Druckschrift 
Auskunftsbuch für die chemische Industrie
Entstehung
Seite
926
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

}

926

Paraffin.

Das gewöhnlich als „Paraffinöl" bezeichnete flüssige Paraffin(Paraffinum liquidum) ist eine ölige, farblose Flüssigkeit ohne Geruch undGeschmack; sp. G. 0,880—0,895, S. P. über 360°. Das aus dem Erdöl beider fraktionierten Destillation gewonnene Paraffinöl hat ein sp. G. von 0,87bis 0,925; durch Behandlung mit überhitztem Wasserdampf wird seine Zäh-flüssigkeit erhöht, wodurch es als Schmieröl wertvoller wird.

Prüfung-: Rohparaffinmasse kühlt man auf 2—3° C. ab, presst zwischen Filtrier-papier oder Leinwand und bestimmt den Seh. P. des abgepressten und gewogenen Paraffins. Zurgenauen Paraffinbestimmung empfiehlt sieh die Methode von Holde: Man löst 0,5—1 g Substanzim 20—25 mm weiten Reagensglas in Äther unter Vermeidung eines Ätherüberschusses. Nun fügtman unter beständiger Abkühlung bis auf — 20 bis — 21" O. absol. Alkohol in der gleichenMenge, wie Äther verwendet wurde, zu. Ist die ausgefällte Paraffinmasse zu breiig, so setztman noch etwas Mischung aus gleichen Teilen absol. Alkohol und Äther zu und filtriert danndie Paraffinflocken von der Lösung bei einer Temperatur von — 20° C. ab. Zu diesem Zweckbefestigt man den Filtriertrichter mittels Korks in einer umgekehrten tubulierten Glasglocke undfüllt die letztere mit einem Gemisch von Viehsalz und Eis, so dass der Trichter also von aussengekühlt wird; die Filtration geschieht unter Absaugen. Man wäscht mit entsprechend starkgekühltem Alkohol-Äther nach und spült das Paraffin dann mit heissem Benzin in eine tarierteGlasschale. Das Benzin wird zuerst auf schwach geheiztem, dann auf stark kochendem Wasserbadeabgedampft, worauf mau die Schale aussen sorgfältig abtrocknet, den Ruckstand im Trocken-schrank V 4 Stunde bei 105° hält und nach Abkühlung im Exsikkator wägt, übrigens muss manim Filtrat der ersten Fällung nach Abdampfen des Lösungsmittels stets nochmals den Paraffin-gehalt ermitteln, und endlich ist zu dem gefundenen Gesamtprozentgehalt an Paraffin in Rück-sich auf die Löslichkeit des Paraffins in Alkohol-Äther noch weiter 1 °/„ zu addieren.

Für AV eich paraffinschuppen ist das Holde sehe Verfahren nicht brauchbar;man untersucht dann nach der Methode von Eisenloh r: 0,5 g Substanz werden in 100 cemabsol. Alkohol gelöst, 25 ecm Wasser zugegeben und die Masse auf — IS bis — 20° abgekühlt.Dann filtriert man das Paraffin in derselben Weise wie bei Holde unter starker Abkühlungmit der Saugpumpe ab und wäscht es solange mit auf — 18° abgekühltem Alkohol von 80° Tr.aus, bis sich das Filtrat auf Wasserzusatz nicht mehr trübt. Man trocknet das Paraffin imVakuumexsikkator bei 35—40°, und zwar sind bis zur Erreichung der Gewichtskonstanz etwa6—8 Stunden nötig.

Ferner ist in den Paraffinmassen noch der Gehalt an Wasser und mechanischenVerunreinigungen festzustellen. Für die wichtige Schmelzpunktbestim-mung benutzt man gewöhnlich folgendes, vom „Verein für Mineralöl-Industrie" in Halle a. S.vereinbarte Verfahren (Hallenser Methode):

Ein kleines, mit Wasser gefülltes Becherglas von ungefähr 7 cm Höhe und 4 cm Durchmesserwird bis ungefähr 70° C. erwärmt und auf das erwärmte Wasser ein kleines Stückchen des zuuntersuchenden Paraffins geworfen, so gross, dass es nach dem Zusammenschmelzen ein rundesAuge von etwa 6 mm Durchmeser bildet. Sobald dies flüssig, wird in das Wasser ein CelsiusschesThermometer (zu beziehen von Ferd. Dehne oder von Jul. Herrn. Schmidt inHalle a. S.) von der durch den „Verein für Mineralöl-Industrie" festgestellten Einrichtung sotief eingetaucht, dass das längliehe Quecksilbergefäss des Thermometers ganz von Wasser bedecktwird. In dem Augenblicke, wo sich auf dem Paraffinauge ein Häutchen bildet, wird der Erst. P.an der Skala des Thermometers abgelesen. Während dieser Operation muss das Beeherglas durcheine Umgebung von Glastafeln sorgfältig vor Zugluft geschützt werden und darf der Hauch desMundes beim Beobachten der Skala das Paraffinauge nicht treffen. — übrigens lässt sich derSeh. P. des Paraffins auch sehr gut nach der allgemein üblichen Methode in Glaskapillarenbestimmen.

Nach G r a e f e soll man, um geringe Mengen Ceresin im Paraffin nachzuweisen, von demfraglichen Gemisch 1 g in 10 cem Schwefelkohlenstoff lösen und 1 cem der Lösung mit 10 cemÄther-Alkohol (1 : 1) bei 20° versetzen. Bleibt eine etwaige Abscheidung auch nach dem Er-wärmen und Wiedererkalten flockig, so ist Ceresin vorhanden.

Die Paraffinpreise sind z. Z. ungefähr:

Paraffin in Schuppen, gelb................. °/o kg Mk. 48,00

„ „ „ weiss Ia............... °/o „ „ 52,00

weiss Ia (Seh. P. 38-40° C.) ............ % „ „ 64,00

„ „ ( „ 40-45° C)............ °/o „ „ 66,00

„ „ ( „ 45—50° C.)............ °/o „ « 68,00

" ■ „ ( „ 50-55° C.)............ o/o „ „ 72,00

i „ „ 55-60° C.)............ °/o „ „ 77,00

: „ „ ( » 60-62° C.)............ °/o „ „ 82,00

„ „ ( „ 68-72° C.) D. A. V ......... °/o „ „ 210,00

Paraffinöl, dunkel, sp. G. 0,880—0,900............ °/o „ „ 22.00

Rotöl, sp. G. 0,860—0,880............ °/o „ „ 24 00

raffin., Gelböl, sp. G. 0,850—0.870........ °/o „ „ 26,00

„ Fettöl. sp. G. 0,880-0,890......... °/ 0 » „ 30.00

Flüssiges Paraffin D. A. V .................°/o „ „ 100,00

Paraffinum solidum:

Compcs & Cie., Düsseldorf.