Radioaktive Substanzen.
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Radioaktive Substanzen. Mit diesem Namen belegt man eine Reihe
von Stoffen, welche die Eigenschaft haben, dunkle, den Kathoden- und Rönt-genstrahlen ähnliche Strahlen auszusenden. Man unterscheidet dabei eineselbständige und eine induzierte Radioaktivität; letztere kommteinerseits neben der ersteren in der Natur vor, während sie anderseits durchKontakt oder durch elektrische Einflüsse künstlich erzeugt werden kann.
Zuerst fand man die Eigenschaft der Radioaktivität am Uran, dochHessen verschiedene Tatsachen darauf schliessen, dass die Strahlen nicht vomUran selbst, sondern von unbekannten Beimengungen desselben herrühren.Man bezeichnete das radioaktive Agens als R a d i u m und erhielt es als R a -dium-Barium, wenn man aus Pechblende und den Rückständen der in-dustriellen Urandarstellung das Barium abschied. Die verschiedenen Radium-Bariumsalze besitzen zuerst (nach der Kristallisation bzw. Fällung) nur ge-ringe Aktivität; diese steigt aber im Laufe einiger Wochen bis zu einemMaximum, um dann konstant zu bleiben. Abgesehen von den aktiven Eigen-schaften entsprechen die Radium-Bariumsalze in physikalischer und chemi-scher Hinsicht vollständig den einfachen Bariumsalzen. Auch R a d i o b 1 e iist dargestellt worden, und zwar so, dass man aus Uranpecherz, Uranglimmerund andern Uranmineralien das Blei nach den gewöhnlichen analytischen Me-thoden abschied; auch die Radiobleisalze entsprechen im übrigen ganz deneinfachen Bleisalzen.
Das Element Radium (Ra) hat das A. 0. 225 und ist dem Baryumähnlich; es färbt die Flamme rot, und seine Salze sind durch ein besonderesSpektrum und durch Phosphoreszenz ausgezeichnet. Sehr merkwürdig ist dieGasentwickelung durch feste und gelöste Radiumsalze (vgl. darüber Ber. d.deutsch, ehem. Ges. 35, 3608 und Chem. Ztschr. II, 396).
Aus der Pechblende wurde dann von den Entdeckern des Radiums P.und S k. Curie ein sehr stark aktives Wismut dargestellt; sie schriebendie Aktivität einem dem Wismut beigemengten neuen Element P o 1 o n i u m zu.Die Gewinnung des Polonium-Wismuts erfolgt nach der gewöhnlichenanalytischen Methode. Der Elementcharakter des Poloniums hat sich übrigensnicht bestätigt. Nach Versuchen von Marckwald lässt sich aus einerLösung von aktivem Wismutchlorid durcli ein blankes Wismutstäbchen dieradioaktive Substanz auf diesem als Überzug abscheiden.
Endlich ist zu erwähnen, dass das aus uranhaltigen Thorerzen abge-schiedene Thorium ebenfalls radioaktive Eigenschaften besitzt; man hatdie letzteren auf ein Element Aktinium zurückführen wollen und das ak-tive Thorium als Thorium-Aktinium bezeichnet. Auch radioak-tiv e s T e 1 I u r ist entdeckt worden.
Nach E. D u b o i s ist die Radioaktivität der bekannteren radioaktivenMineralien die folgende, wobei die Radioaktivität des Urans als Einheit an-genommen ist:
Pechblende von Johanngeorgenstadt .... 3,6
,, „ loachimsthal....... 3
Verschiedene Thbrite.......... 0,04—0,6
Orangit............... 0,9
Carnotit............... 2,7
Autunit............... L2
Chalcolit .............. 2,3
Cleveit............... 0,6
Monazit............... 0,2
Fergusonit.............. 0,04—0,2
Samarskit.............. 0,5
Niobit ............... 0 04—0,12
Tantalit............... 0,01