Druckschrift 
Erg.Bd. (1908)
Entstehung
Seite
785
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Yohimbinum.

wirksame Alkaloid soll nach Dupony und Beille mit Yohimbin identisch sein. Obgleichdie anatomischen Verhältnisse bei beiden Binden sehr ähnlich sind, machen sich bei nähererUntersuchung doch gewisse Abweichungen bemerkbar. Nach Piebbe sind bei C. Yohimbedie Parenchymzellen des Bindengewebes polygonal, die Bastfasern zu Gruppen von 5 bis6 Elementen vereinigt, die Markstrahlen nach außenhin verbreitert, bei P. Trillesii dagegenist das Bindengewebe angeblich aus mehr unregelmäßigen Zellen verschiedenen Durch-messers zusammengesetzt, die Elemente der Bastfasern sind zu Gruppen von 1012 ver-einigt und die Markstrahlen im ganzen Verlaufe von gleicher Breite. Über eine dritte, sog.falsche Yohimberinde berichtet Hebzog; sie stammt von Corynanthe macrocerasK. Schum. 1 ) und enthält nur wenig Yohimbin, im wesentlichen dagegen unwirksamesYohimbenin oder wirkungslose Nebenbasen, so daß eine medizinische Verwendung aus-sen ist.

Prüfung. Außer den botanischen Merkmalen können folgende Angaben und Re-aktionen zur Identifizierung der Yobimberinde herangezogen werden:

a) Vorprüfung. 1. D ; e Rinde gibt ein auffallend voluminöses, grobfaserigesPulver. 2. Einige Rindensplitter in einem Reagensglase mit stark verdünnter wässerigerNatronlauge (10 Tropfen offiz. Natronlauge -\~ 20 com Wasser) kräftig geschüttelt, erteilender Flüssigkeit sofort eine weinrote Färbung, die bei längerem Stehen an der Luft in eintiefes Bordeauxrot übergeht. Verschiedene, der Yohimberinde nicht unähnliche Gerbrinden gebenhierbei eine gelbe bis bräunliche Färbung, die erst im Verlaufe einiger Zeit in Rot um-schlägt. 3. Etwa 1 g Rindenpulver, mit 20 com lproz. wässeriger Salzsäure kräftig ge-schüttelt, gibt ein Filtrat, in dem Mayees Reagens einen dicken weißen Niederschlaghervorruft. Geben die unter 1., 2. und 3. aufgeführten Vorprüfungen positive Resultate, sogilt es, die Droge weiter als echte Yohimberinde zu identifizieren.

b) Identitätsnachweis. Hierzu läßt sich die das Yohimbin kennzeichnendeFarbenreaktion mit konz. Schwefelsäure und Kaliumdichromat verwenden. Um die Yohimbe-alkaloide schnell genügend rein und in ausreichender Menge aus der Rinde zu gewinnen,verfährt man auf folgende Weise: 23 g Rindenpulver werden in einer 50 ccm-Flasche mit25 ccm Äther,' 5 ccm Chloroform und 2 com Ammoniakflüssigkeit Übergossen und das Ge-misch unter häufigem Schütteln etwa 1 J i Stunde stehen gelassen. Man filtriert dann in einenkleinen Scheidetrichter ab und schüttelt die Äther-Chloroformlösung mit 30 ccm lproz.wässeriger Salzsäure aus, läßt diese in ein Kölbchen abfließen, erwärmt gelinde, bis deranhaftende Äther verjagt ist und macht nach dem Abkühlen der sauerwässerigen Flüssigkeitsie mit Ammoniak schwach alkalisch. Hierbei fallen die Alkaloide als weißer, voluminöserNiederschlag aus; dieser wird abfiltriert und mit wenig destilliertem Wasser nachgewaschen.Nachdem das Waschwasser abgelaufen, gibt man von dem auf dem Filter gesammeltenNiederschlage einen Teil auf ein Uhrgläschen, das auf weißem Papier als Unterlage steht,löst ihn in etwa 1 ccm konz. Schwefelsäure und setzt ein Kristallenen Kaliumdichromat zu.Hierbei müssen falls echte Yohimberinde vorliegt sehr bald beim Hin- und Herbewegender Lösung die für Yohimbin charakteristischen kräftig blauvioletten Farbentöne deutlichhervortreten.

Wirkung, Anwendung. Die Rinde findet bis jetzt weder als solche noch in Formgalenischer Zubereitungen (wie dies sonst bei Drogen üblich ist) therapeutische Anwendung;sie dient hauptsächlich zur fabrikmäßigen Herstellung ihres wirksamen Bestandteiles, desYohimbins, das in Form seiner salzsauren Verbindung als wirksames und in den zu seinerWirkung nötigen Gaben unschädliches Aphrodisiacum, nebenbei aber auch als brauchbareslokales Anaestheticum (ähnlich dem Cocain) gilt. Näheres über Wirkung, Anwendung undDosierung ist daher nachstehend unter Yohimbin, hydrochlor. zu finden.

Yohimbinum.

t Yohimbinum, Yohimbin, C 22 H 30 0 4 N 2 , ist das Hauptalkaloid der Yohimbe-rinde von Corynanthe Yohimbe Schum., einer in Kamerun einheimischen Bubiacee. (SieheSeite 783.)

1 ) Außer C. Yohimbe nennt Schümann noch vier weitere Corynanthe-Arten, die alleim südlichen Kamerun vorkommen sollen, nämlich C. panniculata Welw., C. paehycerasK. Seh., C. braehythyrsus K. Seh. und C. macroceras K. Seh.

Handb. d. pharm. Praxis. Ergänzungsband.

50