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E. v. Behring's Gesammelte Abhandlungen
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III. Geschichtliches und Allgemeines zur Krankheitsentstehung usw.

Ausdruck in erhöhter Tätigkeit des Herzens, der Lungen und an-derer Organe, im Fieber und in dem Versuch, die materia peccansdurch die natürlichen Ausscheidungswege, namentlich durch dieNieren, die Schweißdrüsen und den Darm, wegzuschaffen. DerHöhepunkt dieser ausscheidenden Tätigkeit, die Krisis, ist auchder Höhepunkt der Krankheit, welche als ein Kampf (naturaeconamen) mit den säfteverderbenden schädlichen Kräften aufzu-fassen ist. Dem Arzte fällt hierbei die wichtige Aufgabe zu,namentlich in akuten Krankheiten mit typischem Verlauf alleäußeren Schädlichkeiten vom Patienten fernzvdialten und dabei ganzbesonders auf die kritischen Tage zu achten. Fieber, Puls-beschleunigung, angestrengte Atmung, Schweißabsonderung, Diar-rhöe und andere Krankheitserscheinungen sind für H i p p o k r a t e snichts anderes als Kampfmittel der vis medicatrix naturae.

Zu den Physiatern können sich ebensogut die starren therapeu-tischen Nihilisten rechnen, welche als bloße Zuschauer exspektativam Krankenbett stehen, wie Skeptiker, Eklektiker und therapeu-tische Optimisten, wenn sie nur in dem einen Punkt einig sind, daßschließlich immer eine besondere Naturheilkraft es ist, welche denKrankheitsprozeß zum guten Ende führt.

Der Satz „Natura sanat" ist aber nur der eine und negative Teildes ärztlichen Programms der Physiatrie. „Medicus curat" ist derandere und positive Teil. Die Krankenpflege, die Ernährungsthe-rapie, die klimatische Therapie, die Balneo- und Hydrotherapieund die sonstigen Abarten der nicht medikamentösen Behand-lung, alles das gehört zur Hi ppokr atisehen und physiatri-schen Heilmethode. Der Arzt sorgt dabei mit diätetisch-hygieni-schen Maßregeln dafür, daß der Naturheilkraft ihre Arbeit erleich-tert wird durch Fernhaltung aller Einflüsse, welche zu den be-stehenden Schädlichkeiten neue hinzufügen. Auch die suggestiveTherapie (Hypnose, Tempelschlaf) spielt eine nicht unwesent-liche Kolle in der Heilkunst des Hippokrates.

Zur physiatrischen Heilmethode gehört dann weiterhin die ope-rative, orthopädische und anderweitig mechanische Behandlung inden Fällen, wo es gilt, Fremdkörper, abgestorbene und kranke Teilezu entfernen und solche grobe Hindernisse für den günstigen Ablaufdes Naturheilprozesses zu beseitigen, mit denen der lebende Orga-nismus allein gar nicht, oder nur sehr schwer fertig werden kann.

Was endlich die medikamentöse Therapie betrifft, so lehrteHippokrates, daß der Arzt berufen und verpflichtet ist, derNaturheilkraft nicht bloß nachzuhelfen, sondern unter Umständensogar ihr entgegenzuwirken. Die Hauptaufgabe des Arztes, beiseiner kurativen Tätigkeit, ist zunächst allerdings die sorgfältigeBeobachtung des Kranken; namentlich im Beginn einer Krankheitsoll er sich ja hüten, störend und in schädlicher Weise einzugreifen.