Druckschrift 
1 (1906) Allgemeiner Teil; Methanderivate
Entstehung
Seite
172
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

172 Anlagerungen von organischen Verbindungen an Ketone und Aldehyde

CH3COO-CH CHj

| + CH3COOHUH. CH Q

Isopulegolacetat.

Wir haben demnach einen ähnlichen Ringschluß wie bei der Bildungdes Isoxazolidins aus dem Citronellaloxim.

Liegen ungesättigte oder bicyklische Ketone wie Tanaceton usw. vor,so können Sprengungen des einen Ringes sowie Verschiebungen derdoppelten Bindung unter intermediärer Bildung von Ketoestern statthaben.

Ester, Phenole usw. vereinigen sich mit Aldehyden oder Ketonen zuwohl charakterisierten Verbindungen, wie z. B. Kampfer, Fenchon usw.

Von den stickstoffhaltigen Derivate organischer Verbindungen istzunächst die Blausäure ein wichtiges Reagens auf Aldehyde undKetone. In derselben Weise, wie sich Bisulfit und Ammoniak in ihreElemente zerlegen lassen, wird Blausäure in CNundH gespalten, indem sichH an das 0 anlagert und die dadurch freiwerdende Valenz des Kohlenstoff-atoms sich mit CN verbindet, so daß die sogenannten Cyanhydrine ent-stehen. Benzaldehyd reagiert nach folgender Gleichung: C 6 H 5 C<tt + CNH

OTT= CgHjCIKp^ . Diese Cyanhydrine scheiden sich in den meisten Fällen

als wohlcharakterisierte Verbindungen aus indifferenten Lösungsmitteln ab.Seit langer Zeit besitzen wir in der Blausäure demnach ein Mittel, umKetone und Aldehyde von anderen Bestandteilen der ätherischen Ölezu trennen, ein Mittel, welches in seiner Anwendung um so mehr zuempfehlen ist, als die Blausäure im allgemeinen eine zu schwache Säureist, um Invertierungen hervorzurufen. Allerdings ist es nicht leicht ausdiesen Cyanhydrinen die Aldehyde oder Ketone zurückzugewinnen. Überdie sonstigen Eigenschaften dieser Cyanhydrine ist zu erwähnen,daß man von ihnen aus durch Verseifung sehr leicht «-Oxysäuren ge-winnen kann.

Cyansäure oder ihre Ester, ebenso Isocyansäure mit ihren Estern ver-kuppeln sich nicht mit Aldehyden oder Ketonen. — Wichtig ist die Ein-wirkung von Cyanessigsäure auf gewisse Aldehyde; so z. B. konnte ausCyanessigsäure und Citral (vgl. dasselbe) ein gut kristallisiertes Derivat er-halten werden.

Von sonstigen stickstoffhaltigen organischen Verbindungen müssenhier zunächst die Einwirkungsprodukte der Basen in Betracht gezogenwerden. Während Ammoniak selbst mit der Aldehyd- und Ketogruppe