Radioaktive Substanzen.
1025
sehen Röhren entsprechen. Man fasst diese Strahlen als abgeschleuderte Stoff-teilchen auf.
Auf die Ausstrahlung von Kathoden- und Röntgenstrahlen lassen sich diemeisten an den Radiumpräparaten beobachteten Erscheinungen zurückführen:Alle Radiumverbindungen sind selbstleuchtend; sie bringen Bariumplatin-cyanürschirme zum Aufleuchten und schwärzen die photographische Platte.Sie wirken ferner sehr energisch auf die Haut ein, derart, dass sie gleichsamBrandwunden erzeugen; diese Eigenschaft macht die Radiumsalze einerseitszu gefährlichen Giften, während sie anderseits zu einer ausgedehnten medi-zinischen Verwendung dieser Salze geführt hat. Ferner ist die ganz unerklär-liche Tatsache zu nennen, dass die Radiumsalze unaufhörlich Energie in Formvon Wärme ausstrahlen.
Das Radium hat die Fähigkeit, seine Aktivität auf andere Körper zuübertragen, eine Erscheinung, die man, wie schon oben gesagt ist, als in-duzierte Aktivität bezeichnet. Man betrachtet deshalb jetzt deneigentlichen Träger der Aktivität als ein Gas, welches man nach RutherfordsVorschlag Emanation oder Niton nennt. Von grösstem Interesse ist dievonW. Ramsay und F. Soddy entdeckte, durch sorgfältigste Versuche bewieseneTatsache, dass in der Emanation Helium auftritt, mit andern Worten, dassHelium aus Radium entsteht. Diese eigenartige Tatsache, wie überhaupt sämt-liche Erscheinungen der Radioaktivität deuten auf eine fortschreitende Um-wandlung der radioaktiven Stoffe, deren Atome unstabile Gruppierungen vonTeilchen eines Urstoffes darstellen und unter Aussendung von Strahlenexplosionsartig, und zwar meist durch aktive Zwischenprodukte hindurch,in stabile (nicht aktive) Endprodukte übergehen. Ein solches Zwischen-produkt ist nun auch das Helium.
Wird die -Zeit, während der die Radioaktivität auf die Hälfte sinkt,Periode genannt, so lassen sich folgende Umwandlungserscheinungennachweisen:
Uran (Periode 3,4. 10° Jahre) geht unter Verlust von a-Teilchen überin UranX (Periode 22 Jahre), das unter Aussendung von ß- und y-Strahlen in-aktiv wird.
Thorium (Periode 1,3. 10 10 Jahre) geht unter Verlust von «-Teilchenüber in Radiothor (Periode unbekannt), dieses ebenso in ThorX (Periode3,65 Tage), dieses sodann in Emanation (Periode 54 Sekunden), diese in denaktiven Niederschlag Thor A (Periode 11 Stunden), der unter Aussendung von/^-Strahlen übergeht in Thor B (Periode 55 Minuten), das sich unter Aus-sendung von «-Strahlen in Thor C (Periode unbekannt) verwandelt, von demalle drei Strahlenarten ausgehen.
Aktinium (Periode unbekannt) geht über in Radioaktinium (Periode'9,5 Tage), dieses unter Verlust von «-Teilchen in Aktinium X (Periode10 Tage), dieses ebenso in Emanation (Periode 4 Sekunden), diese ebenso inden aktiven Niederschlag Aktinium A (Periode 36 Minuten), der sich ohneAussendung von Strahlen in Aktinium B (Periode 2 Minuten) verwandelt, vondem alle drei Strahlenarten ausgehen.
Radium (Periode 1300 Jahre) geht unter Abgabe von a-Teilchen überin Emanation (Periode 3,8 Tage), diese ebenso in den aktiven NiederschlagRadium A (Periode 3 Minuten), dieser ebenso in Radium B (Periode26 Minuten) das sich unter Aussendung von ß-Strahlen in Radium C (Periode19 Minuten) umwandelt, von dem alle drei Strahlenarten ausgehen. Ausdiesem entsteht Radium D (Periode 40 Jahre), aus dem ohne StrahlenbildungRadium E (Periode 6 Tage) hervorgeht, das sich unter Abgabe von ^-Strahlen'n Radium F (Periode 143 Tage) umsetzt. Von diesem gehen a-Strahlen aus.Zum Teil können diese verschiedenen Produkte auf elektrolytischem Wegevoneinander getrennt werden.
Die Zahl der pro Sekunde zerfallenden Radiumatome betragt 3,4. 10 10 ,das Volumen der Emanation pro Gramm Radium 0,585 emm, die Menge desHeliums pro Jahr und Gramm Radium 158 emm, die Lebensdauer des Radiums1760 Jahre.
Blücher IX. 65