Beziehungen zwischen ehem. u. strahl. Energie. 111
schleunigung der Geschwindigkeit einer auch ohne Lichtzu-tritt möglichen ehem. Eeaktion.
Photochem. Vorgänge, die bis zu einem bestimmten Gleichgew.verlaufen u. also umkehrbar wären (S. 93), d. h. solche, wo dieim Lichte entstehenden Verb, im Dunkeln wieder in die Ausgangs-produkte verwandelt werden, sind nur vereinzelt bekannt; z. B.geht Selen beim Belichten in eine die Elekt. besser leitende Modif.über, welche bei Lichtabnahme sich wieder in die schlechterleitende Modif. zurückverwandelt. Photochem. Vorgänge sind exo-thermisch oder endothermisch; bei ersteren scheint (da keine Energieverbraucht, sondern sogar Wärme frei wird) Licht die ehem. Vor-gänge als Katalysator nur einzuleiten u. zu beschleunigen.
Anderseits können versch. ehem. Verb., z. B. Nitrite u. Sulfiteals Katalysatoren (ehem. Sensibilisatoren) photochem. Vorgängebeschleunigen; auch H + Cl verbinden sich nur im Lichte, wennWasserdampf als Katalysator zugegen ist.
Dem Wesen nach sind die durch strahlende Energie be-wirkten ehem. Vorgänge sehr mannigfaltig; teils erfolgenisomere Umlagerungen (Maleinsäure wird Fumarsäure, Allo-zimtsäure wird Zimtsäure, gelber Phosphor geht in die roteModif. über, gelbes Merkurijodid in die rote, monoklinerSchwefel in die amorphe, gelbes Arsen oder Antimon in dieschwarze Modif. usw.), teils finden ehem. Vereinigungen statt(z. B. von H + Cl zu HCl), oder es erfolgen ehem. Zer-setzungen, z. B. des Phosphorwasserstoffs unter Abscheidungvon Phosphor, die Bildung von leiehtreduzierbaren Verb,aus den Silberhaloiden (Anw. in der Photographie, s. unten,u. Aktinometrie); ferner können Oxydationen oder Reduk-tionen eintreten, z. B. das Ausbleichen vieler natürlicher u.künstlicher Farbstoffe, sowie das Dunklerfärben mancherStoffe (z.B. der menschlichen Haut, des ligninhaltigen Papiers).
Die Photographie beruht darauf, daß man mit einer kolloi-den Lös. von Bromsilber, AgBr, überzogene Glasplatten demLichte aussetzt, worauf an den belichteten Stellen Silbersubbromid,Ag 2 Br, entsteht, welches durch gewisse, meist org. Beduktions-mittel (die Entwickler) leichter zu Silber reduziert wird, wie un-verändertes Bromsilber; infolgedessen entsteht auf der Platte durchden Entwickler das Bild. Nach dem Entwickeln wird das Bildhaltbar gemacht (fixiert), indem man es in eine Lös. von Natrium-thiosulfat taucht, welche den nicht zersetzten Teil des noch licht-empfindlichen Bromsilbers löst. Jodsilber kann zu photogr. Plattennur feucht u. silbernitrathaltig verwendet werden, Chlorsilberdient, zu Kopierpapieren; beide sind weniger lichtempfindlich.
Ein wichtiger photochem. Vorgang ist die durch diestrahlende Energie der Sonne bewirkte Assimilation in den