Seeale cornutum.
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Von einem Aufguß aus 1 g Mutteikompulver, 20 g destill. Wassers und 1 TropfenSalzsäure werden 4 g (=0,2 g Pulver) abfiltriert, mit einem Tropfen Salmiakgeistversetzt und mit 10 cem Äther kräftig ausgeschüttelt. 5 com des nach dem Absetzenklaren Äthers mit einer Pipette in einem Reagierglase auf etwa 2 cem reiner Schwefel-säure geschichtet, müssen an der Berührungsfläche innerhalb einiger Zeit eine kornblumen-blaue Zone hervorrufen. — Diese Farbenreaktion schreibt man dem Alkaloid Cornntin(Ergotoxin Barger und Carr?) zu; man erhält schon bei einem Gehalte von 0,1 Proz.Alkaloid nach einiger Zeit einen schwachblauen Bing, welcher bei einem hohen Gehalteder Droge (0,2—0,3 Proz. Alkaloid) eine tiefviolettblaue Färbung annimmt. Das Ausbleibendieser Reaktion führt Stich auf Oxydationswirkungen zurück, durch die Produkte entstehen,welche die Blau- und Violettfärbung nicht mehr geben. Da die Unwirksamkeit dieser Pro-dukte aber nicht erwiesen ist, hat die obige kolorimetrische Prüfung nur bedingtenWert. Sie kann aber zur schnellen Wertbeurteilung insofern herangezogen werden, alsein Mutterkorn, das besagte Farbenreaktion einwandfrei zeigt, ohne weiteres als frischund linzersetzt zu bezeichnen ist.
Der nach dem Keller sehen (Bd. II S. 874), von Fromme etwas modifizierten Ver-fahren (Pharm. Ztg. 1905, S. 772) ermittelte Alkaloidgehalt des Mutterkorns schwanktnach neueren Angaben von Caesar und Loretz zwischen 0,027 bis 0,364 Proz. undbeträgt bei der besseren Ware durchschnittlich 0,24—0,32 Proz. Jedenfalls sollte gutesMutterkorn spanischer Provenienz nicht unter 0,2 Proz., russischer Provenienz nichtunter 0,24 Proz. Alkaloid enthalten. Im Jahre 1907 fanden Caesar und Loretz freilichoft nur 0,10—0,18 Proz., bei deutschem und sibirischem Mutterkorne sogar nur 0,027 bis0,050 Proz. Alkaloid.
Anwendung und Wirkung. Nach Bürgers langjährigen Erfahrungen kannman in der geburtshilflichen Praxis viel höhere Dosen Seeale anwenden, als dies bisherüblich war, ohne Ergotismus befürchten zu müssen. Vor operativen Eingriffen wurdeverordnet innerlich 0,5—1,5 g Ergotinum dialysatum, und nach der Geburt Infus. Seealiscornuti 35 : 180 mit 20 g Sirup. Pub. id., stündlich 1 Eßl. voll. Prüsemann hält dagegendie rechtzeitige Anwendung des Mittels für wichtiger als die höhere Dosierung; er tritt,entgegen der vorherrschenden Ansicht, daß man Seeale erst nach dem Austritt der Pla-centa geben müsse, für die prophylaktische Verwendung ein.
t Clavin, C u H 22 N2C-4, von E. Vahlen im Jahre 1905 eingeführt, wird als der wirk-same, Wehen hervorrufende Bestandteil des Mutterkorns bezeichnet, der aber weder Gangrännoch Krämpfe erzeugt.
Darstellung. (D. R. P. 175 590 und 175591.) Ein wässeriger Mutterkornauszugwird mit gesättigter Barytlösung gefällt, solange noch ein Niederschlag entsteht. Nachdem Absitzen wird abfiltriert, das Filtrat nach Entfernung des Baryts mittels Kohlensäurezu Sirupdicke eingedampft und mit heißem absolutem Alkohol, etwa 500 cem auf so vielExtrakt, als man aus 500 g Mutterkorn erhält, extrahiert. Die alkoholische Lösung wirdvorsichtig bis zur beginnenden Kristallisation eingedampft. Die Kristalle werden abge-sogen und aus Weingeist umkristallisiert. Die Ausbeute beträgt in der Regel mehrereGramm auf 1 kg Mutterkorn. Man kann das Verfahren unter Weglassung der Baryt-fällung vereinfachen, indem man lediglich mit 75 proz. Weingeist in der Siedehitze dentrockenen Rückstand eines wässerigen Mutterkornauszuges extrahiert. Beim Abkühlen derheiß filtrierten weingeistigen Lösung scheidet sich das Clavin in zarten Nadeln aus, diezum Teil in einer braunen, schmierigen Masse stecken. Die Kristalle werden abgesogenund nach wiederholtem Umkristallisieren aus reinem Weingeist rein erhalten.
Eigenschaften. Ein weißes, kristallinisches Pulver, löslich in 25 Teilen kaltemund 15 T. siedendem Wasser. Die wässerige Lösung reagiert neutral und wird wederdurch Alkalien, noch durch kohlensaure Alkalien gefällt. In absolutem Alkohol ist dasClavin nur sehr schwer löslich, leichter in verdünntem Weingeist. In Äther, Essigätherund Petroläther ist es unlöslich. Das reine Clavin schmilzt im zugeschmolzenen Capillar-rohr bei 262—263°.