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Bromum.
Farbe. Brom setzt das Jod aus den Jodiden in Freiheit und färbt Stärkelösimg orange-gelb. Brom ist in ähnlicher Weise wie Chlor ein energisches Oxydationsmittel; es entfärbtLackmus und Indigo, zerstört Holz, Kork u. dg-1. Substanzen. Auf die Haut gebracht wirktes zerstörend auf diese. Mit Ammoniak verbindet es sich zu Ammoniumbromid.
Prüfung. 1) Einige Tropfen auf ein Uhrglas gebracht, müssen sich in der Wärmeverflüchtigen, ohne einen wägbaren Rückstand zu hinterlassen. (Bleibromid etc.) 2) 20 Tropf,müssen sich in 5 cem Natronlauge zu einer klaren Flüssigkeit auflösen. (Abscheidungöliger Tropfen würde auf Verunreinigung durch organische Bromverbindungen, z. B. Bromo-form, hinweisen.) 3) Schüttelt man die wässerige Lösung (1: 30) mit überschüssigem Eisen-pulver, so darf das Filtrat nach Zusatz von Ferrichlorid weder Chloroform, welches mit derMischung geschüttelt wird, violett färben, noch durch Zusatz von Stärkelösung blau gefärbtwerden (Jod). 4) Chlor weist man am zweckmässigsten nach, indem man das Brom durchAmmoniak in Ammoniumbromid (s. S. 263) überführt und dieses nach dem Trocknen in derS. 263 angegebenen Weise maassanalytisch prüft.
Aufbewahrung. Wegen seiner grossen Flüchtigkeit ist das Brom in Gefässenmit sehr gut eingeriebenen Glasstopfen aufzubewahren. Diese Gläser erhalten zweckmässigeine aufgesehliffene Glasglocke, deren Schliff man durch Einfetten mit etwas Paraffinsalbeoder Ceratsalbe dichtet. Ausserdem soll man den Bromvorrath an einem kühlen Orte (!),also im Keller aufbewahren. In der Officin halte man überhaupt kein Brom vorräthig,weil Bromdämpfe die Emaille der Glasgefässe stark angreifen. Hat man kleinere Vorrätheim Keller (z. B. ein Glas mit 5 oder 10 g Brom), so kann es vorkommen, dass man dieGefässe im Bedarfsfalle leer vorfindet. Man wird sich alsdann in der S. 507 angegebenenWeise helfen können.
Sollte Brom als solches oder in der Form von Bromwasser zu dispensiren sein, soist es in Gläsern mit Glasstopfen (letztere mit Baumwachs umklebt) abzugeben.
Erkennung und Bestimmung. A. Man erkennt das freie Brom an seinemGerüche und an seiner Färbung, ferner an folgenden Reaktionen: 1) Feuchtes Stärkemehlwird durch freies Brom orangegelb gefärbt. 2) Es setzt aus einer Kaliumjodidlösung Jodin Freiheit, welches durch Ausschütteln mit Chloroform oder durch Zusatz von Stärke-lösung nachgewiesen werden kann. 3) Freies Brom wird durch schweflige Säure zuBromwasserstoff reducirt und zeigt alsdann die für die Bromwasserstoffsäure angegebenenReaktionen s. S. 53. 4) Freies Brom giebt mit einer wässerigen Lösung von Karbolsäureeinen weissen Niederschlag von Tribromphenoi. B. Man bestimmt das Brom am zweck-mässigsten massanalytisch. Man bringt eine (in einem dünnwandigen Glaskügelehen) ab-gewogene Menge Brom in eine Lösung von überschüssigem Kaliumjodid, zertrümmert dasKügelchen, nachdem es in die Kaliumjodidlösung eingetaucht worden ist, und titrirtdas ausgeschiedene Jod durch Natriumthiosulfatlösung. Je 1 cem der l / 10 -rTormal-Natrium-thiosulfatlösutig zeigt 0,008 g Brom an. — Von nicht koncentrirten wässerigen Bromlösungenkann man mit Pipetten gemessene Mengen direkt in überschüssige Kaliumjodidlösung ablaufenlassen, ohne wesentliche Verluste befürchten zu müssen. — Betont sei indessen, dass beidieser Art der massanalytischen Bestimmung des Broms auf einen Chlorgehalt des letz-teren nicht Rücksicht genommen ist. Ein Chlorgehalt des Broms würde verursachen,dass bei dieser Bestimmung die gefundenen Resultate etwas zu hoch ausfallen.
Anwendung. Brom ist ein starkes Antisepticum und Desinficiens. In Substanzerzeugt es auf Haut (unter Gelbfärbung) und Schleimhäuten starke Aetzung. In denMagen gebracht verursacht es heftige Gastroenteritis, eingeathmet starke Reizung derLuftwege (Gegenmittel = Alkohol). Man benutzt es in Dampfform zur Desinfektion ge-schlossener Räume (wobei die gleichzeitige Anwendung von Karbolsäure zu vermeiden ist,da beide sich in ihrer Wirkung unter Bildung von Tribromphenoi fast aufheben). Fernerdie Lösung 0,5—1,0:100,0 Wasser in der Wundbehandlung als Antiseptikum, zu Pinselungenbei Diphtherie, zu Inhalationen. Um die Auflösung des Brom zu unterstützen, lässt mander wässerigen Lösung in der Regel Kaliumbromid zusetzen. Bei der Darreichung sindMetalllöffel zu vermeiden. Die Abgabe von Brom oder seinen Lösungen hat in dunklenFlaschen zu erfolgen. Zur Desinfektion von Wohnräumen ist das Brom wegen der speci-fischen Schwere der Bromdämpfe stets hoch zu stellen.
Bromum 8X tempore. Wie schon bemerkt wurde, kann es eintreten, dass trotz allerSorgfalt der Aufbewahrung ein nicht allzugrosser Vorrath von Brom eines Tages spurlos