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Organische Chemie.
Da gewisse Eiweißstoffe u. manche andere Verb, ähnlicheFarbenreaktionen wie die Alkaloide geben, so können dieseReaktionen auch mit unvollkommen gereinigten Ptomainen ent-stehen, weshalb man früher annahm, daß den Ptomainen alleEeaktionen der Alkaloide zukämen u. ihnen daher die irreführendeBezeichnung „Leichenalkaloide" gab.
Die Ptomaine sind ihrer Konst. nach Amine, Diamine, Am-moniumbasen, Gruanidin- u. Pyridinderivate, zum Teil aber auchunbekannter Konst.; einige sind flüss. u. flüchtig, andere nichtflüchtig, flüssig oder kristallisierbar.
Hierher gehören Neurin u. Muskarin (s. Ammoniumbasen)Putrescin, Neuridin, Kadaverin, Saprin (s. Diamine),Methylguanidin u. Betain (s. diese), ferner Mydatoxin,C 6 H 13 N0 2 , Mydin, C 8 H n NO, alle aus gefaultem Fleisch dargestellt,Gadinin, C 7 H 18 N0 2 , aus gefaulten Fischen, Mytilotoxin,C 6 H 15 N0 2 , aus giftigen Miesmuscheln, Wurst- u. Käsegift usw.,Anthrazin aus Milzbrandbazillen, Tetanin, C la Hij 0 N 2 O 4 , u.Tetanotoxin, CsHnN, aus Bacillus Tetani, Typhotoxin,C 7 H 17 N0 2 , aus Typhusbazillen; auch Samandarin, C. 28 H 40 N,O,das Gift des Salamanders, Pyozyanin, C ia H 20 N 2 O 4 , die Ursacheder Blaufärbung des faulen Eiters sind Ptomaine.
Den Ptomainen ehem. ähnliche bas. Stoffe, welche regelmäßigals Zersetzungsprodukte der Eiweißstoffe im lebenden Organismusentstehen, nennt man zum Unterschiede von den durch Mikro-organismen erzeugten Ptomainen Leukomaine.
Verwesung nennt man eine unter reichlichem Luftzutritt er-folgende Zersetzung org., stickstoffhaltiger Verb., bzw. der bei derFäulnis entstandenen Zwischenprodukte in C0 2 , H s O, NH S , event.in Nitrate u. Sulfate; dieselbe ist also ein Oxydationsprozeß;während bei Fäulnis wegen Mangel an 0 stets kohlenstoffreicheMassen zurückbleiben, endigt die Verwesung allerdings oft erstnach langer Zeit mit dem völligen Verschwinden der org. Substanz.Verwesung u. Fäulnis treten meistens nebeneinander auf.
Vermoderung nennt man die bei geringem Luftzutritt, alsosehr langsam, erfolgende Zersetzung der bei der Fäulnis entstan-denen Zwischenprodukte, wobei oft Sumpfgas auftritt.
Humussubstanzen nennt man die braunen oder schwarzen,unkristallisierbaren Stoffe, welche bei der Vermoderung u. Ver-wesung vor den Endprodukten H 2 0, C0 2 , NH 3 auftreten, sowiebei der Einwirk, starker Säuren oder Basen auf Kohlenhydrate(Zucker, Stärkemehl usw.). Sie sind geruch- u. geschmacklos, ausder Luft begierig W. u. NH 8 , sowie aus Salzlös. die betr. Salzeabsorbierend, u. daher wichtige Nährmittel für die Pflanzen bildend.
Viele Humussubstanzen scheinen ehem. den Kohlen-hydraten nahe zu stehen.
Sie finden sich in der Ackererde, Braunkohle, im Torfe, faulenHolze, in vielen Quellw. u. deren gelbbraunem Bodensatze usw.;sie sind zum Teil stickstoffhaltig, indifferente Verb, oder schwacheSäuren; letztere können leicht den vorerwähnten Stoffen durch verd.Ätzkalilös. entzogen u. aus den so erhaltenen, braunen Lös. zum