Bryonia.
50$
Den Rückstand löst man in einigen Tropfen verdünnter Schwefelsäure, bringt diese Lösung,eventuell unter Zusatz von etwas Wasser, auf ein Uhrglas und fügt unter UmrührenKaliumdichromatlösung hinzu. Sobald sich Krystalle abscheiden, tupft man die Mutterlaugemit Filterpapier ab (!). Werden die Krystalle nunmehr in konc. Schwefelsäure gebrachtoder mit konc. Schwefelsäure übeTgossen, so verursachen sie blauviolette Färbung, fallssie Strychnin enthalten.
Aufbewahrung. Unter den direkten Giften, sehr vorsichtig. Lichtschutz istnicht unbedingt erforderlich, aber zu empfehlen.
Anwendung. Brucin soll hei lokaler Anwendung anästhesirende Wirkung haben,doch ist diese Angabe unsicher. Innerlich wirkt es wie Strychnin (s. dieses), aberschwächer als dieses. Nach einigen soll es nur 1 / 10I nach anderen sogar nur '/jo - '/so derStärke der Strychninwirkung besitzen. Indessen sind auch diese Angaben nur mit Vor-sicht aufzunehmen. In Deutschland ist es nur sehr wenig im Gebrauch. Man giebt diefreie Base oder deren Salze zu 0,01—0,05—0,1 g in Pillen oder Tropfen. Höchstgaben:0,1 g pro dosi, 0,2 g pro die (Ergänzb.).
ff Brucinum nitricum. Brucinnitrat. Salpetersaurea Brucin C s , 3 H 26 N.,0 1 .HN0 3 -f '& H. 2 0 = 493. Zur Darstellung werden 100 Th. kryst. Brucin in 200 Th. warmemAlkohol von 45 Proc. gelöst und mit (53 Th.) Salpetersäure von 25 Proo. neutralisirt, wor-auf man die Lösung an einem warmen Orte langsam abdunsten lässt. Farblose vierseitige,in Wasser und in Weingeist leicht lösliche Prismen. Aufbewahrung, Anwendung undDosirung wie unter Brucin angegeben.
ff Brucinum sulfuricum. Brucinsulfat. Schwefelsaures Brucin (C 2l! II 26 N 2 0 4 ),H 2 S0 4 -f 7 ILO = 1012. Zur Darstellung löst man 100 Th. kryst. Brucin in soviel (64 _ Th.)verdünnter Schwefelsäure, dass eine neutrale Lösung entsteht und bringt diese durch Ab-dunsten zur Krystallisation. Aus der Lösung in überschüssiger Schwefelsäure krystallisirtein saures Salz. Aufbewahrung, Anwendung und Dosirung. wie unter Brucinum angegeben.
ff Brucinum crudum. Rohes Brucin. Das bei der Fabrikation des Strychninaabfallende Boh-Brucin, welches stets mehr oder weniger Strychnin enthält, wird zum Theilunter dem Namen Brucin, zum Theil als „Strychnin" von den Fabriken als Gift zum Ver-tilgen von Raubzeug etc. abgegeben.
Bryonia.
Gattung der Cucurbitaceae — Cucurbiteae-Cucumerhiae.Bryonia dioica Jacq. mit rothen Früchten, heimisch in Mittel- und Südeuropa, undßryotlia alba L. mit schwarzen Früchten, heimisch von Nordpersien bis Ungarn undSüdrussland. Vielfach angepflanzt und aus den Kulturen an Zäunen und Hecken verwildert.
Beide Arten liefern in ihrer fleischigen, über armdicken, 60 cm langen Wurzel dieRadix Bryoniae. Radix Uvae anginae. Radix Yitis albae. Zaunrübe. Faulrübe.Gichtrübe. Hundskürbis. Stickwurz. Weisser Enzian. Racine de Bryone blanche(Gall.). Bryonia. Bryony (U-St.). Die Wurzel ist innen weisslich mit Milchsaft, aussenweiss-gelblich bis blass-bräunlich, bei Bryonia dioica glatt, hei Bryonia alba geringelt undwarzig. Geschmack ekelhaft bitter, Geruch widrig. Trocken ist sie schwammig, mehlig,fast geruchlos und wenig bitter.
Der Holzkörper besteht aus schmalen Holz- und breiten Markstrahlen.
Bestandtheile. Ein Glykosid Bryonin C 54 H 48 0 9 , löslich in Wasser und Alkohol,unlöslich in Aether, zu 1,0—1,2 Proc. in der Wurzel. Ferner BryoTesin C 3 ,fl 68 0 18 , lös-lich in Alkohol und Aether, unlöslich in Wasser, in der Pflanze wahrscheinlich in Formeines Alkaliresinates vorhanden. Das Bryonin findet sich in der Pflanze in schlauch-förmigen Zellen lokalisirt.
Einsammlung und Aufbewahrung. Die Wurzel wird im Frühjahre vor derBlüthe gegraben, gewaschen, in Scheiben geschnitten und auf Bindfaden aufgereiht ge-trocknet. 9 Th. frische Wurzel geben 1 Th. trockene. Man bewahrt sie in gut ver-schlossenen Blech- oder Glasgefässen auf.