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Einleitung
Sachen fest und lehrt die Umstände, unter denen sie in Erscheinungtreten. Das Wesen der Tatsache beruht aber darauf, daß sie nichtnur einmal oder zufällig sich einstellte, sondern daß sie sich immerwieder und unter allen Umständen, an jedem Punkte der Erdewiederholt, wenn die Voraussetzungen die gleichen sind. DieWissenschaft lehrte mithin, daß gewisse Voraussetzungen nötigsind, um eine bestimmte Erscheinung beliebig oft hervorzurufen,wir wissen mithin schon im voraus, was sich in Zukunft ereignenwird, wenn wir gewisse Vorbedingungen herstellen — und habensomit gelernt, auf Grund der Erfahrung in die Zukunft zu sehenund ferner, viele Vorgänge so zu leiten, daß sie sich in einer fürunsere Zwecke erwünschten Form abspielen.
Diese Zweckmäßigkeit ist aber der Grundzug aller Verfahren,die für chemisch-technische Umformungen angewendet werden.Es handelt sich um die Nutzung der Rohstoffe und Rohenergienund um ihre Umformung in Stoffe," die zur Befriedigung desBedarfes der Menschen tauglich sind. Die Wissenschaft lehrtedie qualitative und quantitative Seite dieser Vorgänge, die ange-wandte oder technische Chemie hat die Aufgabe, die im Labo-ratorium des Forscher gefundenen Tatsachen in die Praxis um-zusetzen, wobei sie ihr Augenmerk auch auf die Vereinfachungund Verbesserung der Operationen, z. B. durch Ersparnisse anBrennmaterial und Zeit, bessere Ausbeuten usf. zu richten hat.
Die wissenschaftliche und die angewandte Chemie sind daherGeschwister, die dasselbe wollen und nur zum Zwecke der besserenAusnutzung der vorhandenen Energien sich in das Arbeitsgebietteilten. Was die wissenschaftliche Chemie findet, stellt sie derangewandten zur Verfügung, und diese stellt ihre Schwesterwieder vor neue Aufgaben und Probleme. Die wissenschaft-liche Chemie geht aber noch einen Schritt weiter. In ihrenBestrebungen um richtiges Natur-Erforschen und -Erkennenist es ihr gelungen, aus den vorhandenen Rohstoffen zahl-reiche neue Körper aufzubauen, die teils bisher nur in derbelebten Natur gebildet werden, teils überhaupt nur in derRetorte sich darstellen lassen. Das Alizarin, der wirksameBestandteil des Krappfarbstoffes, und der Indigo werden heuteauf künstlichem Wege direkt aus den Rohstoffen, ohne Ver-mittelung der Pflanze erzeugt, und die Zahl neuer Verbindungen,mit denen^uns besonders die organische Chemie beschenkte, diewir besser als „Chemie der Kohlenstoffverbindungen" bezeichnen,ist Legion. Unter diesen neuen Verbinden sind viele, die sich durch