784
Yohimbehe.
Rinde fallen noch die dunkelbraun gefärbten Sekretschläuche auf, welche die Rinde un-regelmäßig hin und her durchziehen.
Inhaltstoffe. Die Rinde enthält eine Anzahl (nach Siedler mindestens vier)Alkaloide; der Gesamtalkaloidgehalt wird von Spiegel mit 0,3—1,5 Proz. angegeben,Thoms fand 0,545 Proz., doch kommen auch Rinden mit weit höherem Alkaloidgehalt vor.Das wichtigste und zugleich allein die Wirkung der Droge bedingende Alkaloid ist dasYohimbin (Spiegel), das auch in den Zweigstücken und Blättern des Yumbehoa-baumes aufgefunden worden ist. Die freie Base, aus verdünntem Alkohol mehrfach um-kristallisiert, bildet rein weiße, matt seideglänzende Nadeln vom Schmelzp. 231° C; ausBenzol kristallisiert, schmilzt sie bei 234° bis 234,5°. Diese Unterschiede habenbislang noch keine Erklärung gefunden. Als empirische Formeln für Yohimbin sindaufgestellt worden: C 23 H 32 N 2 0 4 und die homologe C 22 H 30 N 2 0 4 , ferner die Anhydridformelder letzteren C 22 H 28 N 2 0 3 und schließlich C 21 H 28 N 2 0 4 . Man hat sich bisher auf eine be-stimmte dieser Formeln nicht einigen können; die beiden ersteren sind die in der Literaturverbreitetsten. Yohimbin löst sich leicht in Äthyl-, Methyl-, Amylalkohol, Äther, Essig-äther, Aceton, Chloroform, schwer in Benzol, fast gar nicht in Wasser. KonzentrierteSchwefelsäure löst es farblos. Es dreht in alkoholischer Lösung die Ebene des polari-sierten Lichtes nach rechts. Licht und Luft ausgesetzt, färbt sich die freie Base gelblich,eine Eigenschaft, die bei ihren Salzen, insbesondere dem Chlorhydrat, nicht zutage tritt.Yohimbin ist eine tertiäre Base und besitzt Aldehydnatur; es wirkt auf ammoniakalischeSilbernitratlösung kräftig reduzierend. Ferner enthält es eine Methoxylgruppe. DurchOxydation mit Kaliumpermanganat in alkalischer Lösung oder aber durch Verseifen mitAlkali (30 proz. KOH) spaltet Yohimbin verschiedene Säuren ab, von denen die wichtigstedie auf letztgenanntem Wege erhaltene Yohimboasäure (Wlnzheimee) ist, die bei259—260° C unter Zersetzung schmilzt. Durch Esterifizierung dieser Yohimboasäuremit Methylalkohol und Chlorwasserstoff entsteht nämlich ein dem Yohimbin völlig gleicherStoff, woraus hervorgeht, daß letzteres der Methylester der Yohimboasäure ist.
Mit Kaliumquecksilberjodid (Mayers Reagens) gibt Yohimbin einen weißen, mitPhosphorwolframsäure ebenfalls einen weißen, mit Phosphormolybdänsäure einen gelblich-weißen, mit Pikrinsäure einen gelben Niederschlag. Konz. HN0 3 erzeugt eine zuerst farb-lose Lösung, die sehr schnell intensiv gelb wird und diese Farbe beim Erhitzen behält;durch Übersättigen der Lösung mit Natronlauge schlägt die Färbung in Orangerot um.Erdmanns Reagens erzeugt eine dunkelblauschwarze Färbung, die schnell grünlich, schließ-lich gelbbraun wird. Besonders charakteristisch für Yohimbin ist folgende Farb-reaktion: Man löst ein wenig Alkaloid in konz. H 2 S0 4 , die es ohne Färbung aufnimmt;gibt man zu dieser Lösung ein Kristallenen Kaliumbichromat, so bildet sich sehr bald einStreifen mit deutlichem, schön blauviolettem Rande, der allmählich schmutziggrün wird.(Spiegel.)
Eine zweite, näher erforschte Yohimbebase ist das Yohimbenin (Spiegel), dasals regelmäßiger Begleiter des Yohimbins auftritt. Es wird ihm die vorläufige Formel:C 36 H 45 N 3 0 6 und der Schmelzp. 135° C (nach Herzog beginnt die Base schon bei 120° Czu sintern) zugeschrieben. In konz. H 2 S0 4 löst sich der Stoff mit schwacher Gelb-färbung; Kaliumdichromat bewirkt in dieser Lösung einen intensiv gelbbraunen Streifen,der nur einen schmalen schmutzig-braunvioletten Rand zeigt (Unterschied von Yohimbin).Dem Yohimbenin, welches als Hauptbestandteil in einer sog. falschen Yohimberinde(s. unter Verwechslungen) enthalten ist, kommt ebenso wie den anderen Nebenbasenkeine physiologische Wirkung zu.
Zu erwähnen ist noch ein der Rinde eigener charakteristischer Farbstoff, dersich in wässerigen Alkalien mit schön bordeauxroter Farbe löst.
Substitutionen, Verwechslungen. Eine andere, der echten Yohimberindeaußerordentlich ähnliche Rinde soll im französischen Kongogebiet vorkommen; als derenStammpflanze wird Pausinystalia Trillesii Pierre, ebenfalls eine Rubiacee, genannt.Den Baum bezeichnen die Eingeborenen dort mit „Endun". Das aus dieser Rinde gewonnene