tuberosenöl, das sie durch Wasserdampfdestillation aus demsalbenartigen Tuberosenblütenextrakt herstellen. Dieses Öl, das aus 100 gExtrakt zu 5 g gewonnen wurde, besitzt blaue Fluoreszenz, die wahr-scheinlich von Anthranilsäuremethylester herrührt. Das Öl siedete bei5 mm Druck zwischen l.iO und 140°. Tuberon konnte nicht nachgewiesenwerden. Bei der Oxydation mit verd. Kaliumpermanganatlösung blieb einOl übrig, das sich als Benzoesäuremethylester herausstellte.

Hesse (B. 36 [1903], 1459) bringt „Über das ätherische Tuberosen-blütenöl und seine Entwicklung bei der Enfleurage" wichtige Mitteilungen.H. zeigte, daß 1. bei der Destillation frischer Tuberosenblüten ein widerlichriechendes Destillationsprodukt entstand, so daß tiefgehende Zersetzungen