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Seeale comutum.
bekannte Mutterkornsubstanzen (Bd. II S. 872 u. 873). An den neueren Forschungen habensieh beteiligt: Vahlen, Keaft, Babgbe und Caee.
A. Vahlen isolierte aus dem Mutterkorn einen neuen Körper, das Clavin, demdie empirische Formel C 11 H 22 N 2 0 4 zukommt; es ist kein Alkaloid und nach Vahlen dereinzige Bestandteil des Mutterkorns, dessen Charakterisierung als einheitlicher Körper bishervöllig gelungen ist. Das Clavin besitzt eine sehr geringe Allgemeinwirkung, vor allemaber soll es frei sein von den beiden Giftwirkungen des Mutterkorns: der krampferregendenund der gangr'änerzeugenden. Es wird ihm die spezifische Wirkung auf den Uterus zu-geschrieben, den es zu mehr oder weniger heftigen Kontraktionen anzuregen imstande ist.Näheres über Clavin siehe S. 605.
B. Neuere Untersuchungen des Mutterkorns durch Keaft haben zu folgendenErgebnissen geführt: Als spezifische Stoffe finden sich im Mutterkorn das Ergosterin(Taneet), ferner zwei Alkaloide: das krist. Ergotinin (Taneet) und das amorphe Hydro-ergotinin; eine Gruppe gelbgefärbter Lactonsäuren: die Secalonsäure und ihre amor-phen Verwandten; eine weiße, von der Secalonsäure unabhängige Säure, die Secaleamido-sulfonsäure und schließlich die auch sonst verbreiteten Stoffe: Betain, Cholin, Mannit.Die Alkaloide sind krampf- und gangränerzeugende Gifte, nicht aber die Träger derspezifischen, Uteruskontraktionen hervorrufenden Mutterkornwirkung. Als solchen vermutetKraft einen anderen wasserlöslichen Inhaltstoff, den er zwar nicht isoliert hat, der aberwahrscheinlich mit dem Clavin Vahlen s in Verbindung zu bringen ist. Die von Kobeetund Jacoby zu ihren Versuchen herangezogenen Mutterkornsubstanzen hält Kraft fürkeine reinen Stoffe, sondern für Gemenge der oben angeführten, von ihm isolierten Kein-substanzen, die ihre physiologische Wirksamkeit sämtlich den Alkaloiden, hauptsächlichdem Hydroergotinin, verdanken. Das Cornutin Kellee und das Secalin Jacobys er-wiesen sich als identisch mit dem Ergotinin (Taneet). Der Ergotinsäure liegt die Secale-amidosulfonsäure zugrunde.
C. In gewissem Widerspruche zu den Ansichten von Vahlen und Keaft stehen dieneueren Forschungsergebnisse von Baegee und Caee. Diese isolierten zunächst vonneuem das Ergotinin und fanden, daß diesem an Stelle der von Taneet angegebenenFormel C 36 H 40 N 4 0 6 die Formel CggH^NaOa zukommt. Aus den Mutterlaugen des krist.Ergotinins erhielten — wie schon früher Taneet „amorphes Ergotinin" und Kobeet„Cornutin" — Baegee, und Caee ein zweites Alkaloid in chemisch reinem Zustande,das sie Ergotoxin nennen und von dem sie mehrere Salze in schönen Kristallen her-stellen konnten. Seine Zusammensetzung ist der des Ergotinins sehr ähnlich, es ent-hält wahrscheinlich Phenolhydroxyl. Beide Alkaloide geben stark fluorescierende Lösungen.Das Ergotoxin soll nach Dall schon in Dosen von wenigen Milligrammen alle typischenphysiologischen Erscheinungen des Mutterkorns hervorrufen, so daß es gen. Forscher alsdessen wirksames Prinzip ansehen, während sie das Ergotinin für ziemlich unwirksam halten.
Das Ergotoxin löst sich in verdünnten Ätzalkalien und unterscheidet sich auch hier-durch von Taneet s Ergotinin. Die Löslichkeit in kaustischen Alkalien spricht auchdafür, daß das Ergotoxin wahrscheinlich in dem Ergotinin des Handels, im Cornutin undähnlichen Mutterkornpräparaten vorkommt und ebenso in den sauer reagierenden Ergotin-stoffen, wie Chrysotoxin, Sphacelotoxin und Sphacelinsäure, deren physiologische Wirksam-keit wahrscheinlich teilweise durch das Ergotoxin bedingt wird.
Aus alledem geht hervor, daß eine Übereinstimmung in den Ansichten der ver-schiedenen Forscher noch nicht erzielt worden ist, wenn auch die neueren Ergebnisse vielAufklärendes bringen. Man darf demnach wohl annnehmen, daß es sich bei Seeale cornu-tum nicht nur um eine, sondern um zwei oder mehrere wirksame Substanzen handelt.Jedenfalls haben zurzeit das Clavin Vahlen und das Ergotoxin Baegee und Caee diemeiste Berechtigung, als Träger der medizinisch wertvollen, Uteruskontraktionen hervor-rufenden Mutterkornwirkung anerkannt zu werden.
Prüfung. Zur raschen ungefähren Wertbeurteilung des Mutterkorns empfiehltFromme in den Berichten von Caesae und Loeetz folgende kolorimetrische Prüfung: