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Auskunftsbuch für die chemische Industrie
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Oxalsäure.

Oxalsäure (Kleesäure; Acidum oxalicum). C 2 H 2 0 4 = (CO . OH)a.Sie findet sich in vielen Pflanzen, so als K a 1 i u m b i o x a 1 a t imSauerklee, Sauerampfer, Rhabarber u. s. w.; künstlich erhält man siebei der Behandlung vieler Kohlenstoffverbindungen (Zucker, Stärke, Zellu-lose) mit Salpetersäure oder schmelzendem Kalihydrat. So kann mansie durch Erhitzen von 1 T. Rohrzucker mit 8 T. HNO» gewinnen, dochfabrizierte man sie in der Technik bis vor kurzem ausschliesslich ausSägespänen: Auf 1 T. durch Sieben von grösseren Stücken befreiteSägespäne verwendet man 2 T. Alkali, und zwar in Form von Kalinatron-lauge (sp. Q. 1,31,4), womit man die Späne durchtränkt. Die Mischungwird, unter ständiger Bewegung durch ein Rührwerk, auf flachen Pfannen (in2 cm hoher Schicht) auf ca 240° erhitzt, bis eine grünlichgelbe Schmelze ent-standen ist. Noch heiss kommt diese in warmes Wasser, worauf man auf38° Be eindampft und erkalten lässt. Hierbei kristallisiert der grösste Teildes Natriumoxalats aus; man trennt dasselbe von der Flüssigkeit, löst es inwenig siedendem Wasser und fällt die Oxalsäure mit Kalk aus. Das Calcium-Oxalat endlich wird mit H 2 0 zu einem dünnen Brei angerührt, erhitzt und dasCa durch H 2 S0« ausgefällt. Die abgezogene Oxalsäurelösung wird weiter ein-gedampft, bis die letzten Gipsreste ausgeschieden sind, und zur Kristallisationhingestellt. Durch Umkristallisieren wird die Oxalsäure gereinigt. Auchdurch Behandeln von Sägespänen mit einem Gemisch von HNO3 und H2SO4wird Oxalsäure technisch gewonnen.

Nach dem D. R. P. 183 022 oxydiert man die Kohlehydrate mit HN0 3 inGegenwart geringer Mengen von Vanadinverbindungen (insbes. V2O5), diedabei als Sauerstoffüberträger wirken. Vorteile gegenüber der alleinigen Ver-wendung von HNO3 sind: dass der Prozess ohne jede Erwärmung durch-geführt werden kann, seine Dauer erheblich geringer ist, keine Zwischen-produkte gebildet werden und die Ausbeute bedeutend besser ist. Eine Ver-besserung dieses Verfahrens bringt das Zusatz-D. R. P. 208 999.

Die Darstellung von Oxalsäure aus Holzabfällen mittels überhitztenWasserdampfes unter Druck schützt Franz. Pat. 406 722. Andere Verfahren,die ebenfalls von Sägespänen, Pflanzenfasern u. s. w. ausgehen, sind inD. R. P. 245 800 sowie Amer. Pat. 999 551, 1001937 und 1018 092 nieder-gelegt.

Seitdem in neuester Zeit die Darstellung der Ameisensäure (s. d.)durch das patentierte Goldschmidt sehe Verfahren so bedeutend ver-billigt worden ist, benutzt man die ameisensauren Salze zur Gewinnung vonOxalaten, und zwar werden Alkalioxalate nach dem D. R. P. 111078 durchErhitzen eines Gemisches von ameisensauren und kohlensauren Salzen erzeugt.Eine wichtige Abänderung des Verfahrens bringt D. R. P. 161 512. Überdieses Verfahren siehe unter Kaliumoxalat (No. 23a im ArtikelK a-1 i u m v e r b i n d u n g e n"). Man macht dann aus dem gewonnenenOxalat die Säure frei.

Nach dem D. R. P. 204 895 gelingt die technische Umwandlung derFormiate in Oxalate ohne irgendwelche andere Zusätze, wenn man nicht imVakuum bei 360° arbeitet, sondern die Reaktion bei niederer Temp. (280°)vor sich gehen lässt. Weitere Verfahren zur Herstellung von Oxalaten ausFormiaten schützen D. R. P. 229 853, 240 937, 250 304 und 269 833 sowie Amer.Pat. 973 832.

Die Oxalsäure bildet mit 2H 2 0 farblose, durchsichtige, stark sauerschmeckende, geruchlose, an der Luft verwitternde Kristalle, die sich in1214 T. kalten, in 0,30,4 T. heissen Wassers lösen; die Oxalsäure istgiftig. Man benutzt sie in der Färberei und Kattundruckerei, zur Darstellungvon Ameisensäure, Rosolsäure, Dextrin und Diphenylaminblau, zum Bleichenvon Stroh, zum Reinigen von Stearin und Glyzerin, zur Beseitigung vonTinten- und Rostflecken, ferner (unter dem falschen Namen Zucker-säure) zum Putzen von Messing u. s. w.

Prüfung: Den Gehalt bestimmt man durch Titration mit Normallauge und Phenolphtaleinals Indikator; ebenso genau ist die Titration mit KMnO^ in schwefelsaurer Lösung 1 . Die Prüfungauf anorganische Stoffe, auf Cu, Pb, Fe und H 2 S04, geschieht in der allgemein üblichen Weise,