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Hirudo.
Zuweilen werden verwandte Arten in der Apotheke zum Kauf angeboten, soHirudo sanguisuga L., der Pferdegel, Rücken schwarzgrün, Bauch gelbgrün, Seitenzuweilen auch der Rücken, braun gefleckt. Hirudo fusca L. grünlich oder grünlich-chokoladenfarbig, auf dem Bauche grau- oder olivengrün, walzenförmig. Hirudo octo-culata Berger flach, grau-, grünlich- oder gelbbraun.
Einkauf. Versendung. Nur selten werden Blutegel von Landleuten gefangenund zum Kauf angeboten; in diesem Falle hat man sich durch genaue Besichtigung zuüberzeugen, dass es wirklich die officinellen Egel sind und dass sich nicht etwa solchedarunter befinden, die bereits gesogen haben. In der Regel ist der Apotheker darauf an-gewiesen, sie von Händlern oder Blutegelzüchtereien zu beziehen, deren es in Deutschland(G. F. STÖLTEE-Hildesheim l ), Glückmann Kobach -Königsberg i. Pr. u. A.), Frankreich,Ungarn und anderen Ländern verschiedene giebt. Von hier werden die Egel gewöhnlichin Holzkisten, die mit sogen. Muttererde gefüllt sind, oft noch in leinene Säckchen ver-packt, ohne Nachtheil auf weite Entfernungen, selbst nach überseeischen Ländern ver-schickt. ' Indessen ist es doch rathsam, grössere Vorräthe womöglich im Herbst oder Früh-jahr einzukaufen, in der heissen Jahreszeit aber nur massige Bestände zu halten, da danndie Sterblichkeit der Thiere am grössten ist. Eine im Winter bei Frostwetter eintreffendeSendung darf nicht sogleich in einen geheizten Raum gebracht werden; os ist vielmehrdafür Sorge zu tragen, dass, falls die Egel in Wasser aufbewahrt werden, auch dieses durcllängeres Verweilen am Aufbewahrungsorte dessen Temperatur angenommen hat, ehe siehineingesetzt werden. Denn die Blutegel ertragen zwar vorübergehend eine Kälte bis zu— 8°C. ohne Schaden, dagegen ist ihnen grössere oder anhaltende Kälte oder plötzlicherTemperaturwechsel schädlich.
Aufbewahrung. Der Verbrauch der Blutegel ist gegen früher im allgemeinengeringer geworden, so dass viele Apotheker mit 1Ü0—200 Stück längere Zeit auskommen.Diese vertheilt man auf 2 — 3 Vorrathsgefässe und benutzt als solche Hafengläser oderirdene, innen glasirte Kruken, die man mit grober, ungebleichter Leinwand überbindet;dabei hat man sorgfältig darauf zu achten, dass diese nicht schadhaft ist und am Randekeine Falten schlägt, denn die Egel entweichen auch durch die kleinste Oeffnung. DieGefässe müssen so gross gewählt werden, dass je 100 Egeln etwa ein Raum von 10 1 zurVerfügung steht; sie erhalten ihren Platz an einem recht kühlen, Temperaturschwankungenmöglichst wenig ausgesetzten, durchaus frostfreien, doch nicht geheizten Ort, in dessenNähe sich weder Riechstoffe (Chlorkalk, Kampfer) befinden, noch saure oder ammoniaka-lische Dämpfe entwickeln können; in der Regel stellt man sie auf den Boden eines kühlen,luftigen Kellers.
Die gebräuchlichste Aufbewahrung der Blutegel ist diejenige in reinem Wasser,dessen Temperatur und Bestandteile hierbei von grossem Einfluss auf das Befinden derThiere sind. Es soll 8—10° 0. warm, möglichst frei von Kalk, Magnesia und Eisen sein;man nimmt also im Sommer Brunnenwasser, im Winter klares Flusswasser, das natürlichnicht durch Abwässer aus Fabriken verunreinigt sein darf und auf die richtige Temperaturgebracht ist (siehe oben). Das Erneuern des Wassers geschieht in der kälteren Jahreszeitwöchentlich ein- bis zweimal, im Sommer einen Tag um den andern, nöthigenfalls nochöfter, d. h. sobald man Schleimfäden, Trübung, todte Thiere wahrnimmt, was nach Ge-wittern öfter der Fall ist. Hierbei ist die peinlichste Sauberkeit nothwendig, denn dieEgel sind auch in dieser Hinsicht sehr empfindlich; die Blande müssen sorgfältig mit Seifeund danach mit Wasser gereinigt sein; die Geräthe dürfen nicht zu andern Zwecken be-nutzt werden. Zunächst schüttet man die Egel auf einen kleinlöcherigen Durchschlag,reinigt die Wandungen des Gefässes von angesetztem Schleim, ebenso die Blutegel durchbehutsames Uebergiessen mit Wasser, entfernt auch hier etwaige Schleimfäden, besondersaber kranke und todte Thiere und bringt die übrigen wieder in das mit frischem Wasserbeschickte Gefäss zurück.
Diese einfache Behandlung genügt bei stärkerem Verbrauch, die Egel frisch undsaugfähig zu erhalten. Bei geringem Bedarf ist der Apotheker aber nur mit grossem Ver-lust in der Lage, der gesetzlichen Forderung des Vorräthighaltens von Blutegeln zu ge-nügen, und es mangelt deshalb nicht an Vorschlägen für deren angeblich zweckmässigsteAufbewahrung. Man hat empfohlen, die Thiere in ständig fliessendem Wasser zu halten,oder dem Wasser Holzkohle, Sand, Kieselsteine, Thon, Holzwolle, Pferdeschwämme, Car-rageen, Stroh (sogar Salicylsäure!) zuzusetzen, um ihnen das Abstossen der Häute und desSchleimes zu erleichtern; auch Anlagen von förmlichen Aquarien mit Wasserpflanzen, wieElodea canadensis, Ceratophyllum u. a. und Aufstellung derselben in hellen, luftigen Räumen
*) Diese im Jahre 1840 gegründete Blutegelzuchtanstalt empfängt, da die selbst-gezüchteten Egel dem Bedarf nicht genügen, grosse Sendungen aus andern Länden», ver-schickt die Thiere aber erst nach 1—l 1 /, jährigem Aufenhalt in besonderen Konservirungs-teichen.