Druckschrift 
Auskunftsbuch für die chemische Industrie
Entstehung
Seite
1024
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1024

Radioaktive Substanzen.

In ihrem BucheUntersuchungen über die radioaktiven Substanzen",deutsch von W. Kaufmann (Braunschweig 1904, Vieweg & Sohn) gibt FrauCurie folgende Vorschrift zur Gewinnung von Radium aus der JoachimsthalerPechblende:

Das zerkleinerte Mineral wird im Bergwerk mit Na 2 C0 3 geröstet, dasRöstprodukt mit warmem H 2 0 und darauf mit verdünnter H 2 SO« ausgezogen.Die Lösung enthält das Uran, der Rückstand die radioaktiven Substanzen. Erbesitzt eine 4,5 mal grössere Radioaktivität als metallisches Uran und enthälthauptsächlich die Sulfate von Blei und Calcium, ferner Silizium, Aluminiumund Eisenoxyd. Ausserdem finden sich in mehr oder weniger grosser Mengebeinahe alle Metalle (Kupfer, Wismut, Zink, Kobalt, Mangan, Nickel, Vana-dium, Antimon, Thallium, die seltenen Erden, Niobium, Tantal, Arsen, Bariumu. s. w.) darin vor. Das Radium befindet sich in dieser Mischung von Sul-faten als das am wenigsten lösliche. Um es aufzulösen, muss die H 2 SO« soweit als möglich beseitigt werden. Dazu beginnt man die Behandlung desRückstandes mit einer konz. kochenden Natronlauge. Die mit dem Blei, Alu-minium und Calcium verbundene H5SO4 geht grösstenteils als Na 2 SCu inLösung, das durch Auswaschen mit H 2 0 beseitigt wird. Durch das Alkalientfernt man gleichzeitig das Pb, Si und AI. Der unlösliche Teil wird dannmit H 2 0 gewaschen und nun mit HCl behandelt, wobei die Substanz auf-geschlossen wird und zum grössten Teil in Lösung geht. Aus dieser Lösungkann man das Polonium und Aktinium ausscheiden: Ersteres wirddurch H 2 S niedergeschlagen, letzteres findet sich in den Hydraten, die durchNH 3 aus der Lösung niedergeschlagen werden, nachdem diese von den Sul-faten getrennt und oxydiert ist. Das Radium bleibt in dem unlöslichen Teil;dieser wird mit H 2 0 gewaschen und dann mit kochender konz. Na 2 C0 3 -Lösungbehandelt. Wenn nur wenige nicht angegriffene Sulfate zurückgebliebensind, so bewirkt diese Operation eine vollkommene Verwandlung der Baryum-sulfate in Karbonate. Man wäscht darauf die Substanz sehr gründlich mit H 2 0und behandelt sie weiter mit reiner (von H0SO4 freier) HCl. Die Lösung, diedas Radium wie auch das Polonium und Aktinium enthält, wird filtriert undmit H 2 SÜ4 niedergeschlagen. Man erhält so rohe Sulfate von radiumhaltigemBa, die auch Ca, Pb und Fe enthalten und ein wenig Aktinium und Polonium,welche in derselben Weise getrennt werden können wie von der ersten salz-sauren Lösung. Aus 1 t Rückstand erhält man so 1020 kg rohe Sulfate,deren Aktivität 3060 mal grösser ist als die des metallischen Urans. Manschreitet nunmehr zur Reinigung der Sulfate: Dazu kocht man sie in Na 2 C0 3 -Lösung und verwandelt die erhaltenen Karbonate in Chloride. Die Lösungwird mit H 2 S behandelt, woraus eine kleine Menge aktiver Sulfide resultiert,die Polonium enthalten. Man filtriert die Lösung, oxydiert sie mit Cl undschlägt sie mit NH 3 nieder. Die niedergeschlagenen Oxyde und Hydrate sindstark aktiv, und zwar rührt die Aktivität vom Aktinium her. Die filtrierteLösung wird mit Na 2 C0 3 niedergeschlagen; die gefällten Erdalkalikarbonatewerden gewaschen und in Chloride verwandelt. Diese Chloride dampft manzur Trockne und wäscht mit konz. HCl, wobei sich das CaCl 2 beinahe voll-ständig löst, während das radiumhaltige BaCl 2 unlöslich bleibt. Man erhältso von 1 t Ausgangssubstanz ungefähr 8 kg radiumhaltiges BaCl 2 , dessenAktivität ungefähr 60 mal grösser ist als die des metallischen Urans. Dieweitere Trennung des Bariumchlorids und Radiumchlorids geschieht durchfraktionierte Kristallisation; das BaCl 2 ist in H 2 0 leichter löslich als dasRaCk

Die von den radioaktiven Substanzen ausgehenden Strahlen bezeichneteman anfangs allgemein als Radiumstrahlen oder als Becquerel-strahlen, nach H. Becquerel, der die ersten Mitteilungen darüber ver-öfrentlichte. Jetzt teilt man die Radiumstrahlen in drei Strahlengattungen, vondenen die a- und ß-Strahlen magnetisch und elektrisch ablenkbar sind, wäh-rend die y-Strahlen nicht abgelenkt werden. Letztere gleichen in ihren Wir-kungen durchaus den Röntgenstrahlen, während die positiv ge-ladenen oc-Strahlen den sogenannten Kanalstrahlen der CrookesschenRöhren, die negativ geladenen jS-Strahlen den Kathodenstrahlen der Crookes-