Vorwort
zu
„Meine Blutuntersuchungen" x ).
Im Laufe der Jahre, besonders aber seit 1910, hat sich in meinemMarburger Institut für experimentelle Therapie das Bedürfnis gel-tend gemacht, die für meine Antikörperstudien erforderlichen Blut-nntersuchungen methodisch festzulegen und eine Gebrauchsanwei-sung für meine neu hinzutretenden Mitarbeiter anzufertigen. Die-ses Bedürfnis wurde um so dringlicher, je mehr die Arbeiten imInteresse meiner Antitoxinmethode zur Blutmenge-bestimmung und meiner Methode zur Reinigung desDiphtherieheilserums und des Te t anusheilser um szu Ergebnissen führten, welche für die menschen-ärztlicbe Praxisvon Wichtigkeit zu werden versprachen. Im Einvernehmen mitProfessor Zangemeister wurden zunächst in der Marburgergynäkologischen Klinik Blutmengebestimmungen von Dr. Zeiss-ler und Dr. Fries ausgeführt, deren Zahl allmählich auf 50 an-wuchs. Dann hat Professor Matthes seinem Assistenten Dr.Hürter gestattet, an Patienten der hiesigen medizinischen Klinikverschiedenartige Blutuntersuchungen in Gemeinschaft mit Dr.Zeissler vorzunehmen. Wir kamen dabei zu der Überzeugung,daß an der Hiand der inzwischen von mir ausgearbeiteten Unter-suchungs-Schemata die zuerst in meinem Institut vorgenommenenBlutprüf ungen auch in der Klinik sich durchführen lassen würden.Als ich aber den Versuch unternahm, außerhalb von Marburg(z. B. im Hamburg-Eppendorfer Krankenhaus) meine Methode kli-nisch verwerten zu lassen, da zeigte sich, daß die einwandsfreieWertbestimmung von Antitoxinpräparaten, die Giftprüfung und diegenaue Feststellung des anatoxischen Wertes meiner Anti-toxinlösungen bei anaphylaktisierten Meerschweinchen eine strengeSchulung derjenigen Herren fordert, die in der Klinik das leistensollen, was bisher in meinem Institut unter ständiger Kontrolle ge-arbeitet worden war.
So kam es, das Prof. Brauer vorschlug, einen seiner Assisten-ten in Marburg vorerst methodisch sich einüben zu lassen, ehe wir
*) Aus v. Behrings Beiträgen zur exp. Therapie. Heft 12 (1911). (Verlag▼on Aug. Hirschwald, Berlin.)